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User Interface TU entwickelt Computer für Senioren.

Foto: TU Wien
Das Zentrum für Angewandte Assistierende Technologien der TU Wien entwickelt Technologie, die Generationen einander näherbringen soll. Ein spezielles Computersystem mit Touchscreen, das auf die Bedürfnisse von Senioren eingeht, soll das Internet auch für ältere Menschen bedienbar machen.

Für viele Menschen ist der Computer heute das wichtigste Fenster zur Welt, eine Quelle für Nachrichten, eine direkte Verbindung zu Freunden und Verwandten. Doch so sehr moderne Kommunikationstechnik Menschen verbinden kann – Menschen ohne Zugang zu solcher Technik bleiben umso mehr vom Rest der Welt getrennt. Eine „digitale Kluft" tut sich auf, zwischen täglichen Internetusern und Leuten, die sich mit dem Computer noch nie so richtig angefreundet haben.

Das muss allerdings nicht sein. Am Zentrum für Angewandte Assistierende Technologien (AAT) der TU Wien hat man sich zum Ziel gesetzt, ältere Menschen ohne Computerkenntnisse an diesen Möglichkeiten teilhaben zu lassen und diese digitale Kluft zu überwinden. Aus dieser Idee entstand ein ganz simples Computersystem mit Touchscreen, das sich auf individuelle Bedürfnisse einstellen lässt.

"Internetzugang in Nussbaum oder Mahagoni?"
Es sieht nicht aus wie ein gewöhnlicher Computer mit Bildschirm, Maus und Tastatur, stattdessen wird es – verziert durch einen hölzernen Rahmen – zum dekorativen Einrichtungsgegenstand. Das Gerät soll kein Fremdkörper sein, es soll sich in einen Wohnraum genauso individuell passend einfügen wie ins tägliche Leben der Personen, die es benutzen. Ein Schieber kann vor die Videokamera geschoben werden und gibt damit sichere und sichtbare Kontrolle, ob das eigene Bild übertragen wird oder nicht – niemand muss sich also von der Videokamera „beobachtet" fühlen.

Telefonieren einfacher
Um einen der eingespeicherten Telefonkontakte anzurufen, muss keine Nummer eingetippt werden – ein Fingerdruck auf das Foto der Person am Bildschirm genügt. Um andere Personen zu erreichen gibt es eine freie Nummerneingabe, bei der eine einfache Korrekturmöglichkeit und unbegrenzt viel Zeit zur Verfügung steht.

Die Videofunktion, die bei Telefongesprächen optional verwendet werden kann, erweist sich speziell im Pflegebereich als nützlich. Bei einem informellen Telefongespräch kann so die aktuelle Situation des Gesprächspartners oder der Gesprächspartnerin besser eingeschätzt werden.

Blick in die Weiten des Internet
Das Gerät kann Informationen darstellen, die in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden – zum Beispiel aktuelle Kurznachrichten (über RSS-Feeds). So wird man dazu angeregt, das aktuelle Tagesgeschehen zu verfolgen, auch wenn das Lesen gedruckter Zeitungen vielleicht schon etwas zu mühsam geworden ist. Die voreingestellten (und individuell anpassbaren) Webseiten erlauben den Zugang zu wichtigen Informationen (zum Beispiel Wetter, TV Programm, Zeitung). So öffnet sich ein Tor zum Internet – wer dabei auf den Geschmack kommt, kann sich nach Belieben auf die Reise zu weiteren Webseiten begeben.

Gute Erfahrungen bei Testversuchen
Das Kommunikationsgerät wurde bereits in mehreren Forschungsprojekten erfolgreich erprobt. Durch die Integration von weitverbreiteter Videotelefonie können über die Generationen hinweg Brücken geschlagen werden. Die digitale Kluft wird geschlossen – ohne dass Schwellenangst beim Eintritt in eine unbekannte, komplizierte Online-Welt auftritt.

Das Gerät erweist sich als nützliches Werkzeug um bestehende soziale Kontakte zu unterstützen, aufrechtzuerhalten und neue Kontakte aufzubauen. Die große Darstellung am Bildschirm erlaubt die Verwendung des Gerätes auch dann, wenn man die Lesebrille mal verlegt hat.

Die TU Wien forscht weiter
Das Kommunikations- und Informationsgerät wird in laufenden Forschungsprojekten ständig weiterentwickelt, z.B. als Teil eines Systems für sicheres Leben zu Hause, als Komponente eines Systems zur Förderung des physischen und kognitiven Trainings, oder unter Einbindung eines speziellen Hilfs-Roboters.

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(futurezone) Erstellt am 06.02.2013, 12:30

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