Start-ups
15.07.2016

Snapscreen: Wiener Start-up verbindet TV mit dem Internet

Der last.fm-Mitgründer und frühere Jumio-Technikchef Thomas Willomitzer will mit der App Snapscreen die Kluft zwischen Fernsehen und Internet überwinden.

"In jeder Start-up-Geschichte muss das Wort Silicon Valley vorkommen", sagt Thomas Willomitzer. In seinem Fall muss man nach Verbindungen in das Epizentrum der Start-up-Welt nicht lange suchen. Als Technikchef des vom früheren JaJah-Gründer Daniel Mattes ins Leben gerufenen Start-ups Jumio arbeitete der 40-jährige Wiener zuletzt vier Jahre im kalifornischen Palo Alto. Dort hatte er auch die Idee zu Snapscreen. Als er gemeinsam mit Kollegen die Super Bowl ansah, bemerkte er, dass die Verbindung zwischen Fernsehen und Internet nur ungenügend funktioniert. "Die Leute haben Interesse mit den Fernsehbildern zu interagieren, herkömmliche Lösungen wie Twitter-Hashtags oder Second-Screen-Apps sind aber zu segmentiert", sagt Willomitzer, "Üblicherweise gibt es nur eine App pro Sendung oder Kanal. Das ist zu umständlich."

Mit Snapscreen will Willomitzer die Barrieren zwischen den Fernsehbildern und den Interaktionsmöglichkeiten des Internets "niederreißen", wie er der futurezone erzählt. Dazu genügt es, die Fernsehbilder über die App abzufotografieren - sie zu "snappen" - dann erhält man Informationen zur Sendung und den Darstellern, Links zu weiterführenden Websites, Bilder und Videos. "Wir erkennen über die Bilder was im Fernsehen zu sehen ist und können Informationen zu den Sendungen aus dem Internet holen", erzählt Willomitzer.

Bilderkennung

Basis für die App ist eine Bilderkennungstechnologie, die das Snapscreen-Team in den vergangenen Jahren entwickelt hat und die anhand der Schnappschüsse der Fernsehbilder, die Sendungen identifiziert. Anleihen nahm Willomitzer unter anderem bei der Musikerkennungs-App Shazam, die Songs anhand kurzer Audiosequenzen erkennt. Mit Bilderkennung beschäftigte sich der Entwickler auch bei Jumio, das eine Lösung zur Identitätsverfizierung über abfotografierte Ausweise entwickelt hat.

Über die Snapscreen-App, die seit kurzemfür das Apple-Betriebssystem iOS zum Download bereitsteht, können Nutzer auch ihre Emotionen und Gefühle zu TV-Inhalten zum Ausdruck bringen. Dazu können sie ähnlich wie bei der Dating-App Tinder auf dem Bildschirm nach oben oder nach unten wischen, je nachdem, ob sie das Gebotene mögen, oder nicht. Künftig sollen sich TV-Zuseher über die Anwendung auch vernetzen und über Inhalte austauschen können.

Geld verdienen will das Start-up unter anderem mit Werbung. So könnten etwa bei Fußballspielen auf Wetten zu den Spielen oder bei TV-Serien zu Online-Händlern mit Merchandising-Artikeln verwiesen werden. Höhere Einnahmen verspricht sich Willomitzer aber von der Lizenzierung der von dem Start-up entwickelten Technologien. Mit den Funktionen der App könnten etwa Telekomanbieter mit TV-Produkten, Kabelbetreiber, TV-Stationen und auch Streaming-Dienste ihre Online-Angebote ergänzen. Auf Branchenmessen in Singapur, Nizza, London und den USA hat Willomitzer die Lösung bereits vorgestellt und erste Kontakte geknüpft.

Prominente Mitstreiter

Im Team des Start-ups findet sich mit dem US-TV-Produzenten und Autor Howard Blumenthal ein prominenter Mitstreiter. Er habe Blumenthals Buch "The Business of Television" gelesen und sei davon begeistert gewesen, erzählt Willomitzer. Nachdem er Blumenthal über LinkedIn kontaktiert und ihm von dem Projekt erzählt habe, habe dieser sich bereit erklärt mitzumachen. "Howard Blumenthal ist unser Industrieexperte. Wir lassen alle Feature-Ideen, die wir haben, von ihm prüfen, ob es dafür in der Industrie einen Markt gibt", erzählt Willomitzer. "Er kennt auch weltweit sehr viele Leute in der Branche."

In dem Team befindet sich auch K. Flo Schneider, der den Apple-Händler McShark gründete und Ende 2012 verkaufte. Der Chief Operating Officer (COO) des Start-ups drückte gemeinsam mit Willomitzer die Schulbank im Wiener Theresianum. Der Unternehmensberater Thomas Jungreithmeir, Gründer von TJP, ist für die Finanzen verantwortlich.

Finanziert wird das Start-up vorerst durch Eigenmittel sowie durch eine Förderung des austria wirtschaftsservice (aws). Eine weitere Finanzierungsrunde steht laut Willomitzer kurz vor dem Abschluss. Auf die Frage, wie er den Start-up-Standort Wien im Vergleich zum Silicon Valley oder London, wo er Anfang des Jahrtausends den Musikempfehlungsdienst last.fm mitgegründet hat, einschätze, antwortet er: "Er korrelliert mit der Größe des Landes."

Internationaler Markt

Mit Snapscreen will Willomitzer international durchstarten. Für die USA gibt es ein eigenes Verkaufsteam und auch in Österreich und Europa sei man zuversichtlich, sagt der Gründer : "Wir sind mit vielen Firmen im In- und Ausland im Gespräch."

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Medienkooperation mit der aws. Die redaktionelle Hoheit obliegt allein der futurezone-Redaktion.