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Roboter-Navigation Linzer Start-up zeigt Robotern, wo's lang geht.

Robart verleiht Haushaltsrobotern ein neues räumliches Bewusstsein
Robart verleiht Haushaltsrobotern ein neues räumliches Bewusstsein - Foto: Robart
Das Linzer Start-up Robart stattet Roboter mit einem Navigationssystem aus, mit dem Zonen und Aufgaben innerhalb einer Wohnung unterschieden werden können.

"Um 10:00 Uhr reinigst du das Wohnzimmer, besonders gut achtest du dabei auf den Bereich rund um den Esstisch, verschone aber auf jeden Fall die teuren Vasen in der Ecke. Danach nimmst du dir die restliche Wohnung vor. Das Kinderzimmer vermeidest du aber, denn dort liegt zu viel Spielzeug am Boden herum" - Mit Befehlen solcher Art können Staubsaugerroboter heute noch nichts anfangen. Dank des Linzer Start-up Robart sollen sie es aber bald können.

Orientierung in der Wohnung

Robart hat ein Navigationsmodul entwickelt, mit dem künftig verschiedene Arten von beweglichen Robotern im Haushalt ausgestattet werden sollen. Das Modul besteht aus einem Entfernungssensor, einer Rechnerplatine und der dazugehörigen Software. Dieses Paket ermöglicht es einem Roboter, seine Umgebung zu kartografieren. Der Roboter erkennt so die Begebenheiten und Grenzen seines Territoriums.

Hat der Roboter einmal sein Revier erkundet, kann er sich anhand der festgestellten Begrenzungen - etwa durch Wände oder Möbel - darin orientieren. Man kann den Roboter also irgendwo innerhalb einer Wohnung aussetzen und er weiß, wo er sich befindet. Aktuelle Staubsaugerroboter müssen derzeit noch mühsam nach ihrer Ladestation suchen, selbst wenn sie während des Betriebs nicht hochgehoben und versetzt wurden.

Zonen definieren

Was der Roboter wahrnimmt, bekommt mit Hilfe des Robart-Moduls auch der Benutzer zu sehen - etwa auf einer Mobilgeräte-App. Auf einem Tablet erkennt man etwa, wie der Roboter bereits nach wenigen Minuten einen rudimentären Wohnungsplan erstellt hat. Sobald dies geschehen ist, kann man als Benutzer verschiedene Zonen auf diesem Plan definieren. Unter anderem lassen sich so ein Essbereich, eine Küche, andere Raumbezeichnungen oder No-Go-Zonen erstellen.

"Wir ermöglichen es dem Roboter, ein Konzept von seiner Umgebung zu haben", meint Robart-Mitbegründer und Managing Director Michael Schahpar. Haushaltsroboter sollen mit der Lösung des 2009 gegründeten Linzer Unternehmens wesentlich vielfältigere Funktionen als bisher erhalten. Während etwa Staubsaugerroboter heute noch oft an Kabelsträngen hängenbleiben, sollen Fallen wie diese in Zukunft etwa vermieden werden können.

Interaktion

Benutzer sollen einem Roboter ihren gewünschten Aktionsplan wesentlich detaillierter mitteilen können als heute. Die Kommunikation soll sich dabei mehr zur Interaktion wandeln. So soll ein Roboter etwa dem Benutzer per Smartphone-Nachricht mitteilen können, wenn er vor einer verschlossenen Türe steht, wenn er doch das Zimmer dahinter reinigen sollte. "Mach mir bitte die Tür auf", könnte eine der möglichen Rückmeldungen in diesem Fall lauten.

Fertige Navigationslösung

Neben Staubsaugerrobotern sollen künftig auch andere Haushaltshelfer mit der Robart-Lösung ausgestattet werden. In Haushalten und Unternehmen kommen etwa immer häufiger Security- oder Pflegeroboter zum Einsatz. Auch Telepresence-Roboter könnten von verbesserter Navigation profitieren.

Roboterhersteller sollen sich durch die Zusammenarbeit mit Robart eigenen Entwicklungsaufwand und eigenes Risiko ersparen. Neuen Herstellern kann durch den Zukauf einer fertigen Navigationslösung der Markteintritt erleichtert werden. Der niedrige Preisrahmen steht bei Robart im Fokus. Die fortschreitende Miniaturisierung und Massenproduktion von Sensoren und Elektronik für den Mobilgeräte-Bereich kommt dem Linzer Unternehmen dabei zugute.

Internationale Ambitionen

Um die eigene Technologie zu schützen, beantragt Robart weltweit Patente - eine Vollzeitbeschäftigung für einen der mittlerweile 25 Mitarbeiter. Robart will von Anfang an weltweit auf die Suche nach Partnern gehen. Neben Europa hat man vor allem die USA, China und Japan im Visier. Auch in seiner internen Zusammensetzung ist das Start-up international orientiert. Rund die Hälfte aller Angestellten sind aus Österreich, der Rest wurde aus anderen Ländern rekrutiert.

Unterstützt wird Robart durch die Beteiligung einiger namhafter Unternehmen. Unter anderem hält Bosch einen Anteil an dem Start-up. Finanzhilfe erhielt Robart auch durch das Austria Wirtschaftsservice (aws). Das erste Produkt mit Robart-Navigationsmodul soll rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 2015 auf den Markt kommen. Von welchem Hersteller es stammen wird, ist noch streng geheim.

(futurezone) Erstellt am 13.02.2015, 06:00

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