Essensgutscheine seien ein Relikt aus der Vergangenheit, sagt Ralph Meyer von Lunchit. Sein Start-up setzt stattdessen nun auch in Österreich auf eine App.

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Start-up
06/28/2017

Lunchit: App statt Essensgutschein

Das Münchner Start-up Spendit will auch in Österreich Fuß fassen und Essensgutscheine durch eine App ersetzen. Der Markt ist mit 500.000 Gutscheinnutzern hierzulande groß.

von Patrick Dax

"Essensgutscheine kamen uns wie ein Anachronismus vor, ein lustiges Relikt aus vergangenen Tagen", sagt Ralph Meyer. Das von ihm mitgegründete Start-up Spendit bietet mit der App Lunchit einen digitalen Universalgutschein an. Anstatt bei vorher festgelegten Restaurants und Kantinen einen Essengutschein einzulösen, kann man mit der digitalen Lösung überall essen gehen. Man muss nur den Beleg einscannen und bekommt am Monatsende vom Arbeitsgeber den steuerfreien Betrag pro Mahlzeit von 4,40 Euro überwiesen. "Ob Sie sich im Supermarkt einen Salat holen, oder in einem Gasthaus mittagessen ist egal, alles was sie brauchen ist ein Beleg", erläutert Meyer. Sein Start-up bezeichnet er deshalb als "die größte Kantine der Welt".

500.000 Gutscheinnutzer

Vor drei Jahren startete Lunchit in Deutschland zunächst mit einer Prepaid-Kreditkarte und später mit seiner App, seit einigen Monaten ist man auch in Österreich aktiv. Der Markt, sagt Meyer, sei vielversprechend. Die Anzahl der Gutscheinnutzer sei trotz der im Vergleich geringen Größe des Landes mit 500.000 fast so hoch wie in Deutschland, wo es insgesamt 700.000 seien. Eine Bewilligung vom Finanzministerium habe man bereits eingeholt, sagt Meyer und macht dabei auch der österreichischen Verwaltung ein Kompliment: "In Deutschland haben wir 18 Monate bis zur Freigabe gebraucht, in Wien waren es zwei Tage."

Rechnungs-Scan

Wie funktioniert das System im Detail? Mit der App wird die Rechnung für das Mittagessen eingescannt. Der digitalisierte Beleg wird im Lunchit-System gespeichert mit Texterkennungsprogrammen ausgelesen und zehn Jahre lang aufbewahrt. Dem Arbeitgeber wird am Monatsende eine Datei mit dem Bruttobetrag übermittelt. Wo und was gegessen wurde, erfahre der Arbeitgeber nicht, erläutert Meyer: "Das fällt in die Privatsphäre des Mitarbeiters."

Gebühr vom Arbeitgeber

Geld verdient Lunchit mit einer vom Arbeitgeber eingehobenen Gebühr, die je nach Größe des Unternehmens zwischen sieben und zwölf Euro monatlich oder 69 bis 119 Euro jährlich pro Mitarbeiter beträgt. Für Unternehmen gebe es so gut wie keinen Administrationsaufwand, sagt Meyer. Verträge mit Gastronomiebetrieben muss das Start-up, anders als Gutscheinanbieter, keine abschließen.

Bei dem System seines Start-ups gebe es keinen Schwund, sagt Meyer. Zehn bis 15 Prozent der Gutscheine würden üblicherweise nie eingelöst, weil sie verloren gingen oder schlicht vergessen würden. Gutscheinanbieter würden daran gut verdienen, denn der Arbeitgeber habe ja für die Gutscheine bezahlt, so der Gründer: "Bei uns wird nur das erstattet, was konsumiert wurde."

500 Firmen bis Ende 2017

Momentan zählt Lunchit in Österreich rund 30 Firmen als Kunden, bis zum Ende des Jahres sollen es 500 werden. 5000 bis 7000 Leute sollen dann nach den Plänen Meyers die Gutschein-App in Österreich nutzen.

Mit dem Lunchit-Modell könne man auch kleinere Firmen ansprechen, sagt der Gründer. Betriebe mit fünf oder zehn Mitarbeitern würden sich üblicherweise bei Gutscheinen zieren, nun könnten sie in kurzer Zeit loslegen. "Wir sprechen einen neuen Markt an."

Die Mittagspause sei eine kulturelle Errungenschaft, meint Meyer. Es sei eine Gelegenheit mit anderen in Interaktion zu treten. Man sei zwar eine digitale Lösung, aber eine, die dem Menschen wieder mehr Zeit gebe, offline zu kommunizieren. Vor allem in südeuropäischen Ländern sei die Mittagspause regelrecht ein Ritual. Südeuropäische Ländern stehen deshalb als nächstes auf der Agenda des Münchner Start-ups, sagt Meyer: "Wir haben bereits Anfragen aus Spanien und Frankreich."