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Suchmaschinen

Deutsch-österreichische Such-Alternative vor Start

Wer über Google oder Microsofts Bing sucht, kann dies nur nach den Vorgaben der US-Suchmaschinen tun. Nach welchen Kriterien die Suchergebnisse gereiht werden, bleibt ein Geheimnis. Auch auf ihre Datenbasis, die indexierten Websites, geben die großen Suchmaschinen keinen Zugriff. Genau das will aber das in Wien und München ansässige Start-up Bertaweb (Anm.: Website derzeit nur ein Platzhalter) tun und so nicht nur eine, sondern viele Alternativen zu den US-Suchgrößen ermöglichen.

Ebenso wie Google und Bing durchsucht das junge Unternehmen das Web und speichert es in einer eigenen Datenbank ab. Die Datenbasis stellt das Start-up nun Entwicklern zur Verfügung, die darauf aufbauend Suchanwendungen entwickeln können.

"Wir wollen nicht mit Anzeigen Geld verdienen, wie Google und andere Suchmaschinen, sondern geben über eine Schnittstelle gegen Gebühr Zugriff auf unseren Web-Index ", sagt Bertaweb-Gründer Paul Ingram zur futurezone. "Damit ist es auch kleineren Unternehmen möglich, auf Webdaten basierende Anwendungen zu erstellen."

Marktplatz für Suchanwendungen

Die von Drittanbietern entwickelten Anwendungen sollen - ähnlich wie in den App Stores von Apple und Google - auf einem eigenen Marktplatz angeboten werden, der von Bertaweb betrieben wird. Neue Modelle zur Websuche seien ebenso möglich wie semantische Anwendungen. "Wer eine gute Idee hat, wie man Suchergebnisse anders gruppieren kann, kann das sehr schnell umsetzen", sagt Ingram. "Wir stellen über unsere Schnittstelle hunderte Parameter zu Verfügung, anhand derer Suchergebnisse gewichtet werden können."

Bertaweb sei eine gute Ausgangsbasis für neue Suchanwendungen. "Die Eintrittsbarrieren für Start-ups ins Suchgeschäft werden gesenkt, weil das Sammeln, Speichern und der schnelle Zugriff auf den Index gewährleistet ist und Investitionen in die Infrastruktur nicht mehr notwendig sind", sagt Ingram. "Barrieren zur Innovation bei der Websuche werden reduziert."

Die Höhe der Gebühren für die Nutzung der Schnittstelle (API, Application Programming Interface) ist zugriffsabhängig. "Wenn die Anwendungen geklickt werden, zahlt man entsprechend", sagt Ingram.

Um das Web zu speichern hat das Bertaweb-Team eine eigene Technik entwickelt und eine eigene Datenbankstruktur geschrieben. "Es ist technisch sehr komplex", erzählt Ingram. Pro Sekunden werden hunderte Millionen Webseiten indexiert. In einem Rechenzentrum in Wien sind bereits rund 100 Milliarden Dokumente und Billiarden von Verknüpfungen gespeichert. Die Kapazitäten sind auf rund eine Milliarde Transaktionen pro Sekunde ausgelegt.

Erste Partner

Erste Partner hat das Unternehmen bereits gefunden. Darunter die Technische Universität (TU) Wien, österreiches Semantic-Web-Firma Max Recall. Sie wollen schon bald erste Anwendungen auf Basis der Bertaweb-Daten präsentieren. Auch die Austria Presse Agentur (APA) will die Datenbank des Start-ups nutzen, etwa um nach Urheberrechtsverletzungen im Netz zu fahnden.

"Google durchschauen"

Als Kunden hat Bertaweb neben Entwicklern und Software-Unernehmen auch Suchmaschinenoptimierer (SEOs) im Visier. "Wir können dabei helfen, Google zu durchschauen", meint Ingram. Die von Bertaweb gespeicherten Webdaten würden sich etwa auch dazu eignen mathematische Methoden für die Gewichtung der einzelnen Parameter von anderen Suchmaschinenbetreibern zu errechnen. "Man kann Websites wissenschaftlich optimieren und muss nicht, wie die Ärzte im Mittelalter, raten und dann monatelang auf das Ergebnis warten."

Hervorgegangen ist Bertaweb aus der ebenfalls von Ingram gegründeten Wiener Softwarefirma pi-logic, die auf die Entwicklung verteilter Software-Systeme spezialisiert ist und unter anderem für die France Telecom tätig war. Rund acht Jahre lang hat das Team um Ingram an dem Webspeicher gearbeitet. Finanziert wurde die Entwicklung des hinter Bertaweb liegenden Datenbanksystems bisher aus Eigenmitteln.

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Patrick Dax

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