Apps 05.04.2018

Facebook gesteht, dass es Messenger-Nachrichten mitliest

© Bild: AP / Jenny Kane

Facebook gibt zu, dass sie über den Messenger verschickte Inhalte vor dem Verschicken automatisch überprüfen.

Facebook scannt Fotos und Links, die über den Messenger verschickt werden. Zudem werden Nachrichten gelesen, die gemeldet wurden. Das bestätigte das soziale Netzwerk gegenüber Bloomberg. Die Vorgehensweise von Facebook wurde bekannt, nachdem Gründer Mark Zuckerberg in einem Interview mit dem US-Journalisten Ezra Klein Andeutungen gemacht hat. Dabei erzählte Zuckerberg, dass das System erkannt habe, wie Nutzer fragwürdige Informationen über die „ethnische Säuberung“ in Myanmar verbreiten wollten. Das wurde automatisiert unterbunden.

„Bei solchen Fällen erkennt unser System, was passiert. Wir halten diese Nachrichten auf, bevor sie durchgehen“, sagte Zuckerberg. Eine Sprecherin beschrieb etwas stärker im Detail, wie dieses System funktioniert. „Wenn zum Beispiel ein Foto über den Messenger verschickt wird, scannen es unsere automatisierten Systeme und versuchen Kinderpornografie zu erkennen. Wenn man einen Link verschickt, scannen wir ihn auf Malware und Viren. Facebook hat diese automatisierten Tools entwickelt, um schadhaftes Verhalten auf der Plattform zu verhindern.“ Für Werbezwecke werden die erhobenen Daten jedoch nicht herangezogen, verspricht Facebook.

Kritik von Datenschützern

Der Facebook Messenger geriet immer wieder unter Kritik. So behauptete bereits im Vorjahr ein Reddit-Nutzer, Facebook lese bei Links mit. Das fiel auf, als er einen Link zu einem Google-Dokument verschicken wollte, Facebook dies aber verweigerte. Plötzlich waren jedoch anonyme Nutzer im Dokument, obwohl keine andere Person den Link besaß. Facebook beharrt jedoch darauf, dass der Prüfprozess vollkommen automatisiert stattfindet, Menschen können die Inhalte dabei nicht sehen. Datenschützer kritisieren zudem, dass fast jeder Aspekt der App-Nutzung aufgezeichnet und an Facebook übermittelt wird.

Der Inhalt von Facebook-Konversationen lässt sich zwar verschlüsseln, allerdings nur in sogenannten „Secret Conversations“, die zudem manuell aktiviert werden müssen. Hier zeigt sich der ebenfalls von Facebook entwickelte Messenger WhatsApp von einer etwas besseren Seite: Konversationen werden stets mit dem Signal-Protokoll Ende-zu-Ende-verschlüsselt.
 

( futurezone ) Erstellt am 05.04.2018