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Ultimatum GIS bestätigt über 200.000 geklaute Datensätze.

Foto: Screenshot
Die GIS hat gegenüber der futurezone nun offiziell den Diebstahl von 214.000 Datensätzen, davon 96.000 mit Bankdaten, bestätigt. Damit wurde noch vor Ablauf des offiziellen Ultimatums die Forderung von Anonymous Austria erfüllt.

Nachdem Anonymous Austria der GIS am Sonntagnachmittag ein Ultimatum stellte, hat die Gebühren Info Service nun offiziell den Diebstahl von insgesamt "214.000 Datensätzen" bestätigt. "Nachdem unsere Techniker in Zusammenarbeit mit dem Computer Emergency Response Team und dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung die Vorfälle vom Freitag aufgearbeitet haben, können wir den Diebstahl von 214.000 Datensätzen bestätigen, davon 96.000 mit Bankdaten", sagte der Sprecher der GIS, Herbert Denk, gegenüber der futurezone.

Ultimatum an GIS
"Less than 12 hours to go! Someone better start telling the truth soon..." - Mit dieser Twitter-Nachricht leitete Anonymous Austria den Countdown für die GIS ein. Denn nachdem der Hackergruppierung am Freitag auf die Server der GIS zugreifen und so die Datensätze von zahlreichen Kunden entwenden konnte, ist im Laufe des Wochenendes ein Streit über das genaue Ausmaß des Diebstahls entbrannt. Anonymous Austria spricht von insgesamt 211.695 entwendeten Datensätzen, die dem Nachrichtenportal gulli.com bereits zur Bestätigung zugespielt wurden. Diese Zahl erschien der GIS allerdings "sehr hoch". Damals ließ man noch verlautbaren, dass nur die Daten "tausender Kunden" betroffen seien, die sich über die Webseite der GIS an- oder ummeldeten. Das ließ sich Anonymous nicht gefallen und stellte noch am Sonntag in einer Presseaussendung klar:

"Sollte nicht bis spätestens Montag, dem 25. Juli 2011 18:00 Uhr ÖFFENTLICH bekannt gegeben werden, wieviele Zwangskundendaten tatsächlich von uns kopiert werden konnten, werden wir ein zensiertes Backup der Datenbank, die uns vorliegt, veröffentlichen. Somit kann sich jeder Bürger selbst davon überzeugen, wie die GIS der Bevölkerung offen ins Gesicht lügt."

Nun läuft noch der Countdown auf einer eigens eingerichteten Webseite und kündigt das Ende der Deadline für heute, 18 Uhr, an. "Expect the Leak" heißt es dort. Direkt darunter salutiert das Maskottchen der Gruppierung, das Pony Rainbow Dash aus der Zeichentrickserie "My Little Pony", im für Anonymous typischen schwarzen Anzug. Kurz bevor das Ultimatum an die GIS gestellt wurde, veröffentlichte Anonymous Austria über einen Tweet noch den Datensatz von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, der offensichtlich eine Ummeldung über die Webseite der GIS vorgenommen hatte.

GIS-Webseite kommt wieder
GIS-Sprecher Denk bestätigt, dass die Seite in nächster Zeit wieder online gestellt werde, allerdings ohne der Funktion für GIS-Kunden, sich online an- oder umzumelden. Zur Zeit werde mit einer neu gegründeten Task Force an der Verbesserung der derzeitigen Sicherheitsmaßnahmen gearbeitet, sodass ein derartiger Vorfall nicht mehr passieren könnte. Das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, das an der Aufarbeitung der Vorgänge beteiligt war, wird bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Unbekannt erstatten.

"Nicht rückverfolgbar"
In einem Interview auf gulli.com verteidigt Anonymous Austria die Wahl der GIS als Angriffsziel: "Eine private Firma, die das Recht hat, auf alle Bürgerdaten zuzugreifen und so lasch mit den Daten umgeht - eigentlich müsste so eine Organisation verboten sein." Angst vor juristischer Verfolgung haben die Mitglieder der Gruppierung allerdings nach eigenen Angaben nicht, da die Vorgänge dank der Anonymität innerhalb der Gruppe "nicht rückverfolgbar" wären.

In der Zwischenzeit haben einige verärgerte GIS-Kunden bereits auf die Vorgänge reagiert und stellen schriftliche Anträge auf Auskunft an die GIS. Im Internet kursiert dafür seit kurzem ein vorgefertigtes Formular, mit dem Kunden bei der GIS nachfragen können, ob ihre Daten im Zuge des Angriffs kopiert wurden. Nach dem österreichischen Datenschutzgesetz muss die GIS innerhalb von acht Wochen kostenfrei auf Anfragen dieser Art reagieren. Zumindest der Zugriff auf die Datenbank mit allen 3,5 Millionen Kundendaten konnte von der GIS bereits am Freitag offiziell ausgeschlossen werden, da die entsprechende Daten auf anderen Servern gespeichert sind.

Die Aktivisten von Anonymous Austria hatten in den vergangenen Wochen immer wieder durch Angriffe auf bekannte Webseiten für Aufsehen gesorgt. Im Rahmen der weltweiten Operation "AntiSec" attackierte Anonymous Austria unter anderem die Homepages der FPÖ und ihres Vorsitzenden H.C. Strache sowie die Webseite der SPÖ.

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(futurezone) Erstellt am 25.07.2011, 12:00

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