Start-ups
29.05.2015

"Rahmenbedingungen für Start-ups sind schlecht"

Der Großindustrielle Hannes Androsch kritisiert in seiner Rolle als Vorsitzender des Rates für Forschung und Technologie-Entwicklung die bürokratischen Hürden in Österreich.

„Die österreichische Start-up-Szene ist genau betrachtet unbefriedigend“, sagt Hannes Androsch, Vorsitzender des Rates für Forschung und Technologie-Entwicklung, im futurezone-Gespräch. „Es fehlt einerseits eine Entrepreneur-Kultur und andererseits der unternehmerische Spirit, weil die regulativen und bürokratischen Hürden zu hoch und die Finanzierungsmöglichkeiten zu gering sind.“

Nachholbedarf

Androsch, der vor zwei Monaten die unternehmerische Kultur in Japan unter die Lupe genommen hat, plädiert für ein Klima, in dem das junge Unternehmertum wachsen kann. „Erstens haben wir zu schlechte Start-up-Bedingungen, zweitens zu wenige Business Angels und drittens mangelt es an Risikokapitalgebern“, sagt der Forschungsrat-Vorsitzende. „Das müssen wir ändern. Eine neue Gründerzeit kann man nicht ausrufen, man muss die Bedingungen schaffen.“ Start-up-Festivals und Start-up-TV-Shows – „das ist Info-Entertainment“ – seien kein Ersatz für fehlende Rahmenbedingungen.

Abgesehen von der fehlenden Unternehmer-Kultur habe es Österreich versäumt, in die Champions League der Wissenschaft und Forschung vorzustoßen, die wirtschaftliche Entwicklung sei das Spiegelbild dieser Versäumnisse. „Auf der einen Seite verkündet der Sozialminister regelmäßig steigende Arbeitslosenzahlen, auf der anderen gibt es die endlose Diskussion über die Bildungsreform. Und dass die Universitäten unterfinanziert sind, ist bekannt.“

Aus dem Schatten holen

Es gäbe in Österreich viele begabte junge Menschen und Wissenschafter, aber der Hype um Forscher, wie dem Genetiker Josef Penninger oder dem Quanten-Physiker Anton Zeilinger, solle uns nicht die Sicht verstellen, dass in Österreich viele nicht so bekannte Wissenschaftler tätig seien. Diesen müsse man mehr Möglichkeiten der wissenschaftlichen Entfaltung geben. Androsch: „Man muss in unserem Land die Voraussetzungen schaffen, damit Innovation wachsen kann und wir wieder wettbewerbsfähig werden.“ Damit Österreich wieder ein Gründerland wird, müsse man bereits im Vorschulalter mit entsprechender Bildung beginnen.