Start-ups
20.07.2015

Smartbow: Intelligente Ohrmarke überwacht Kühe

Das oberösterreichische Start-up MKW electronics entwickelt smarte Lösungen für die Nutztierhaltung. Hauptzielgruppe sind Milchviehbetriebe.

Kuhortung in Echtzeit, Brunsterkennung und Wiederkäu-Überwachung - diese Services bietet Smartbow.at seinen Kunden an und richtet sich damit, wenig überraschend, an landwirtschaftliche Betriebe. Hinter Smartbow steckt das oberösterreichische Start-up MKW electronics, das im Jahr 2009 von Wolfgang Auer gegründet wurde. Das von der aws geförderte Unternehmen ist seit Anfang 2014 auf dem Markt und inzwischen bereits in neun Ländern im Einsatz.

“Unser Produkt ermöglicht die Erkennung der Aktivitäten jedes einzelnen Tieres in Echtzeit durch Lokalisierung und Beschleunigungsdaten vom Ohr über unsere Smartbow-Ohrmarke”, erklärt Jörg Schlipfinger, Geschäftsführer von MKW electronics, gegenüber der futurezone. Von der Ohrmarke werden die Daten der Tiere über Empfänger an einen lokalen Server am Hof weitergeleitet. Diese werden im Stall und im Außenbereich montiert.

Damit sei die Abbildung des Tagesverlaufs eines Tieres rund um die Uhr möglich - inklusive Fressen, Gehen, Liegen, Wiederkäuen, etc. “Und einzelne Tiere können – vor allem in großen Herden – mittels Echtzeitlokalisierung rasch gefunden werden”, so Schlipfinger weiter. Wird ein Tier zum Beispiel krank, ist verletzt oder brünstig, ändert sich das Aktivitätsbild nach spezifischen Mustern. Dieses abweichende Verhalten werde über Algorithmen automatisiert erkannt und mittels Alarm dem Landwirt mitgeteilt. “Dadurch können Auffälligkeiten frühzeitig erkannt und rechtzeitig darauf reagiert werden”, sagt der Schlipfinger.

Zahlreiche Vorteile

Die Vorteile für die Milchbauern seien vielfältig, so Schlipfinger. “Das reicht von weniger Zeitaufwand für das Beobachten oder Suchen einzelner Tiere über Entlastung der Arbeitskräfte bis hin zu geringerem Medikamenteneinsatz und mehr Leistung und gesündere Tiere.” Obwohl es ähnliche Konkurrenzprodukte auf dem Markt gibt, zeigt sich der Firmenchef selbstbewusst: “Andere Systeme nutzen vergleichsweise wenige Informationen – und limitierte Informationen bedeuten limitierte Anwendungsmöglichkeiten.”

Auf Basis der gewonnenen Daten ergebe sich bei Smartbow eine Vielzahl an künftig noch möglichen Funktionalitäten - etwa Geburts- oder Lahmheitserkennung - die mit nationalen wie internationalen Forschungspartnern entwickelt würden.

Erweiterungsmöglichkeiten

Zurzeit konzentriert sich das Start-up auf Milchviehbetriebe in der Größe zwischen 150 bis zu über 5000 Tieren. Doch das Produkt sei für unterschiedliche Tiere einsetzbar. “In den USA wird Smartbow schon bei Mastrindern verwendet , wo Lungenkrankheiten über Bewegungsmuster automatisiert erkannt werden und damit eine starke Ausbreitung der Krankheit, teure Behandlungen und hohe Medikationen vermieden werden können”, sagt Schlipfinger.

Auch mit anderen Tieren wurde Smartbow bereits getestet. Laut Schlipfinger gab es erfolgreiche Versuche im Bereich der Geburtserkennung bei Schweinen, die bei einem Forschungspartner durchgeführt wurden.

Internationalisierung

Im laufenden Jahr will das Start-up seine Internationalisierung vorantreiben. Dabei geht es etwa um den Aufbau von internationalen Wiederverkäuferstrukturen und strategischen Partnerschaften in Europa und den USA. “Zusätzlich planen wir den Markteintritt in Südamerika und Russland über erste Referenzbetriebe”, sagt Schlipfinger. Außerdem wolle man die Erkennungsalgorithmen weiterentwickeln.

Die Kosten für das Smartbow-System liegen pro Tier je nach Funktionsumfang und Betriebsgröße zwischen 100 und 200 Euro. “Wir verfügen über ein stark skalierbares Geschäftsmodell durch den Verkauf von Hardware und Software übernational und international etablierte Wiederverkäufer, also Besamungsfirmen, Futtermittelhändler, Anbieter von Stall- und Melktechnik ”, sagt Schlipfinger.