Start-ups
29.05.2015

George-Clooney-Sextoys und Astronautennahrung

Unter dem Motto "Roasted" haben beim Pioneers Festival vier exotische Start-ups live auf der Bühne versucht, Investoren zu gewinnen.

Die renommierten Investoren Gil Penchina, Marvin Liao und Eric Bovee haben sich auf der Pioneers-Bühne die Präsentationen von vier Jungunternehmern angehört, um sie anschließend mit ihren Fragen und Kommentaren zu "rösten". Dieses Roasting war wie jedes Jahr auch heuer wieder gut besucht. Als erstes Start-up hat sich HappyMed präsentiert, ein junges Unternehmen, das Arztbesuchen mit Videobrillen und auf die Behandlungsdauer abgestimmten Inhalten ihren Schrecken nehmen will.

Durch Bild und Ton sollen Patienten so vergessen, dass sie beim Arzt sind und so weniger Schmerzmittel benötigen. "Ein Netflix für den medizinischen Markt", wie es Mitgründer Philipp Albrecht nennt. Den Investoren schien das freilich etwas zu hoch gegriffen. "Lösung für ein Problem, das keiner hat" und "dümmlich" waren zwei der Kommentare, die geäußert wurden. Ein Arzt aus dem Publikum hingegen fand die Idee hervorragend, genau wie andere Ärzte, die von dem Start-up kontaktiert wurden, wie Albrecht berichtete.

Smartphonekamera löst Gleichungen

Mit einer aus der TV-Serie "Big Bang Theory" geklauten Idee hat sichPhotomath präsentiert, eine App, die sich als den ersten "Kamera-Taschenrechner" der Welt bezeichnet. Durch das Scannen einer Rechenaufgabe mit der Smartphone-Kamera soll diese mit Photomath gelöst werden können. Für Schüler soll es zudem Schritt-für-Schritt-Anleitungen geben, die das Smartphone zu einem "persönlichen Unterrichtsassistenten" machen sollen, wie es in der Präsentation heißt. 700.000 Scans pro Tag werden mit der App angeblich schon gemacht.

"Die Android-Version eures Clients ist Scheiße", ging Eric Bovee hart mit dem Unternehmen ins Gericht. Auch die anderen Juroren zeigten sich nicht sehr angetan. "Texterkennungssoftware ist gerade überall und als Ganzes leider fürchterlich", so das Urteil. Es gebe schlicht keinen Bedarf für die App hieß es am Ende zusammenfassend.

Sex mit George

Mystery Vibe will mit seiner Technologie das Schlafzimmer neu erfinden, mit Projektionen, maßgeschneiderten Düften und Klängen sollen so Beziehungen und Leben verbessert werden. In einem ersten Schritt hat das Start-up einen flexiblen Vibrator mit sechs Motoren entwickelt, der per App programmiert werden kann. Derzeit läuft eine kickstarter-Kampagne für das Produkt. Die Jury traut den Entwicklern jedoch die nötige Expertise nicht zu. "Ihr seid Nerds, ihr wisst doch nichts über Sex", sagte Liao. CEO Soumyadip Rakshit konterte jedoch umgehend: "Unser Sex Toy wird von Frauen für Frauen entwickelt."

Die selbstprogrammierten Vibrationsmuster können von Besitzerinnen des Mystery Vibe auch untereinander getauscht werden. Derzeit arbeite das Unternehmen an einem "George Clooney Vibe", so Rakshit. Für 99 US-Dollar kann das Gerät auf kickstarter bereits vorbestellt werden. Die drei Investoren waren nach der Präsentation tatsächlich sprachlos, ob das am aufregenden Thema oder an der Begeisterung für die Geschäftsidee lag, war nicht zu eruieren.

Astronautennahrung aus Toten?

Das letzte Start-up auf der Bühne war Mana, ein Unternehmen, das sich mit Foof-Hacking beschäftigt. Durch den Verkauf von dehydrierter Nahrung in Beuteln, die eine komplette Mahlzeit ersetzen können soll, will Mana die Transportkosten von Essen mindern und billige, gesunde und effiziente Ernährung fördern. Eine Mahlzeit kostet etwa zwei Euro. Nach dem öffnen muss einfach Wasser zugegeben werden und nach zwei Minuten ist das Essen fertig. Die Lieferung ist innerhalb Europas gratis.

Die Investoren fanden das Konzept, gelinde gesagt, nicht sonderlich appetitanregend. "Ihr hättet es 'wäh' statt Mana nennen sollen", so ein Kommentar. Ein Juror fragte in Anspielung auf Soylent Green sogar, ob Mana aus Leichen gemacht werde. Am Ende brachte der MC sogar auf Wunsch der Investoren sogar Jägermeister auf die Bühne, nachdem die drei Juroren Mana verkostet hatten.