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ZTE: LTE-Ausbau kostet Mobilfunkern 3,5 Milliarden Euro

Mit den um zwei Milliarden Euro ersteigerten Lizenzen kostet der Netzausbau somit rund 3,5 Milliarden Euro, rechnete der Vertriebschef von ZTE-Österreich, Alexander Schuster, vor. Allein für den Basisausbau müsste jeder der drei Anbieter demnächst 40 bis 50 Millionen Euro investieren. In ein, zwei Jahren wird dann nochmals so viel Geld fällig, erklärte Schuster.

Bis 2020 würden die Mobilfunker - ohne die Lizenzen - zusammen 500 Millionen Euro in die Hand nehmen müssen. Dazu kämen noch die laufenden Kosten für den Weiterbetrieb von 2G (GSM) und 3G (UMTS). Nach dem Endausbau zu „LTE-Advanced“ - jenem Mobilfunkstandard, der Übertragungsgeschwindigkeit von 600 bis 800 Mbit pro Sekunde ermöglichen soll - dürften unterm Strich die von Schuster genannten 1,5 Milliarden Euro stehen.

Frequenzauktion „nicht intelligent“

Allerdings: Die teure Frequenzauktion sei „nicht intelligent“ gewesen. „Das Geld fehlt jetzt für den Ausbau“, so Schuster am Donnerstagabend vor Journalisten in Wien. Er sieht sogar die Gefahr, dass sich die Mobilfunker durch die Versteigerung überschuldet haben und schlussendlich von den drei Konkurrenten nur noch zwei übrig bleiben. „Ich würde das zwar vielleicht nicht so hart ausdrücken, aber es wäre schon möglich, dass einer seine Kredite nicht mehr tilgen kann“, sagte Schuster.

Ihm zufolge rückt die Branche nicht nur in Österreich zusammen, er sieht auch europaweit eine Konsolidierungswelle. In Österreich gehören „3“ und Telekom Austria (TA) zu den wichtigsten Kunden des milliardenschwere teilstaatlichen Telekom-Konzerns aus China.

Fehlende Visionen

Laut Schuster fehlt es hierzulande an einer Vision für die Telekom-Infrastruktur. „Die Frage ist, was kommt nach LTE“, erklärte er. Man müsse sich fragen, ob es nicht noch schneller gehe. Immerhin hätte sich das Datenaufkommen vom Handy zum Smartphone verfünfzigfacht. Er forderte - so wie zahlreiche Branchenkollegen vor ihm - die Bundesregierung auf, die von Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) versprochene Milliarde Euro tatsächlich in den Breitbandausbau zu investieren. Auf die Frage, ob er die zugesagte Milliarde für realistisch halte, antwortete Schuster: „Da lass' ich mich überraschen.“

Zuletzt wickelte ZTE unter anderem die Netzzusammenlegung von „3“ und Orange ab. „3“, die heimische Tochter des Hongkonger Mischkonzerns Hutchison Whampoa, steuert knapp die Hälfte des ZTE-Umsatzes in Österreich bei, 40 Prozent liefert die Telekom. Auch mit T-Mobile hat ZTE Geschäftsbeziehungen, wenn auch in einem deutlich geringeren Ausmaß, so Schuster.

Den eigenen Angaben zufolge schrieb ZTE Österreich als Osteuropa-Zentrale 2013 bei einer Gewinnspanne von 10 Prozent einen Umsatz von 117 Millionen Euro - ein Plus von 36 Prozent gegenüber den erlösten 86 Mio. Euro von 2012. Im Jahr 2011 waren es gar nur rund 40 Millionen Euro. Für heuer peilt Schuster ein Wachstum von 33 Prozent an. Zum Vergleich: 2010 hat ZTE in Österreich mit zwei Leuten begonnen, heute sind es 89 Mitarbeiter. Von Österreich aus werden osteuropäische Länder wie Kroatien, Serbien oder Weißrussland gesteuert. ZTE ist vor allem in jenen CEE-Märkten aktiv, in denen auch die TA vertreten ist.

Smartphones und Smart Meter

Schuster betonte, dass 50 Prozent der Wertschöpfung lokal stattfinde, der Rest komme aus China. Ähnlich sei es beim Personal, wobei die Verwaltung vor allem mit österreichischen Mitarbeitern besetzt sei und in der Technik chinesische Spezialisten entsendet würden. Weltweit hat ZTE rund 75.000 Mitarbeiter. Einer der größten Konkurrenten ist der ebenfalls aus China stammende IT-Riese Huawei, der so wie ZTE einerseits Technik für die Telekombranche liefert und andererseits eigene Smartphones anbietet. In Österreich fristet ZTE mit eigenen Handys ein Nischendasein.

Das soll sich in den nächsten Jahren aber ändern. Man habe derzeit einige Pfeile im Köcher. Details will ZTE am Mobile World Congress in Barcelona nächste Woche verraten, so Schuster. Hauptproblem in Österreich sei derzeit die massive Marktdominanz von Samsung und Apple. Einen zweistelligen Millionen-Euro-Umsatz-Betrag erhofft sich ZTE in den nächsten Jahren auch von den neuen digitalen Stromzählern, „Smart Meter“ genannt. ZTE sei da mit Stromnetzbetreibern in Ostösterreich in Gesprächen.

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