Start-ups 14.05.2015

"Wir sehen Trends als Erste"

© Bild: Gerhard Deutsch, Kurier

Das Pioneers-Festival ist der Start-up-Höhepunkt des Jahres, der Event hat mittlerweile einen internationalen Ruf erlangt und zieht Start-ups aus der ganzen Welt an. Die Gründer Andreas Tschas und Jürgen Furian im Gespräch.

1600 Bewerbungen aus 98 Ländern sind heuer eingelangt, so viele, wie nie zuvor. Die besten 50 Start-ups sind bei der Pioneers-Challenge dabei und werden um den Sieg, internationale Beachtung und vor allem um die Gunst von Business-Angels und Venture Capitalists buhlen. Vor vier Jahren haben Andi Tschas und Jürgen Furian das Pioneers Festival gegründet. Heuer findet der Start-up-Treff am 28. und 29. Mai in der Wiener Hofburg statt und ist der Abschluss eines aufregenden Monats nach Life Ball und Song Contest. „Pioneers ist ein cooles Produkt geworden, aber es ist kein Event, sondern eine Plattform, die die Trends als erster sieht“, sagen Tschas und Furian im futurezone-Interview. „Wir wollen Wien zu einem Davos der Pioniere machen, wir werden Pioniere der Gegenwart präsentieren, die sich um die Zukunft Gedanken machen.“

Sprungbrett Wien

Dass das Pioneers das Sprungbrett zum Erfolg sein kann, hat sich in den vergangenen Jahren mehrmals gezeigt. Das kroatische Start-up Bellabeat (vorher Babywatch) hat es in den Y Combinator von Paul Graham geschafft, der Unternehmen wie Airbnb, Reddit oder Dropbox groß gemacht hat. Das fliegende Auto „Aeromobil“ hatte im Vorjahr seine Weltpremiere in Wien und die Amerikanerin Danielle Fong, CEO von LightSail Energy, fädelte ihre Kooperation mit der NASA beim Pioneers-Festival ein.

Start-up intelligence

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© Bild: Gerhard Deutsch, Kurier
„Wir wissen aber nicht nur, woher die Bewerber kommen, wir können die Daten mit bestehenden Infos synchronisieren und übereinanderlegen und erkennen Trends, wir wissen, in welchen Regionen, Städten sich die Hot Spots befinden“, sagt Tschas. „Wir wissen, wo die Robotics-Start-ups herkommen, wo die Lifestyle-Start-ups zu Hause sind und wo man sich um Energiethemen Gedanken macht.“ „Start-up intelligence“ wird dies von Furian und Tschas bezeichnet. „Die Start-up-Landschaft wird immer unübersichtlicher, daher sind solche Daten-Analysen extrem wichtig“, sagt Furian. „Aus der Event-Company Pioneers ist eine Data-driven Company geworden.“ Derzeit ist man damit beschäftigt, eine Datenbank aufzubauen, mit der sich genau diese Trends ablesen lassen.

Politische Unterstützung

Tschas und Furian haben es mit dem Festival auch geschafft, das offizielle Österreich dafür zu begeistern. Die Förderbank der Republik, die AWS (Austria Wirtschaftsservice GmbH), ist genauso dabei wie Staatssekretär Harald Mahrer, der nicht nur ein Fan von Pioneers, sondern das Festival auch dazu nutzt, junge Unternehmer zu motivieren bzw. junge Menschen mit Ideen zum Unternehmertum zu bewegen. „Nach einem solchen Politiker haben wir jahrelang gesucht“, sagt Tschas. „Wir haben immer schon gefordert, dass das Start-up-Thema Chef-Sache werden muss. Mahrer will wirklich was weiterbringen und wir werden dabei helfen, dass er sein 40-Punkte-Programm schafft.“ Eines der ersten Projekte nennt sich Silicon Bridges – es soll eine Brücke zwischen Brünn, Bratislava und Wien errichtet werden, damit Techniker gefunden werden. Das Pioneers-Festival ist auch einer der Gründe, warum viele heimische Unternehmen die Liebe zu Start-ups entdeckt haben und an eigenen Acceleratoren und Start-up-Campus arbeiten. Tschas: „Es ist gut, dass sich die Firmen damit auseinandersetzen, aber jede Firma braucht auch eine interne Strategie, was sie mit dem Know-How der Start-ups machen bzw. die Firmen integrieren.“

Der globale Event

Jürgen Furian
© Bild: Gerhard Deutsch, Kurier
„Ich hatte immer schon die Vision, aus Pioneers einen globalen Event zu machen“, sagt Furian. Der Terminwechsel vom Herbst in den Frühling könnte dabei hilfreich sein, „denn Wien im Mai zu erleben ist – wenn das Wetter passt – eine Draufgabe, da tut man sich mit dem Setting einfach leichter.“ Hilfreich ist der Terminwechsel auch aus einem anderen Grund. Im Herbst gab es international einige Konkurrenz-Veranstaltungen, fast zeitgleich fand immer das Websummit in Irland statt.

Internationalisierung

Furian und Tschas machen sich bereits konkrete Gedanken, wie sie Pioneers noch internationaler machen können. Mittlerweile hat das Festival einen internationalen Ruf erlangt, auch in den USA. Im vergangenen Jahr stammten 50 Prozent der Besucher, die den Livestream der Veranstaltung verfolgten, aus den USA. „Wir wollen aber auch für asiatische Firmen das Sprungbrett nach Europa sein“, sagt Tschas. „Europa ist ein spannender aber auch sehr komplizierter Markt, da wollen wir helfen.“

Andreas Tschas
© Bild: Gerhard Deutsch, Kurier
Ein Pioneers-Festival in Asien halten die beiden für „sehr wahrscheinlich“, Tokio ist dabei eine Wunsch-Destination. „ Japan liegt durch unseren Partner Konica Minolta auf der Hand, zudem ist der österreichische Handelsdelegierte Michael Otter in Tokio sehr dahinter.“ Heuer werden 30 Leute aus Japan zum Event anreisen – darunter auch der Neffe des japanischen Kaisers, auch aus Indien, Südkorea oder Singapur haben sich Start-ups angemeldet. Unter anderem werden zehn Busse aus umliegenden Staaten Teilnehmer – offiziell 2500 – nach Wien bringen, aus Estland wurde ein eigenes Flugzeug gechartert. Die Festival-Gründer wollen es schaffen, dass sich Start-ups in Österreich ansiedeln, dazu werden auch die Universitäten stärker eingebunden, mit der TU Wien wird bereits kooperiert.

True economy

Ziele für die Zukunft gibt es auch schon: „Wir wollen nicht nur coole Startups identifizieren, international skalieren und erfolgreich werden, sondern die komplette Innovationsindustrie vernetzen, also Investoren, Startups, Corporates und die Regierungen.“ Künftig werde es nicht mehr die old und die new economy geben, sondern nur noch die true economy.

Erstellt am 14.05.2015