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Test TomTom Bandit: Actioncam-Neuling mit coolen Tricks.

TomTom Bandit
TomTom Bandit - Foto: David Kotrba
Die erste Actioncam von TomTom punktet im Test mit einfacher Bedienung, integriertem Medienserver und schnellem Videoschnitt per App. Im Dunkeln ist die Bandit schwach.

Mit der Bandit hat TomTom im April seine erste Actioncam auf den Markt gebracht. Für das Projekt hat sich der Navi-Spezialist eine Reihe neuer Designmerkmale und Funktionen einfallen lassen, um unter etablierten Mitbewerbern hervorzustechen. Auch 4K-Auflösung beherrscht der Debütant. Die futurezone hat sich die TomTom Bandit genauer angesehen. Unter anderem wurde die Actioncam beim Elektroroller-Fahren, beim Fußballspielen, in einem Planschbecken und im Swimmingpool getestet.

Technik

Die TomTom Bandit sieht aus wie eine kleine, weiße Rolle mit Buckel und ist wie die meisten anderen Actioncams länglich geformt. An der buckeligen Oberseite sitzen der Knopf für den Aufnahmestopp, ein annähernd quadratisches Infodisplay sowie ein Knopf-Quadrat zur Steuerung. An der Rückseite befindet sich der Einschalt-, Aufnahmestart- und Markierungsknopf sowie ein Anschluss für Zusatzgeräte (z.B. Mikrofone) unter einer Gummiabdeckung.

Ein Metallrahmen zur Befestigung kann an zwei Ringen ratschend um das Gehäuse gedreht werden. Das Gestell verwendet einen neuartigen Verschluss, den TomTom entwickelt hat, um die Actioncam möglichst schnell auf entsprechend geformten Adaptern zu befestigen oder sie davon zu lösen.

 

Akkuteil mit USB-Anschluss

Das wohl aufsehenerregendste Merkmal der Bandit. Die Rückseite der Kamera lässt sich aufschrauben und aus dem Gerät wird der so genannte "Batt-Stick" gezogen. Das Teil weist einen USB-3.0-Anschluss auf und beherbergt Akku und microSD-Karte. Weder zum Laden noch zum Dateitransfer soll man dadurch einen zusätzlichen Adapter benötigen.

An der Vorderseite kann die mit einem weiteren Drehverschluss gesicherte Objektivabdeckung ausgetauscht werden. Damit kann die Wasserdichtheit der Kamera etwa von einem Meter (IPX7) auf 50 Meter (IPX8) erweitert werden. Ein zusätzliches Gehäuse soll laut TomTom auf diese Weise obsolet sein.

Im Kamerainneren sitzt ein 16-Megapixel-CCD-Sensor. Dieser schafft 4K-Videos mit 15 Bildern pro Sekunde (fps), Full-HD-Videos mit bis zu 60 fps und 720p-Videos mit bis zu 120 fps. An Bord sind außerdem WLAN-Modul, GPS und Bewegungssensoren. Letztere dienen dem automatischen Markieren von Videoausschnitten.

Praxiserfahrungen

Bei der Bedienung sollte laut TomTom alles klar und eindeutig sein. Ein längerer Druck auf den Aufnahmeknopf, eine Fanfare ertönt und die Kamera ist eingeschalten. Das Display zeigt den momentanen Betriebsmodus. Mit dem Steuerquadrat wählt man Foto, Video, Zeitlupe, Zeitraffer oder Film (4K- und 2,7K-Videos), drückt den Aufnahmeknopf und los geht's mit dem Filmen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Actioncams wird die Aufnahme nicht durch erneutes Drücken des Aufnahmeknopfes gestoppt, sondern durch das Betätigen der Stopp-Taste vorne oben an der Kamera. Laut TomTom soll dies vermeiden, dass man nach mehrmaligen Aufnahmestarts und -stopps nicht mehr weiß, ob gerade aufgezeichnet wird - wenn man die rot leuchtende LED, die jede Kamera besitzt, nicht im Blickfeld hat. In der Praxis erweist sich dieses Konzept als durchaus sinnvoll.

Einfache Bedienung

Durch Drücken des Aufnahmeknopfes während der Aufnahme kann man unterdessen Markierungen setzen, etwa um den Beginn einer besonders spannenden Szene zu melden. Die gesetzten Markierungen dienen der Videobearbeitung mittels App.

Das Navigieren durch die Kamera-Menüs funktioniert einfach und schnell. Das Monochrom-Display ist auch bei Tageslicht gut sichtbar. Neben dem jeweils gewählten Modus werden Akkuladestand und freier Speicherplatz mit kleinen Symbolen ständig angezeigt. Mit wenigen Klicks kann man sich die jeweiligen Werte in Prozent anzeigen lassen.

Bild- und Tonschwächen

Die Aufnahmen mit der TomTom Bandit erwiesen sich als durchaus anständig. Natürliche Farben, guter Ton, zumindest bei Tageslicht. Bei Dunkelheit schneidet die Actioncam schlechter ab. Hier werden die Videos schnell körnig.

Eine kleine Schwäche zeigte sich auch bei hellen und dunklen Bereichen am Bild. Die Bandit behielt etwa oft einen hohen Blendenwert, obwohl der Großteil des Bildes dünklere Bereiche zeigte, die etwas Aufhellung vertragen hätten. Teilweise merkt man auf Aufnahmen auch leichte Verwirrungen des Bildprozessors. Das Bild beginnt manchmal zu flackern, wenn die Kamera die geeignete Blendeneinstellung sucht.

