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Privatsphäre Heftige Kritik an Facebooks aufgeweichtem Datenschutz.

Facebook lockert den Datenschutz und verfolgt seine Nutzer nun auf Schritt und Tritt
Facebook lockert den Datenschutz und verfolgt seine Nutzer nun auf Schritt und Tritt - Foto: APA/dpa-Zentralbild/Jens Büttner
Bei Datenschützern stoßen die neuen Nutzungsbedingungen auf wenig Gegenliebe. Sie kritisieren die neuen Regeln scharf und bezweifeln deren Rechtmäßigkeit.

Ab sofort sind die umstrittenen neuen Facebook-Datenschutzregeln in Kraft. Konkret bedeuten die Änderungen, dass Facebook künftig das Surfverhalten seiner Nutzer auch außerhalb des sozialen Netzwerkes auswertet, um noch besser auf den jeweiligen Nutzer zugeschnittene Werbung anzeigen zu können. Wer also im Internet nach Angeboten für seinen nächsten Urlaub sucht, könnte in Zukunft auf seinem Facebook-Profil Werbung für Fluglinien und Hotels angezeigt bekommen.

Möglich wird das unter anderem durch den Facebook-Like-Button, den viele Webseiten eingebunden haben. In die Werbung soll in Zukunft auch einfließen, wo sich der Nutzer gerade befindet. Möglich wird das über die Facebook-App, die die Standortdaten an das Online-Netzwerk  weitergibt. So könnte man etwa Werbung für Restaurants oder Geschäfte in der Nähe angezeigt bekommen. Der Grund der Änderungen ist klar: Facebook verdient mit Werbung sein Geld. Besser auf die Zielgruppe zugeschnittene Werbung verkauft sich besser als wahllos ausgespielte Anzeigen.

Den neuen Bedingungen zu widersprechen ist nicht möglich. Wer sich einloggt, stimmt automatisch zu. Eine Benachrichtigung gab es bislang nicht. Ob Facebook jene noch nachreicht, ist derzeit unklar.

Weitergabe der Daten

„Die größte Sorge besteht darin, dass Facebook Daten und Informationen über Nutzer aus dem sozialen Netzwerk und den zugekauften Unternehmen wie Instagram oder WhatsApp verknüpft“, erklärt der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar im Gespräch mit der futurezone. „Wenn man bedenkt, dass Facebook für die Übernahme von WhatsApp rund 19 Milliarden US-Dollar gezahlt hat, ist zu erwarten, dass die Daten, die WhatsApp generiert, zu Rekapitalisierung genutzt werden“, erklärt Caspar.

Denn diese Daten werden nicht nur von Facebook selbst genutzt, sondern auch von der Werbeplattform Atlas, die das Online-Netzwerk 2013 aufgekauft hat. Atlas ist auch für die Werbung auf zahlreichen anderen Webseiten zuständig, die nun ebenfalls mit diesen Daten gefüttert werden.  

Rechtswidrig?

Ob Facebook mit seinen neuen Nutzungsbedingungen gegen deutsches Recht verstößt, sei noch nicht geklärt, sagt Caspar: „Wir haben Facebook eine Reihe von Fragen gestellt. Die Beantwortung, die wir bis Ende Februar erwarten, wird dann die Grundlage für die weitere Vorgehensweise bilden.“ Klar ist jedenfalls, dass die Datenschutzbeauftragen der einzelnen europäischen Länder das Thema kommende Woche diskutieren werden. Somit ist die Debatte über Facebooks neue Nutzungsbedingungen auf EU-Ebene angekommen.

Situation in Österreich

Laut dem Wiener Rechtsanwalt und Datenschutzexperten Rainer Knyrim von der Kanzlei Preslmayr ist die Art, wie Facebook die neuen Bedingungen einführt, rechtlich nicht in Ordnung. „Eine Änderung der AGB muss aktiv akzeptiert werden“, so der Anwalt im Gespräch mit der futurezone.  Auch die schwammigen Klauseln an sich hält der Rechtsexperte für problematisch: „Ich habe mir die alten Bedingungen durchgelesen und da wurde mir ganz schlecht.“ In Österreich sei die Rechtsauslegung bei derartigen Fällen sehr streng, wie Knyrim sagt. „Österreichische Unternehmen feilen ewig an jedem Wort und werden trotzdem noch gemahnt. Facebook hingegen kann offenbar schreiben, was es will.“

Doch ganz ohne Gegenwind steht Facebook nicht da. Der Wiener Jusstudent Max Schrems hat etwa eine Sammelklage gegen den Konzern initiiert. Grund der Klage sind mangelnde Datenschutzbestimmungen sowie die Teilnahme am Überwachungsprogramm PRISM der US-Regierung. Dies alles sei laut Initiator Max Schrems nicht mit europäischem Recht vereinbar. Bei der Klage handelt es sich um ein Zivilverfahren, geklagt wird auf Unterlassung und Schadenersatz von 500 Euro pro Nutzer. Dieser Betrag ist bewusst niedrig angesetzt, da es nicht um Geld, sondern um die Durchsetzung von Grundrechten geht.

Maßnahmen

Schutz vor der Sammelwut

Wer mit dem Datensammeln von Facebook nicht einverstanden ist, das Netzwerk aber weiterhin verwenden möchte, hat einige Möglichkeiten,  gezielte Werbung abzudrehen. Über Plattformen wie „About Ads“ und „Your Online Choices“ kann man personenbezogene Werbung deaktivieren. Dazu wird im Browser ein Hinweis in Form eines sogenannten Cookies gesetzt, der Werbeplattformen mitteilt, dass das Surfverhalten nicht aufgezeichnet werden darf. Facebook will sich laut eigenen Angaben daran halten. Wer dieser Aussage nicht traut, kann auch die Browser-Erweiterung Ghostery installieren. Jene blockiert Programme und  Werbenetzwerke, die das Surfverhalten aufzeichnen. Auch der Facebook-Button auf verschiedenen Webseiten wird dadurch standardmäßig blockiert. Ghostery ist außerdem als eigenständiger Browser für Apples iOS sowie für Googles Android verfügbar.

Mobile Maßnahme

Etwas schwieriger ist es, das Ausspionieren von Facebook am Handy zu verhindern. Wer die entsprechende App hat, hat bei der Installation in der Regel zugestimmt, dass das Programm Zugriff auf zahlreiche Informationen wie etwa den Standort hat. Hier kann das Deaktivieren der GPS-Funktion  ein wenig Abhilfe schaffen. Eine Alternative wäre es, die Facebook-App vom Gerät zu entfernen und das Online-Netzwerk nur noch über die mobile Browserseite zu nutzen.

Einstellungen

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Privatsphäre- und Werbeeinstellungen auf Facebook so restriktiv wie möglich einzustellen. Ganz entziehen kann man sich dem Datensammeln dadurch allerdings nicht.

Um absolut sichergehen zu können, dass Facebook keine persönlichen Daten sammelt, muss man um das Online-Netzwerk einen Bogen machen und sein Facebook-Konto ein für alle Mal auflösen.

(futurezone) Erstellt am 30.01.2015, 16:16

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