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Windows Phone Nokia Lumia 930 im Test: Das letzte große Lumia.

Das Lumia 930 ist seit Anfang Juli für 599 Euro UVP erhältlich
Das Lumia 930 ist seit Anfang Juli für 599 Euro UVP erhältlich - Foto: Gregor Gruber
Nokia ist Geschichte, nun hat Microsoft die Kontrolle beim einstigen Handy-Weltmarktführer. Das letzte Flaggschiff-Modell Lumia 930 will mit High-End-Ausstattung punkten.

22 Jahre lang versorgte der finnische Konzern Nokia die Welt mit Mobiltelefonen, nun dürfte zumindest die Marke schon bald vom Markt verschwinden. Die Übernahme der Geräte-Sparte durch Microsoft garantierte dem US-Konzern zwar unter anderem die Markenrechte für “Nokia Lumia” bis Ende 2015, aktiv davon Gebrauch machen möchte man offenbar nicht. Das geht zumindest aus Dokumenten hervor, die Anfang Juni von evleaks veröffentlicht wurden. Damit könnte das Lumia 930 das letzte große Lumia-Flaggschiff sein, auf dem der Schriftzug “Nokia” zu lesen ist.

Auch wenn bei vielen die Trauer über das Ende des einstigen Weltmarktführers überwiegen dürfte, das Team von Nokia hat sich bemüht, mit dem Lumia 930 ein würdiges Abschiedsgeschenk abzuliefern. Doch reicht moderne Hardware in Kombination mit dem bekannten Design aus, um mehr als nur solide Kost zu liefern? Die futurezone hat das Lumia 930 ausgiebig getestet.

Design

Du bist aber fett geworden

Nokias Smartphones haben noch nie zu den schlanksten Geräten auf dem Markt gehört und auch das Lumia 930 ist keine Ausnahme. Mit 9,8 Millimetern hat das Lumia 930 einen ungewöhnlich dicken “Bauch” auf der Rückseite, der von einem Aluminium-Rahmen umspannt wird. Im Vergleich zum Lumia 925 (8,5 Millimeter) hat es somit etwas zugelegt, dennoch ist es noch deutlich schlanker als das Lumia 920, das 10,7 Millimeter dick war. Die Rückseite besteht aus einem glatten Kunststoff, der wahlweise in grellen Neon-Farben (grün, orange) und dezentem Schwarz oder Weiß verfügbar ist.

Nokia Lumia 930
Foto: Gregor Gruber
Es ist keine Übertreibung, wenn man sagt, dass die Farben regelrecht leuchten. Die getestete grüne Variante war dermaßen grell, dass das Licht grün auf die Hand reflektierte. Das ist nicht jedermanns Geschmack, aber dennoch eine angenehme Abwechslung zum schwarz-silbernen Einheitsbrei vieler anderer Hersteller. Wer nicht so gerne auffallen möchte, kann auch zur schwarzen oder weißen Variante greifen oder sich nachträglich für das offizielle Nokia-Cover entscheiden.

Nokia Lumia 930
Foto: Gregor Gruber
Das Case (39,90 Euro UVP) wird in den gleichen Neon-Farben sowie Schwarz angeboten. Wer den zusätzlichen Schutz benötigt, sollte zur schwarzen Version greifen. Das orange Case, das zum Test zur Verfügung gestellt wurde, bekam bereits nach kurzer Zeit schwarze Ränder. Der Dreck ließ sich von der Stoff-Oberfläche auch mit Seife nicht mehr vollständig entfernen. Im Gegensatz zu Cases für viele Android-Modelle verfügt jenes von Nokia nicht über einen Magneten zum Aufwecken des Displays. Auch Telefonieren im geschlossenen Modus ist nicht möglich, da es keinerlei Öffnungen für den Lautsprecher gibt. Somit erfüllt das Case im Grunde genommen nur eine Aufgabe: Das Display wird vor Kratzern geschützt.

