Start-ups
30.06.2017

Wiener Start-up mySugr von Roche übernommen

Der Schweizer Pharmariese Roche verstärkt sein Diabetes-Geschäft und übernimmt das österreichische Start-up mySugr. Dieses bleibt bestehen und will expandieren.

Die 2012 gegründete Firma mit Standorten in Wien und San Diego ermöglicht Diabetes-Patienten unter anderem, ihre Blutzuckerdaten aus einem Messgerät über ein Smartphone an ihren Arzt zu übermitteln. Am Freitag gab das Start-up die Übernahme durch Roche auf seinem Blog bekannt.

Das 2012 gegründete Unternehmen mySugr ist auf die Rundumversorgung von Menschen mit Diabetes spezialisiert. Die Apps und Services kombinieren Diabetesberatung, Therapiemanagement, automatisierte Datenverfolgung und die nahtlose Integration mit medizinischen Geräten via Smartphone. Die Plattform mit 47 Mitarbeitern habe über eine Million Nutzer und sei in 52 Ländern sowie 13 Sprachen verfügbar.

Top 3 in Österreich

Zischen mySugr und Roche besteht seit 2014 eine Partnerschaft. Roche nannte keinen Kaufpreis. Kolportiert wird aber ein Preis zwischen 70 bis 200 Millionen Euro. Der mySugr-Verkauf wäre damit der drittgrößte heimische Start-up-Deal in den letzten Jahren.

Die beiden größten Exits in Österreich schafften im Jahr 2015 die Fitness-App Runtastic (220 Mio. Euro) und die Kleinanzeigen-App Shpock (rund 200 Mio. Euro). Der Sportartikelherstelle Adidas kaufte Runtastic und der norwegische Medienkonzern Schibsted übernahm Shpock.

MySugr bleibt bestehen

Laut FirmenCompass hielten die vier MySugr-Gründer Fredrik Debong (12,24 Prozent), Gerald Stangl (12,16 Prozent), Michael Forisch (4,81 Prozent) und Frank Westermann (15,32 Prozent) zuletzt gemeinsam rund 45 Prozent der Anteile. Der Business Angel Hansi Hansmann (15,69 Prozent), iSeed aus den USA (12,33 Prozent), die Mediclass-Gründer Christoph Sauermann (0,6 Prozent) und die Familie Püspök (4 Prozent) waren bei MySugr auch an Bord. Die Schweizer Roche Finanz AG hielt bereits 12,34 Prozent der Anteile.

Als Teil der integrierten Diabetesmanagementstrategie von Roche soll mySugr ein juristisch unabhängiges Unternehmen bleiben. "Es ist der größte Deal im Digital-Health-Bereich bis dato", sagt Business Angel Hansi Hansmann, der direkt in die Verhandlungen involviert war, gegenüber Trending Topics. Offizielle Angaben zum Kaufpreis gab es vorerst nicht.

Passende Kulturen

"Wir freuen uns über diese Vereinbarung, weil wir mit der offenen Plattform eine einfache und zugängliche Lösung für Menschen mit Diabetes anbieten und so besser auf ihre Bedürfnisse eingehen können", sagte der Chef von Roche Diagnostics, Roland Diggelmann, in einer Aussendung am Freitag. Die seit 2014 bestehende Partnerschaft mit mySugr habe gezeigt, dass die beiden Unternehmenskulturen zusammenpassen würden.