Urlaubspiraten-Gründer Igor Simonow (li.) und Sebastian Kaatz mit CEO David Armstrong (re.)
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Online-Reiseportal

"Reise-Sonderangebote gibt es nicht aus Nächstenliebe"

Mit 7,2 Millionen Millionen Fans sind die Urlaubspiraten heute die größte Reisemarke auf Facebook. Die Spezialität des Online-Unternehmens liegt darin, Reiseangebote mit vermeintlich unschlagbarem Preis-Leistungs-Verhältnis aufzuspüren und seinen Kunden sofort über Webseiten, Social-Media-Kanäle und App zu übermitteln. Wir sprachen mit CEO David Armstrong über das Erfolgsgeheimnis des noch relativ jungen Unternehmens.

Wie, wo, wann und warum wurde Urlaubspiraten gegründet?
Die Webseite Urlaubspiraten.de hat Igor Simonow 2011 gegründet. Er war da noch Student, ist selbst viel gereist und das zu geringen Preisen. Er hat seinen Freunden und seiner Familie von den Schnäppchen erzählt, die er gefunden hat, und die waren meist sehr erstaunt, wie er die gefunden hat. Da hat er sich entschlossen, einen Blog zu machen, um die Geschichten nicht immer wieder zu erzählen. Igor hat außerdem begonnen, gute Reise-Angebote auf mydealz zu posten. Fabian Spielberger, der Gründer von mydealz, ist darauf aufmerksam geworden und wollte diese ganze Reise-Schnäppchen-Sache mit Igor größer aufziehen. Igor ist dann nach Berlin gegangen, hat sich mit dem Sebastian Kaatz zusammengetan und die drei haben 2012 die Firma HolidayPirates gegründet.

Wie entwickelte sich Urlaubspiraten zu seiner heutigen Größe?
Die Urlaubspiraten-Webseiten wurden schnell auch in anderen Ländern gegründet. Die Gründer haben relativ schnell erkannt, dass sie über soziale Medien eine große Reichweite erzielen konnten. Weil die Angebote so gut waren, kam es zu einem viralen Effekt, die Gefolgschaft ist gewachsen. Mittlerweile sind wir weltweit die größte Travel-Brand auf Facebook. Wir haben mehr Fans als Expedia oder Booking.com, wenngleich wir als Firma nicht so groß wie die sind.

Wie hat Urlaubspiraten früher seine Angebote gefunden und wie geschieht das heute?
Am Anfang haben die Jungs ihre Sachen manuell recherchiert, manchmal sicher auch Metasuchmaschinen wie Swoodoo oder Checkfelix bemüht. Aber es gibt auch frei zugängliche Tools, mit denen man Reiseangebote suchen kann. Mittlerweile haben wir ja über 50 Redakteure. Die sind nicht nur manuell unterwegs, sondern wir haben auch Algorithmen entwickelt, die Datenquellen anzapfen und unseren Redakteuren Deals vorschlagen.

Die Endauswahl der Angebote läuft aber immer noch manuell ab?
Wir publizieren nichts vollautomatisch. Unsere Software schlägt einem Redakteur einen Deal vor und der bewertet das. Aufgrund unserer Größe kommen heute auch viele Anbieter direkt auf uns zu und sagen: Hey, ich hab hier was Tolles. Ist das ein Deal für euch? Manchmal treten sie auch schon in der Entstehungsphase eines Angebots mit uns in Kontakt und gestalten es so, dass es für uns ein guter Deal ist.

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Wie kommt Urlaubspiraten zu Geld?
Am Anfang hatten wir ein Affiliate-Geschäftsmodell. Wir haben Anbietern Traffic verschafft und Provision erhalten, wenn ein Kunde das Angebot angenommen hat.Mittlerweile haben wir direkte Kooperationen mit Anbietern. Aber was wir selber verbreiten, muss ein wirklich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis oder irgendeinen Mehrwert haben. Wir wollen unsere Gefolgschaft nicht langweilen. Alles, was wir posten, muss gut sein, muss einen Wow-Effekt haben.

Wie groß ist der Anteil von Error Fares? Kommt es überhaupt noch zur Veröffentlichung solcher irrtümlich gesenkter Preise?
Es kommt dazu. Wir haben vielleicht ein bis zwei Error Fares pro Monat. Wir verdienen meistens gar kein Geld damit. Meistens betreffen Error Fares Fluggesellschaften, und die werden den Teufel tun, um noch Provision für etwas zu zahlen, womit sie ein Minusgeschäft gemacht haben. Also wir verdienen nichts damit, aber es ist gut für die Werbewirksamkeit.

Wie schwierig ist es, unter einer Vielzahl von Urlaubsschnäppchen-Anbietern hervorzustechen?
Es gibt mittlerweile sehr viele Anbieter, das ist richtig. Wir waren eigentlich der erste dieser Art und sind deswegen auch der größte. Wir sind auch der einzige, der so einen internationalen Ansatz hat. Unsere Konkurrenten sind dagegen recht klein. Wir haben auch eine eigene Buchungsmaschine, was uns von vielen unterscheidet. Einerseits haben wir Schnäppchen. Aber wenn man die nicht nutzen kann und dennoch Blut geleckt hat, kann man auch so nach Reisen in die entsprechende Region suchen.