Im Gehäuse ist das Lumia 930 dann bereits wuchtige 15 Millimeter dick, das fällt deutlich in der Hosentasche auf. Mit einem Gewicht von 167 Gramm ist es zudem nicht gerade ein Leichtgewicht, aber auch hier schneidet es trotz größerem Display deutlich besser ab als das Lumia 920, das sich seinen Spitznamen “Ziegel” mit 185 Gramm redlich verdient hat. Das Gewicht ist dennoch gut verteilt, der Schwerpunkt liegt zwischen Mitte und Kamera. Das Display lässt sich problemlos einhändig bedienen, auch dank der neuen Tastatur von Windows Phone 8.1, mit der endlich Wörter “gewischt” werden können. Zudem kann der Bildschirm durch Klopfen aktiviert werden, ähnlich der Knock-On-Geste von LG.

Oben und unten ein Bauch

Angenehm fällt vor allem der breite Aluminium-Rahmen auf, der edel aussieht und an dem sich das Smartphone einfach umklammern lässt. Die Tasten sind ebenso hochwertig ausgeführt und gesammelt an der rechten Seite zu finden. Oben wurde die Lautstärkewippe platziert, sehr knapp darunter der Power-Knopf. Der Kamera-Knopf ein Stück weiter unten verfügt, wie bei einer Digitalkamera, über zwei Druckpunkte, sodass damit auch fokussiert werden kann. Der Einschub für die nanoSIM-Karte findet sich oben links, zum Entfernen ist kein eigenes Tool erforderlich, lediglich etwas Fingerspitzengefühl. Der Kopfhöreranschluss wurde oben in die Mitte gesetzt, an der Unterseite gibt es lediglich noch den microUSB-Anschluss. Für microSD-Karten fand sich leider kein Platz.

Nokia Lumia 930
Foto: Gregor Gruber
Sieht man das Lumia 930 nur von seiner quietschbunten Rückseite, kann recht leicht ein trügerischer Eindruck entstehen. Das Gerät ist ungemein hochwertig verarbeitet, lediglich das HTC One M8 kann es derzeit leicht übertrumpfen. Die Rückseite gibt nicht nach oder knarzt, die Ränder sind sehr schmal und die Übergänge zwischen verschiedenen Materialien sind nahezu nahtlos. Nicht nur die Rückseite hat einen leichten “Bauch”, auch das Gorilla Glass 3 an der Front ist an den Rändern etwas abgerundet. Das ist zu Beginn noch etwas gewöhnungsbedürftig, vor allem beim raschen Tippen, fügt sich aber gut in das Gesamtbild ein und sorgt für einen fließenden Übergang zum Rahmen.

Performance

Das schnellste Windows Phone

Besondere Freude kommt vor allem bei der Hardware-Ausstattung des Lumia 930 auf: Full HD-Display, Snapdragon 800 sowie zwei Gigabyte RAM und 32 Gigabyte Speicher. Die Vorgänger waren zwar ebenfalls sehr gut ausgestattet und boten hervorragende Leistung dank des ressourcensparenden Betriebssystems, doch bei den technischen Daten auf dem Papier hinkte man stets der Android-Konkurrenz hinterher. Vor allem das Display ist sehr gut gelungen. Nokia setzt weiterhin auf ein Super AMOLED-Panel, das nun aber fünf Zoll misst und mit Full HD auflöst. Das entspricht einer Pixeldichte von 440 ppi, dank der es zu keinerlei Stufenbildung kommt.

Nokia Lumia 930
Foto: Gregor Gruber
Die Blickwinkelabhängigkeit ist sehr gut, erst bei sehr steilen Winkeln wird der Bildschirminhalt rasch zu dunkel zum Ablesen. Farbverfälschungen treten dabei aber nicht auf. Auch bei der Farbdarstellung gab es keinerlei Kritikpunkte, die Farben waren kräftig und leicht überzeichnet. Ein eindeutiger Farbstich ließ sich aber nicht erkennen. Beim satten Schwarz lässt die AMOLED-Technologie ihre Muskeln spielen, auch die Helligkeit ist mehr als ausreichend für Tageslicht. Bei starkem Sonnenlicht regelt das Smartphone automatisch den Kontrast hoch, wodurch Schrift und Umrisse scharfkantiger, aber auch besser lesbar werden.

