Start-ups
11.08.2016

Drei Millionen Euro für sozial orientierte Start-ups

Ein neues Förderprogramm des Sozialministeriums und der Nationalstiftung fördert Start-ups und Unternehmen, die soziale und ökologische Aspekte in den Vordergrund rücken.

Das Wiener Unternehmen garbarage verarbeitet Abfallprodukte zu Designobjekten. Aus alten Aktenordnern werden schicke Taschen, aus ausgemusterte Rolltreppenstufen Sofas. Produziert werden die Produkte der vor 14 Jahren gegründeten Initiative von ehemaligen Suchtgiftkranken, die auf diese Art wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden sollen. garbarage ist eines von mehr als 1200 Unternehmen und Initiativen in Österreich, die soziale und ökologische Aspekte in den Vordergrund rücken und trotzdem marktwirtschaftlich funktionieren. Das Sozialministerium und die Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung wollen solche "Social Businesses" mit einem neuen, von der Förderbank austria wirtschaftsservice ausgerichteten Förderprogramm mit drei Millionen Euro fördern.

"Beispiele wie die garbarage machen Mut, Neues zu tun", sagte Sozialminister Alois Stöger am Donnerstag bei der Vorstellung der Initiative in Wien. Von 1. September bis 1. Dezember können sich sozial orientierte Gründer, aber auch bestehende Initiativen im Rahmen des "aws Social Business Call" um Förderungen von bis zu 100.000 Euro pro Projekt bewerben. Das Programm umfasst zwei Module. In dem vom Sozialministerium unterstützten Strang werden Social Businesses gefördert, die sich mit innovativen Produkten oder Dienstleistungen zur Arbeitsmarktintegration von Langzeitarbeitslosen bewerben, der von der Nationalstiftung finanzierte Strang fördert Social Entrepreneurs in unterschiedlichen Bereichen, von der Bildung bis zur Gesundheit.

Ziel sei es, in den nächsten zehn Jahren, die Anzahl der Social Business in Österreich auf rund 3200 zu erhöhen, sagte Stöger. Es gehe auch darum, bei sozialen Herausforderungen neue Wege zu gehen.

"Positive gesellschaftliche Wirkung"

Mit den Fördergeldern sollen soziale Entrepreneuere beim Geschäftsaufbau und bei der Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen und Dienstleistungen untersützt werden, sagte aws-Geschäftsführerin Edeltraud Stiftinger. Einreichende Unternehmen müssen sich zumindest zu 50 Prozent auf Markteinkünften finanzieren und mehr als 50 Prozent des Gewinnes reinvestieren, so Stiftinger: "Die Mitarbeiter müssen an der positiven Wirkung teilhaben können."

Innovationen müssten nicht notwendigerweise Produkte sein, mit denen Geld verdient werden kann, sagte Markus Hengstschläger, stellvertretender Vorsitzender des Rates für Forschung und Technologieentwicklung. Innovationen könnten auch neue Herangehensweise an Probleme oder neue Konzepte sein: "Ein wesentlicher Faktor ist, was Innovationen gesellschaftlich leisten können."

Standortfaktor

Das Potenzial von Social Business in Österreich sei groß, sagte Günter Thumser von der Industriellenvereinigung (IV) unter Verweis auf eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien aus dem Jahr 2015. Wachstumsmöglichkeiten sieht die IV vor allem in sozialen Dienstleistungen, aber auch bei grünen Technologien.

Social Businesses seien auch ein wichtiger Standortfaktor, meinte Thumser, der auch eine Informationsbroschüre zu sozial und ökologisch nachhaltigen Unternehmen präsentierte: "Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum sozialen Frieden und brauchen entsprechende Rahmenbedingungen und Finanzierungsinstrumente."

"Können Unterstützung brauchen"

"Wir können jegliche Unterstützung brauchen", sagte Hannah Lux, Betreiberin der Vollpension. In dem Kaffeehaus in der Wiener Schleifmühlgasse backen in Teilzeit angestellte Seniorinnen Kuchen für die Gäste. "Ich hab hier so viel erlebt, dass ich ein Buch schreiben könnte", erzählt Charlotte, eine der in der Vollpension beschäftigten "Omas". garbarage-Gründerin Gabriele Gottwald möchte in ihrem Betrieb künftig mehr Menschen dauerhaft beschäftigen. Über klassische Finanzierungsmittel könnte ein solcher Prozess nicht finanziert werden, sagte die Gründerin: "Wir sind froh, wenn es solche Möglichkeiten gibt."

Das Förderprogramm ist voerst als Pilotprojekt angelegt. "Wir sind bereit dazuzulernen", sagte Sozialminister Stöger: Wenn sich das Projekt bewähre, sei eine Aufstockung der Fördersummen möglich.