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Bankomatkarte am Handy kommt: Mobilfunker mit an Bord

Wie die futurezone bereits vorab berichtete, können Smartphone-User in Kürze ihre Bankomatkarte auf ihrem Android-Gerät hinterlegen und bei NFC-fähigen Bankomatkassen in Geschäfte damit bezahlen. Am Montag erfolgte in Linz der Startschuss zu einem Feldtest, ab Oktober wird die Lösung österreichweit verfügbar sein. Wer die Bankomatkarte am Handy nutzen will, muss das nicht nur bei seiner Bank anmelden, sondern bekommt auch eine neue SIM-Karte, die mit NFC und einem Sicherheitselement ausgestattet ist.

Mehr als 30.000 NFC-Terminals

Zum Auftakt der "Bankomatkarte mobil", wie das neue Service heißt, sind die Bank Austria, Bawag P.S.K., Hypo OÖ, Oberbank AG, Raiffeisen Landesbank OÖ, die VKB Bank und die Sparkasse Oberösterreich mit an Bord. Darüber hinaus wurden die Geschäfte im Einkaufszentrum Passage Linz und dem Linzer City Ring für die Handy-Bezahllösung fit gemacht. In Zukunft kann die mobile Bankomatkarte aber auch im Ausland bei NFC-fähigen Bankomatterminals zum Zahlen verwendet werden. Allein in Österreich gibt es mittlerweile mehr als 30.000 NFC-fähige Zahlungsterminals.

Um die Lösung so sicher wie herkömmliche Bankomatkarten zu gestalten, kooperiert der Betreiber PSA Payment Servcies Austria bei der Infrastruktur mit dem Technologieanbieter RISE, der aus dem TU-Wien-Umfeld entstanden ist. Die Informationen, die sonst auf dem Chip der Bankomatkarte gespeichert sind, werden auf einer SIM-Karte in einem hochsicheren Element abgelegt. Dazu muss die bestehende SIM-Karte bei einem der großen Betreiber - A1, T-Mobile oder Drei - getauscht werden.

Ab Android 4.1

Die Nutzung der mobilen Bankomatkarte ist nur mit einem neueren NFC-fähigen Smartphone ab Android, Version 4.1 möglich. Die von den Banken bereitgestellte App, über welche auch die Zahlung erfolgt, prüft das Smartphone auf seine Tauglichkeit. Wie PSA-Chef Rainer Schamberger gegenüber der futurezone versicherte, haben die Mobilfunker keinerlei Einsicht in das Einkaufsverhalten der User. Da Apple seine NFC-Schnittstelle derzeit nicht freigibt, bleibt die Lösung Android-Smartphones vorbehalten.

Was den Bezahlvorgang betrifft, läuft dieser praktisch gleich wie mit der Plastikkarte ab. Statt die Karte zu zücken, muss man lediglich die App aufrufen. Beträge unter 25 Euro werden ohne PIN abgebucht, darüber muss der PIN für die mobile Karte eingegeben werden. Kunden haben die Möglichkeit, den selben PIN wie für die bestehende Bankomatkarte zu nehmen oder einen anderen für die Smartphone-Lösung zu wählen. Die App kann zusätzlich mit einem weiteren vierstelligen Code abgesichert werden. Wer ganz sicher gehen will, kann einstellen, dass dieser bei jedem Bezahlvorgang eingegeben werden muss.

Bargeldloses Bezahlen

Die Betreiber sowie die Banken hoffen, mit der Handy-Lösung noch mehr Menschen zum bargeldlosen Bezahlen zu bewegen. Im Handel weist man auf den Nebeneffekt hin, dass der Bezahlvorgang per NFC wesentlich beschleunigt wird und so auch Warteschlangen an Kassen kürzer werden. Im vergangenen Jahr wurden 390 Millionen Euro per NFC-Bankomatkarten bezahlt, Tendenz stark steigend. Allein im Mai 2015 betrug das NFC-Bezahlvolumen bei 2,5 Millionen Transaktionen 50,7 Millionen Euro.

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Martin Jan Stepanek

martinjan

Technologieverliebt. Wissenschaftsverliebt. Alte-Musik-Sänger im Vienna Vocal Consort. Mag gute Serien. Und Wien.

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