Geschwindigkeit war noch nie ein Problem von Windows Phone-Geräten. Selbst Billig-Modelle mit lediglich 512 MB RAM liefen flüssig und ohne Probleme. Dennoch werden Windows Phones gerne mit der Android-Konkurrenz verglichen, die lange Zeit auf dem Papier die besseren Argumente liefern konnte. Bis jetzt, denn im Lumia 930 findet sich nun ein Qualcomm Snapdragon 800 SoC, dessen vier Kerne mit je 2,2 GHz getaktet sind. Lediglich das Phablet Lumia 1520 konnte bisher ähnlich potente Hardware vorweisen. Im direkten Alltagsvergleich macht sich der flottere Prozessor kaum bemerkbar. Lediglich das Fokussieren und Aufnehmen von Fotos war im Vergleich mit dem Einsteiger-Modell Lumia 630 deutlich flotter. Bei der Video-Aufnahme macht das Smartphone leider keinen Gebrauch von der zusätzlichen Performance, diese ist nur in 1080p bei 30 Bildern pro Sekunde möglich.

AnTuTu (Version 0.8): 26251 Punkte
Basemark OS II: 1043 Punkte

Die Leistung kann auch in Benchmarks mit aktuellen Flaggschiff-Modellen mithalten, dank der großen Leistungsreserven muss man sich wohl für die nächsten Jahre keine Sorgen zur Zukunftssicherheit machen. Auch bei voller Auslastung mit den Benchmarks wurde das Smartphone nicht heiß, aber dennoch spürbar warm. Eine derartige Auslastung ließ sich bei anderen Apps aber kaum erreichen, lediglich bei manchen Spielen, beispielsweise FIFA 14. Dabei wurde vor allem der Aluminium-Rahmen etwas wärmer.

Kamera

Die perfekte Urlaubs-Kamera

Im Vergleich zum Vorgänger wurde die Kamera deutlich verbessert. Statt acht Megapixeln nimmt die Kamera mit Zeiss-Optik nun Bilder mit 20 Megapixeln auf. Der Sensor ist ebenfalls gewachsen, statt 1/3” misst er nun 1/2,5”. Die Bilder bestechen durch einen hohen Detailgrad und können durchaus mit den Ergebnissen einer guten Digitalkamera mithalten. Vor allem für den Urlaub ist das Lumia 930 ein sehr guter Ersatz für eine herkömmliche Digitalkamera. Nachtaufnahmen werden durch den Dual-LED-Blitz zwar erleichtert, dennoch neigen die Aufnahmen zu einem leichten Rauschen. Im direkten Vergleich mit anderen Smartphone-Kameras ist das Ergebnis jedoch sehr gut, lediglich dem Lumia 1020 gelingt das noch besser.

Nokia Lumia 930
Foto: Gregor Gruber
Die Kamera-App des Lumia 930 verfügt nun auch über die “Living Images”-Funktion, die bei der Foto-Aufnahme ein einsekündiges Video aufzeichnet. So wird beim Anzeigen das Bild kurz animiert und soll laut Nokia “den Moment zurückbringen”. Die Funktion ist nett, reduziert die Auflösung aber auf Full HD (2,1 Megapixel) und sorgt damit dafür, dass sehr viel Bildinformation verloren geht.

Software und Akku

Wenig unnötige Apps

Das Lumia 930 ist neben dem Lumia 630 erst das zweite Smartphone, das ab Werk mit Windows Phone 8.1 ausgeliefert wird. Die neue Version des mobilen Betriebssystem bringt viele sinnvolle Verbesserungen mit, die futurezone hat es zum Start bereits ausgiebig getestet. Nokia hat im Zuge seines Black-Updates lediglich einige kleine Anpassungen vorgenommen. Ungewöhnlich ist zum Beispiel, dass das Lumia 930 nicht über die Glance-Funktion verfügt. Bei dieser wurden im ausgeschalteten Zustand Uhrzeit und Benachrichtigungen dezent auf dem Bildschirm angezeigt. Bei AMOLED-Panels, wie es auch im Lumia 930 zum Einsatz kommt, verbrauchte das kaum Akkuleistung, da “schwarze Pixel” nicht beleuchtet werden. Laut Nokia ist das Panel des Lumia 930 aber nicht mit der Funktion kompatibel.

