Start-ups
14.10.2017

Start-up Mapper macht Autofahrer zu Teilzeit-Kartografen

Mit Hardware und App des US-Start-ups Mapper können Autofahrer wertvolles Kartenmaterial für autonome Fahrzeuge erstellen und so Geld verdienen.

Durch Crowdsourcing sollen besonders genaue und aktuelle 3D-Straßenkarten entstehen und alle - private Autofahrer, Unternehmen sowie der Betreiber des Systems - sollen davon profitieren. Das ist die Idee des US-Start-ups Mapper. Wie Wired berichtet, hat dieses Hard- und Software entwickelt, um es Autofahrern zu ermöglichen, ihren Teil dazu beizutragen, dass tagesaktuelles Kartenmaterial entsteht, welches unter anderem maßgeblich für das autonome Fahren ist.

Sensorbalken und App

Die Hardware, die Autofahrer dafür installieren müssen, ist ein mit Kameras und anderen Sensoren bestückter Balken, der am oberen Rand der Windschutzscheibe montiert und per Kabel mit dem Zigarettenanschluss des Autos verbunden wird. Per Mapper-App erhält man Anweisungen, welche Straßenabschnitte in der Gegend gerade neu kartografiert werden müssen, etwa weil dort eine Baustelle eröffnet wurde. Die entsprechenden Gebiete fährt man langsam (maximal 30 Meilen pro Stunde bzw. 48 km/h) ab, während die Mapper-Sensoren Daten sammeln und an weiterleiten.

Für übermittelte Kartendaten erhält der Fahrer zwischen einem und fünf Cent pro Meile. Aktivieren kann man den Mapper-Sensor aber auch auf seinen alltäglichen Fahrten. Auch ohne Erfüllung von Aufträgen aus der App erzeugt man aktuelles Kartenmaterial und erhält dafür Geld (wenngleich deutlich weniger).

Karten für Maschinen

"Wenn uns als Menschen die Augen verbunden werden und wir an einem unbekannten Ort ausgesetzt werden, finden wir uns zurecht. Wir profitieren von Millionen Jahren an Hausverstand, um unsere Aufmerksamkeit zu lenken", meint Nikhil Naikal, CEO von Mapper gegenüber Wired. "Eine Maschine braucht allerdings große Mengen an hochaktuellen 3D-Kartendaten, um zu erahnen, was sie um die nächste Ecke erwartet."

Zahlreiche Use Cases

Sein Kartenmaterial will Mapper jenen Unternehmen zur Verfügung stellen, die hochgenaue Kartendaten benötigen. Neben Entwicklern von autonomen Autos, etwa Autoherstellern, könnten dies etwa Infrastrukturerhalter sein, die den aktuellen Zustand von Straßen, Beleuchtung etc. überwachen wollen. Versicherungen könnten durch das Kartenmaterial Unfälle untersuchen. Augmented-Reality-Unternehmen könnten darauf zurückgreifen, um personalisierte virtuelle Plakatwände zu installieren. "Wir glauben, dass es Anwendungsfälle gibt, die wir noch nicht einmal vermuten", meint Naikal.

Ähnlich wie etwa Uber will es Mapper Autobesitzern ermöglichen, auf einfache Art und Weise zwischendurch Geld zu verdienen. Das Unternehmen rechnet damit, dass 10.000 Anwender ausreichen würden, um 3D-Kartenmaterial für alle Gebiete, in denen solche Karten innerhalb der USA benötigt werden, zu erzeugen. Derzeit ist Mapper in Alexandria, Virginia und San Francisco, Kalifornien, aktiv. Die Karte von San Francisco soll innerhalb der nächsten 14 Monate fertiggestellt sein.

Konkurrenz

Mapper hat allerdings Konkurrenz, was das Erstellen von 3D-Kartenmaterial durch Crowdsourcing betrifft. Auch andere Start-ups, wie DeepMap, Civil Maps und Lvl5, versuchen sich an ähnlichen Geschäftsmodellen. Autohersteller sind unterdessen zögerlich beim Annehmen von Kartenmaterial von Drittanbietern. Sie erstellen oftmals lieber selbst ihre Karten. Daimler, BMW und Audi haben etwa mit Here (ehemals Nokia-Eigentum) ihren eigenen Kartendienst.

Außerdem haben Dienste wie Mapper ein logisches Ablaufdatum. Je mehr Fahrzeuge mit immer präziseren Sensoren - etwa für Assistenzfunktionen bis hin zu weitreichender Autonomie - ausgestattet sind, desto mehr werden Daten, wie sie Mapper erzeugt, von Herstellern selbst erzeugt.