Start-ups
17.03.2015

Start-up entwickelt Sichtschutz für PINs und Smartphones

Das Start-up Sioptica aus Jena hat optische Lösungen entwickelt, um Geldabheben oder Online-Banking sicherer zu machen. Auch ein Schutz vorm Mitlesen am Tablet ist in Planung.

IT-Messen-Premiere feierte das Start-up Sioptica auf der CeBIT 2014. Vor einem Jahr zeigte die junge Firma, wie sich wichtige Daten aus dem Sichtfeld unerwünschter Beobachter verschwinden lassen, etwa auf Bezahl-Terminals von Banken. Gemeint ist damit eine Art Display-Sichtschutz an Bezahlterminals und Geldautomaten. „Die Bilder werden dabei optisch verschlüsselt. Es wird eine Art optischer Schlüssel drüber gelegt, die nur das menschliche Auge sieht“, erklärt Manuela Fischer vom Business Development gegenüber futurezone.at.

Damit lassen sich etwa PIN-Codes bei Bankomaten gegen Skimming-Versuche oder neugierige Blicke von Dieben schützen. Die Technologie von Sioptica werde bei einigen Anbietern von neu installierten Geldautomaten bereits integriert, doch die entsprechenden Zertifizierungsprozesse würden oft Jahre in Anspruch nehmen, so Fischer, daher könne man keine Auskünfte darüber geben, wann diese Technologie tatsächlich in diesem Bereich zum Einsatz kommt. Jährlich werden alleine zwischen 150.000 und 200.000 Geldautomaten weltweit neu installiert, daher gebe es auf jeden Fall ein „Riesenpotential“. Neben den Bankomaten eignet sich die Technologie auch für Bezahlterminals, wie es sich etwa im Supermarkt gibt.

Sichere Zugangscodes

Aber es wäre auch ein zweiter Einsatzbereich für Banken möglich: Banken versenden den Zugangscode zum Online-Banking gerne per Post. Diese Briefe werden meist nicht eingeschrieben verschickt, sondern als normaler Brief, der leicht abgefangen werden könnte. Wenn jetzt im Brief-Kuvert aber nur ein Teil des Codes drin ist, der alleine unbrauchbar ist, können Diebe damit nichts anfangen. Der zweite Teil kommt als Download per E-Mail und nur zusammengesetzt ergeben sie einen Sinn. Auch hier kommt eine optische Verschlüsselung zum Einsatz, die nur das menschliche Auge erfassen kann. Wie viele Banken diese Technologie einsetzen wollen, gab das Unternehmen nicht bekannt.

Derzeit verfügt Sioptica über sechs Mitarbeiter in Deutschland, zwei in Malaysia und einen in Frankreich. Alle Beteiligten waren bereits vorher in optischen Unternehmen beschäftigt und haben sich dann gemeinsam selbstständig gemacht.

Schutz vorm Mitlesen

Das Unternehmen hat seine Lösungen aber bereits weiterentwickelt und will auf einen Massenmarkt. Dazu hat es eine Technologie entwickelt, bei der man auf Tablets und Smartphones optische Schichten zu- und abschalten kann, damit Dritte nicht mitlesen können. Als Beispiel nennt Fischer einen Fall einer Bank-Mitarbeiterin, die auf der Zugfahrt nach Hamburg die Daten von Mitarbeitern am Tablet bearbeitet hat, die als nächstes gefeuert werden. „Ich saß daneben und konnte die Namen ablesen und auch sehen, was mit diesen Mitarbeitern passieren wird“, so Fischer.

„Mit unserer Technik können wir das Licht gerade bündeln, so dass jemand, der von der Seite aufs Tablet schaut und nichts erkennen kann“, sagt Fischer. „Das ist unser Zukunftsausblick“. Das Unternehmen verspricht damit neben dem Einsatz für Banken und den Handel einen dynamischen Sichtschutzfilter für Smartphones und Tablet-PCs. Denkbar wären jedoch auch photoTANs für Mobile Payments und andere Bereiche, wo ein optischer Sichtschutz von Vorteil wäre. Das Unternehmen ist, was seine Zukunft betrifft, auf jeden Fall optimistisch.

Disclaimer: Redakteure der futurezone berichteten live von der CeBIT in Hannover. Die Reisekosten wurden von der futurezone GmbH selbst sowie von T-Systems übernommen.