Nokia Lumia 930
Foto: Gregor Gruber
Wie bei nahezu allen Nokia-Smartphones finden sich, mit Ausnahme von Vine, Line und Facebook, keine Apps von Dritt-Herstellern auf dem Gerät. Lediglich einige nützliche Nokia-Apps, wie beispielsweise das hervorragende Camera, Creative Studio oder die Refocus-App, mit der der Fokus von Bildern nachträglich verändert werden kann, sind vorinstalliert. Besonders praktisch, vor allem für den Urlaub, sind die Here-Apps, die kostenlose Navigation und Kartenmaterial für die ganze Welt bieten.

Solide Akku-Leistung

Ein 2.420 mAh-Akku ist für ein 5 Zoll-Smartphone durchaus angemessen, die Leistung des Lumia 930 im Test war auch solide. Bei moderater Nutzung (30 Minuten Telefonieren, 120 Minuten Display an, kein Energiesparmodus) hielt der Akku rund eineinhalb Tage durch. Wer sich intensiver mit dem Smartphone beschäftigt, muss sich jedoch auch hier auf tägliches Laden einstellen. Der Energiesparmodus hebt die Laufzeit drastisch an - fast drei Tage wurden im Test erreicht - dafür werden aber auch die Hintergrunddaten eingeschränkt, weswegen es deutlich weniger Benachrichtigungen von Apps gibt.

Die Lautsprecher des Lumia 930 bieten eine gute Sprachqualität, beim Telefonieren war der Gesprächspartner auch in lauteren Umgebungen gut verständlich. Leider können sie bei der Wiedergabe von Musik oder Filmen nicht wirklich überzeugen. Der Klang ist in der höchsten Lautstärkestufe, die für die Wiedergabe im Freien gerade noch ausreicht, recht dumpf. Um sich unterwegs ein kurzes YouTube-Video anzusehen, reicht der Lautsprecher aus, ein kompletter Film verkommt dabei aber zu einer mühsamen Angelegenheit.

Fazit

Gutes Gesamtpaket

“Das Beste zum Schluss” ist im Fall des Lumia 930 nicht wirklich angebracht, denn nach wie vor ist das Lumia 1520 das beste Smartphone in Nokias Portfolio. Dennoch hat es Nokia geschafft, die Hardware des Lumia 1520 in ein kompakteres Format zu verpacken und so sein bislang bestes Modell der 900er-Reihe abzuliefern. Wem die sechs Zoll des Lumia 1520 zu groß sind, hat somit mit dem Lumia 930 eine hervorragende Alternative. Positiv fallen vor allem der sehr gute Bildschirm sowie die gute Verarbeitung auf. Das größte Highlight ist die Kamera. Liebe Entwickler von HTC: So soll eine Smartphone-Kamera aussehen. Lediglich die Akkulaufzeit enttäuschte etwas, im Vergleich mit Android-Smartphones ist die Leistung jedoch solide.

tl;dr: Nokia verpackt die Hardware des Lumia 1520 in ein kompaktes Format, verliert aber Akkulaufzeit

Modell:
Nokia Lumia 930
Display:
5 Zoll AMOLED-Bildschirm - 1920 x 1080 Pixel (16:9, 440 ppi, geschützt von Gorilla Glass 3)
Prozessor:
2,2 GHz Quadcore (Qualcomm Snapdragon 800)
RAM:
2 Gigabyte
Speicher:
32 GB intern, kein microSD-Kartenslot
Betriebssystem:
Windows Phone 8.1
Anschlüsse/Extras:
microUSB, Bluetooth 4.0, WLAN (a/b/g/n/ac)
Akku:
2.420 mAh
Kamera:
20 Megapixel (Rückkamera, Dual-LED-Blitz, optischer Bildstabilisator), 1,2 Megapixel Front
Videos:
Aufnahme in 1080p bei 30 fps möglich (Bildstabilisator)
Maße:
137 x 71 x 9,8 mm, 167 Gramm
Preis:
599 Euro (UVP)

(futurezone) Erstellt am 22.07.2014, 06:00

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