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Alphabet "Twitter ist ein heißer Übernahmekandidat für Google".

Unter dem neuen Firmendach Alphabet werden auch Übernahmen für Google einfacher
Unter dem neuen Firmendach Alphabet werden auch Übernahmen für Google einfacher - Foto: APA
Analysten rechnen unter dem neuen Mutterkonzern Alphabet mit mehr Firmenübernahmen und sehen wieder mehr Beweglichkeit und Schwung bei Google - zumindest nach außen hin.

Die Überraschung war groß, als der Internetriese Google verkündete, dass das Unternehmen ab sofort unter dem neuen Mutterkonzern namens Alphabet geführt wird. Damit zeigt der Internetriese noch einmal deutlicher, dass es sich bei Google schon länger nicht mehr nur um einen Suchmaschinenbetreiber handelt, auch wenn nach wie vor hauptsächlich mit Onlinewerbung Geld verdient wird. Von den knapp 35 Mrd. Dollar (31,9 Mrd. Euro) Umsatz im ersten Halbjahr dieses Jahres entfielen 31,5 Mrd. Dollar auf Online-Anzeigen. Das ist ein Anteil von 90 Prozent. Diese Werbeeinnahmen finanzieren die “coolen” und spannenderen Projekte bei Google de facto mit.

"Google zeigt hier wieder ganz deutlich, was für ein starker Player am Markt es ist", sagt Monika Rosen-Philipp, Chefanalystin bei Bank Austria Private Banking, zur futurezone. Mit der neuen Struktur unter dem Dach Alphabet kann der Fokus der Google-Gründer auf die großen Innovationen, die eher Geld kosten als sie zunächst bringen, nun noch stärker und auch einfacher ins Visier genommen werden. Die Bereiche, in die Google vordringt, werden künftig noch breiter. Die vielgescholtene “Datenkrake” wird ihre Macht weiter ausbauen und noch mehr Lebensbereiche ihrer Nutzer abdecken als bisher schon.

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“Analysten haben oft die amorphe Struktur an Google kritisiert”, so Rosen-Philipp. Es sei derzeit noch unklar, ob sich die Struktur durch diesen Schritt tatsächlich merklich ändere. “Intern bleibt dem ersten Anschein nach das meiste weitgehend unverändert”, so die Analystin. Die Reaktion an der Börse war jedenfalls positiv. Die Google-Aktie, die künftig als Alphabet-Aktie gehandelt wird, stieg nachbörslich um sechs Prozent. Die Namenswahl ist natürlich auch symbolträchtig - Alpha, damit reiht man sich ganz vorne ein, und das nicht nur an der Börse.

Twitter bald bei Google?

Auch wenn Alphabet vor allem ein guter Deal für die involvierten Banken sein dürfte, so ergeben sich doch auch andere Vorteile für Google selbst. Der Konzern bzw. die Gründer dürften sich leichter tun, wenn es um Firmenübernahmen geht, einen Bezug zum Kerngeschäft muss man so weniger rechtfertigen. “Die Zukäufe können stärker kanalisiert werden”, meint Rosen-Philipp und verweist auf ein interessantes sowie hartnäckiges Gerücht unter Analysten, das nicht erst seit gestern kursiert: “Twitter wird seit einiger Zeit als ganz heißer Übernahmekandidat für Google gehandelt. Diese Einschätzungen kommen in den USA von den namhaftesten Branchebeobachtern”, erklärt die Analystin. Die Social-Media-Plattform ist angeschlagen und schreibt laufend schlechte bis mäßige Zahlen, häufig gibt es Kritik an Bereichen wie der Benutzerfreundlichkeit.

“Jetzt, wo sich Google neu aufgestellt hat, könnte eine Übernahme von Twitter tatsächlich konkretere Formen annehmen”, meint Rosen-Philipp. “Google könnte hier mit seinen Ressourcen und seinem Know-How an jenen Stellen aushelfen, wo es Twitter noch mangelt, eben wenn es um Nutzerfreundlichkeit oder Ähnliches geht.” Mit YouTube auf der anderen Seite hätte Google dann “einen doppelten Zugang in soziale Netzwerke”, so die Analystin.

Neuer Schwung

Einer der größten Vorteile, den Alphabet mit sich bringen könnte, ist frischer Wind für den Konzern - zumindest nach außen hin. “Der Tech-Markt hat in den vergangenen zwölf Monaten eine Outperformance gezeigt, Google blieb dabei aber leicht unter den Erwartungen. Mit dem Schritt zum Konzernumbau hat das Unternehmen aber jetzt einen großen Sprung nach vorne gemacht”, so Rosen-Philipp. Je größer ein Unternehmen, desto schwerfälliger und unbeweglicher werde es. “Deshalb ist es besonders wichtig, immer wieder neue Impulse zu setzen, zu zeigen, dass man beweglich bleibt”, sagt die Analystin. Mit Alphabet hole sich Google genau diesen neuen, notwendigen Schwung. “Man muss sich aus seiner Komfortzone heraus bewegen, proaktiv sein, um relevant zu bleiben.”

Die neue Aufteilung

Google Inc. wird  fortan neben anderen Subunternehmen als Tochterfirma von Alphabet operieren, der Konzern in seiner Gesamtstruktur neu aufgestellt. Die Google-Gründer Larry Page - bisheriger CEO - und Sergey Brin werden den neuen Mutterkonzern als CEO und Präsident anführen und sich visionären Themen zuwenden. Neuer Google-Chef wird Sundar Pichai, der schon seit längerem als eine Art Kronprinz im Unternehmen gehandelt wurde. Zuletzt hatte Pichai die Leitung des mobilen Betriebssystems Android übernommen und war damit zu einem der mächtigsten Googlemanager aufgestiegen.

(futurezone) Erstellt am 11.08.2015, 13:15

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