Wieso gibt es eigene Webseiten für jene Länder, in denen Urlaubspiraten aktiv ist?
Für uns ist es wichtig, authentisch zu sein. In der Schweiz heißen wir nicht Urlaubspiraten sondern Ferienpiraten, weil Urlaub eher mit Hafturlaub in Verbindung gebracht wird. Wir wollen in jedem Land als lokale Marke wahrgenommen werden. Wir haben Leute, die den ganzen Tag nichts anderes tun, als mit den Leuten in ihrer Muttersprache auf Facebook zu kommunizieren, oder auf Whatsapp, Instagram, YouTube oder Snapchat. Für uns ist essenziell, was für andere Firmen eher lästiger Customer Support ist.

Gibt es auch lokale Niederlassungen?
Teilweise, ja. In Boston haben wir eine, in Sevilla, Lyon, London, in Belgrad haben wir ein Technologiezentrum. Weltweit arbeiten über 150 Personen für uns. Bis Ende des Jahres werden es 180 sein.

Was ist die hauptsächliche Zielgruppe von Urlaubspiraten? Was erwartet sich die von einem Urlaub?
Die größte Zielgruppe ist der klassische Millenial, 25 bis 35 Jahre alt, recht flexibel und ungebunden. Wir sprechen aber eine immer breitere Zielgruppe an, die ihren Familienurlaub oder Jahresurlaub plant. Wir haben ein komplettes Angebot auf der Webseite, nicht nur die Deals.

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Was sind normalerweise die beliebtesten Angebote für Österreicher?
Es kommt auf die Jahreszeit an. Von April bis August reisen die meisten Richtung Sonne ins europäische Ausland. Anfang September fängt die Städtereise-Saison an. Das machen viele gerne und das kann man auch wesentlich spontaner machen. So ein verlängertes Wochenende lässt sich viel spontaner planen als eine oder zwei Wochen im Süden. Im Winter kommen dann klassisch die Fernreiseziele, oder Skiurlaub. Lustigerweise gelingt es uns auch entgegen dem Branchentrend den Verkehr in die Türkei und nach Ägypten hoch zu halten.

Wieso das?
Die Millenials lassen sich von politischen Themen oder Unruhesituationen nicht so abschrecken. Die sagen: Okay, ist ein super Angebot, was soll mir schon passieren, ich flieg jetzt in die Türkei. Wohingegen Familien die Türkei oder Ägypten dieses Jahr eher meiden. Darunter haben die klassischen Reiseveranstalter heuer gelitten.

Kommen mehr Sonderangebote, wenn es in einem bestimmten Land kriselt?
Ja, klar. Die Sonderangebote gibt's ja nicht aus Nächstenliebe, sondern weil da ein Bedarf herrscht. Ich habe da Plätze und die will ich verkaufen. Klar, jetzt kann man sagen, man ist Nutznießer dieser Situation, aber letztendlich helfen wir dann diesen Anbietern, trotzdem noch eine gewisse Auslastung zu erreichen. Wenn der Tourismus einbricht, ist das eine tragische Situation für Hoteliers und andere Wirtschaftszweige. Da helfen wir sozusagen dabei, die Schmerzen zu lindern.

Wird bei solchen Angeboten dann auch darauf hingewiesen, dass in dem Land gerade eine Krise herrscht?
Ja, auf jeden Fall. Wir empfehlen immer, sich vor einer Reise beim Außenministerium zu erkundigen. Nach dem Putsch in der Türkei haben wir auch zunächst mal eine Woche lang gar kein Angebot für die Türkei gepostet, haben abgewartet, wie sich die Situation entwickelt. Wir reagieren auf solche Situationen schon, wir wollen ja nicht leichtsinnig Angebote veröffentlichen.

Wie wichtig ist den Urlaubspiraten Nachhaltigkeit, soziale Verträglichkeit, Umweltfreundlichkeit?
Das spielt eine große Rolle. Klar kann man sich fragen, wie nachhaltig es ist, wenn man um 450 Euro mit einem Error Fare nach Japan fliegt. Man kann darüber philosophieren, was am Reisen überhaupt nachhaltig ist. Sollte man nicht lieber zuhause bleiben? Aber wir sind ein Reiseportal. Da geht's darum, wie komme ich da am günstigsten hin. Wir unterstützen aber das eine oder andere naturbezogene Projekt, etwa den World Parrot Trust, wegen unserem Wappentier, dem Ara.

Richten Urlaubsgäste, die ein Angebot gefunden haben, Beschwerden auch direkt an Urlaubspiraten? Wie wird damit umgegangen?
Wir bekommen von unterwegs gleich Feedback. Die einen Leute posten positive Sachen, oder auch: Hey, das ist schlecht gewesen. Wir geben das dann an die Partner weiter, machen Druck, und helfen dabei, dass Missstände schnellstmöglich behoben werden. Das ist für uns wichtig, dass wir Sachen nicht ignorieren, weil sonst kommt das in den sozialen Medien auch nicht gut an. Das kann ja jeder lesen, jeder sehen.

Liefert Urlaubspiraten Daten an Facebook?
Definitiv nicht, nein. Wir geben niemandem irgendwelche Daten.

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David Kotrba

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