Wird die Kamera in Wasser getaucht, ist der Ton anschließend oft dumpf. Das Mikrofonloch scheint durch Wasser verstopft zu sein. Aufnahmen hören sich erst wieder normal an, wenn die Kamera getrocknet ist.

Dicker Batt-Stick

Das Auslesen der Aufnahmen funktioniert mit der TomTom Bandit erfreulich einfach. Man zieht den Batt-Stick aus dem Gerät und schließt ihn an einen freien USB-Anschluss an. Der Umfang des Batt-Stick macht die Verwendung breiterer USB-Stecker an benachbarten Steckplätzen schwierig, mit einem USB-Verlängerungskabel kann man dieses Problem aber umgehen. Während der Batt-Stick als Wechsellaufwerk erkannt wird, wird der Akku geladen. Vier grün blinkende LEDs zeigen dies an. Nach dem Abziehen vom USB-Anschluss kann man mit einem Druck auf den Einschaltknopf anhand der LEDs auch den Ladestand kontrollieren.

 

App

Eines der Highlights an der TomTom Bandit soll die Bedienung mittels App darstellen. Die Kamera erzeugt einen WLAN-Hotspot und wird so mit Mobilgeräten verbunden. Neben üblichen Funktionen wie Live-Sucherbild, einer Aufnahmengalerie oder der ferngesteuerten Änderung von Einstellungen bietet die App eine Schnelleditierfunktion. Das Mobilgerät wird dabei geschüttelt und die App schneidet in wenigen Sekunden ein kurzes Video aus allen Aufnahmen zusammen.

Dabei werden vor allem Szenen gewählt, die mit manuellen oder automatischen Markierungen versehen wurden. Symbole auf den verwendeten Videoausschnitten zeigen jeweils an, wie die Markierung zustande kam. Starke Beschleunigungen, Kameraschwenks oder Erschütterungen werden automatisch berücksichtigt. Dazu kommen die mittels Aufnahmeknopf erstellten Markierungen. Einzelne Szenen lassen sich leicht entfernen oder Hinzufügen.

Die Aufnahmen müssen zum Editieren nicht erst auf das Mobilgerät übertragen werden. Möglich wird dies durch einen integrierten Medienserver in der Kamera. Gefällt einem der Zusammenschnitt, kann das Video sofort über Social Media geteilt werden. Auf der Speicherkarte wird das Video nicht gespeichert, man kann es also nicht gemeinsam mit den restlichen Foto- und Videodateien von der microSD-Karte ziehen.

Adapter-Überdruss

Bei der Montage zeigt die Bandit Stärken und Schwächen. Der neuartige Verschluss ist tatsächlich sehr einfach zu bedienen und hält die Kamera fest an ihrem Ort, allerdings sind dafür klarerweise neue Adapter notwendig. Der Hersteller hat hier bereits mit Überdruss gerechnet. Im Basispaket ist bereits ein Adapter für GoPro-Halterungen inkludiert. In der Praxis empfiehlt sich die Bandit eher an Sportgeräten als am Körper bzw. Helmen zu befestigen. Das Gewicht der Kamera ist mit 190 Gramm doch etwas happig.

Fazit und Preis

Mit der Bandit ist TomTom ein gelungener Einstand im Actioncam-Segment geglückt. Die Actioncam überzeugt vor allem durch logische, einfache und schnelle Bedienung. Dazu kommen einige innovative Merkmale, wie der drehbare Befestigungsrahmen, die Trennung der Knöpfe für Aufnahmebeginn und Aufnahmestopp, sowie der Batt-Stick mit integriertem USB-Anschluss.

Auch die Steuerung mittels App funktioniert hervorragend. Die Schnelleditierfunktion ist ein praktischer Bonus für all jene, die es kaum erwarten können, dass ihre akrobatischen Leistungen im Internet mit Likes und Shares belohnt werden. Das Weglassen einer eigenen Plastikumhüllung für Tauchgänge erleichtert das Umrüsten der Kamera, allerdings ergeben sich beim Übergang vom Nassen ins Trockene oft Tonprobleme.

Die Bandit-Bildaufnahmen sind bei Tageslicht sehr gut. Schwächen zeigen sich beim Hell-Dunkel-Wechsel und bei Nachtaufnahmen. Die 4K-Option ist mit nur 15 fps kaum für Actionaufnahmen zu gebrauchen. Montieren lässt sich die Kamera idealerweise auf Sportgeräten, etwa Fahrradrahmen. Für das Tragen am Helm ist die Bandit etwas zu schwer.

Im Basispaket (Base Pack) inklusive Kamera, zwei Klebehalterungen, einem GoPro-Adapter und IPX7-Linsenabdeckung kommt die TomTom Bandit auf 429 Euro. Das Premium Pack um 499 Euro inkludiert dazu eine IPX8-Linsenabdeckung (für Tauchgänge bis 50 Meter), eine Lenkerbefestigung und eine Fernbedienung. Mit ihrem Preis befindet sich die Bandit in jener Actioncam-Oberklassen-Gesellschaft, in der auch die GoPro Hero 4 Black, die Sony X1000V oder die Panasonic HX-A500 residieren.

(futurezone) Erstellt am 23.08.2015, 06:00

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