Start-ups
07.11.2015

Social Business: Start-ups mit Herz brauchen Starthilfe

Eine Studie des Austria Wirtschaftsservice und der WU Wien untersucht erstmals Social Business in Österreich und wie diese gefördert werden können.

Der Austria Wirtschaftsservice (AWS) und die WU Wien haben erstmals in einer Studie (PDF) versucht den Status Quo von Social Business in Österreich zu erfassen und Empfehlungen zu deren Förderung abzugeben. Die Empfehlung ist dabei wenig überraschend: Die Start-ups mit Herz benötigen mehr Geld.

Unter Social Business wird eine Mischung aus NPO (Non-Profit Organisation) und gewinnorientierten Unternehmen verstanden. Laut der Studie muss das Hauptziel des Social Business ein soziales Ziel sein, rein wirtschaftliche Überlegungen werden untergeordnet. Ein klassisch gewinnorientiertes Unternehmen ist kein Social Business, wenn es etwa Arbeitsplätze schafft, solange dies nicht das Hauptziel ist.

Vier Arten von Social Businesses

Die Studie hat die Social Businesses in vier Gruppen eingeteilt. Ein integriertes Social Business mit Zielgruppe MitarbeiterInnen stellt Arbeitsplätze für benachteiligte Bevölkerungsgruppen zur Verfügung. Ein Beispiel dafür ist Magdas Hotel, in dem Asylberechtigte arbeiten. Das Ziel ist sie in der Praxis zu Hotelfachkräften auszubilden und danach an andere Betriebe zu vermitteln.

Das integrierte Social Business mit Zielgruppe KundInnen stellt Produkte oder Dienstleistungen für die benachteiligten Bevölkerungsgrippen her. Dazu gehört Helioz, die Produkte zur günstigen Wasserdesinfektion herstellen und vertreiben.

Das differenzierte Social Business bietet Dienstleistungen sehr günstig oder kostenlos für benachteiligte Gruppen an, die sich diese sonst nicht leisten könnten. Um das zu finanzieren, werden gewinnbringende Tätigkeiten ausgeführt. Der Verein Footprint, der sich gegen Frauenhandel einsetzt, bietet etwa Sportkurse an, die für die betroffenen Frauen kostenlos und für andere Frauen kostenpflichtig sind.

Das Sustainable Business setzt auf die Herstellung von nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen. Als Beispiel nennt die Studie die Gebrüder Stitch, die Maßjeans umweltfreundlich herstellen und nicht in Niedriglohnländer outsourcen.

Prognose und Empfehlungen

Da Social Business keine eigene Rechtsform in Österreich hat, musste die Anzahl solcher Unternehmen geschätzt werden. Anhand von Sekundärdaten geht die Studie von 1.200 bis 2.000 aus. Die für die Studie befragten Experten schätzen, dass sich bis zum Jahr 2025 die Zahl der Social Businesses in Österreich verdoppeln bis verzehnfachen wird.

Die Studie sieht in Social Businesses eine positive gesellschaftliche Wirkung, aber „soziales Unternehmertum ist nicht die Silver Bullet“, sagt Michael Meyer, Professor an der WU Wien: „Es wird nicht alle sozialen Probleme lösen, nicht den Staat ersetzen und nicht die sozialen Aufgaben der normalen Unternehmen übernehmen.“

Zur Förderung von Social Business empfiehlt die Studie mehrere Maßnahmen. So sollen Start-ups und innovative Projekte von etablierten NGOs schon in der Früh- und Orientierungsphase finanziert werden. Bildungsprogramme zu Social Business sollen gefördert werden – passenderweise bietet die WU Wien seit 2007 Lehrveranstaltungen zu diesen Themen an. Weiters soll eine Rechtsform für Social Business geschaffen werden. Eine eigene Rechtsform ist nötig, da NPOs keine Gewinnausschüttung vornehmen dürfen. Es mangelt deshalb an privaten Investoren und Expansionen bzw. die Erhaltung des NPOs sind so nahezu vollständig von Förderungen abhängig.

Wünsche

Bei der Vorstellung der Studie waren auch Vertreter von Social Businesses geladen. Deren Wünsche decken sich mit den Empfehlungen der Studienautoren. „Es würde uns das Leben erleichtern, wenn die Förderlandschaft reformiert wird, um den unorthodoxen Zugang nicht zu verhindern, sondern zu unterstützen“, sagt Melanie Ruff von Ruffboards. Ruffboards stellt Longboards aus recycelten Snowboards her, die Mitarbeiter sind Ex-Häftlinge.

Bernhard Hofer von talentify.me hat ebenfalls eine GmbH statt ein NPO gegründet, weil es noch keine Rechtsform für Social Businesses gibt: „Wir setzen auf ein hybrides Modell, weil wir nicht abhängig von Förderungen sein wollten. Es müssen neue Förderungsmodelle gefunden werden.“ talentify.me sieht sich als Peer-2-Peer-Learning-Plattform und vermittelt günstige Nachhilfe, bei denen ältere Schüler jüngeren Schülern helfen.

Victoria Kadernoschka von Gabarage Upcycling Design wünscht sich mehr Planungssicherheit, bessere Rahmenbedingungen und dass Social Business mehr bei öffentlichen Aufträgen berücksichtigt werden. Das Unternehmen beschäftigt Suchtpatientien, die aus alten und weggeworfenen Gegenständen neue Objekte bauen.

Nicht fördern ist deppert

Für Sozialminister Rudolf Hundstorfer ist Social Business ein wertschöpfender Sektor, bei dem viel soziales Potenzial gehoben wird: „Diese Projekte ermöglichen Menschen wieder in das Erwerbsleben einzutreten, das ist für mein Ressort ein ganz wesentliches Thema.“

Staatssekretär Harald Mahrer hat eine Vision von Österreich als „ökosozialer Leuchtturm“ und sieht Social Businesses als „Energiereservoir um gesellschaftspolitische Probleme zu meistern“. „Wir wären total deppert, wenn wir nicht das fördern, wo diese positive Energie herkommt.“