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12.11.2014

Runtastic bereitet sich auf die Apple Watch vor

100 Millionen Mal wurde Runtastic heruntergeladen. Im Interview spricht CEO Florian Gschwandtner über künftige Projekte und warum man vor dem Scheitern keine Angst haben sollte.

Runtastic ist nicht nur die erfolgreichste Fitness- und Gesundheits-App der Welt - „made in Austria“ -, sondern das Unternehmen aus Oberösterreich ist eines der Start-up-Aushängeschilder des Landes. Auf die Apple Watch bereitet sich Runtastic bereits intensiv vor, kürzlich hatte CEO Florian Gschwandtner ein längeres Gespräch mit einem hohen Apple-Manager. Im November wir das SDK für die Apple Watch veröffentlicht, dann können Entwickler auf der ganzen Welt für die smarte Uhr Apps entwickeln oder adaptieren. Runtastic führt auch Experimente durch, so wurden Visitenkarten entwickelt, die eine 3D-Animation auslösen, sobald man die Visitenkarte mit der Smartphone-Kamera ins Visier nimmt. Auch mit der VR-Brille Oculus Rift werden Möglichkeiten ausprobiert.

Der Parade-CEO

Gschwandtner, Mitgründer und Firmenchef, ist das Paradebeispiel eines CEOs – er ist nicht nur zu hundert Prozent überzeugt von dem, was er tut, er lebt sein Produkt auch. Gschwandtner ist das lebende Beispiel für seine Produkte, vor allem seiner Runtastic-App „Sixpack“ – wer mit ihm auf Facebook befreundet ist, kennt die Fotos, die ihn regelmäßig beim Training zeigen.

Ins kalte Wasser

Fünf Jahre ist Runtastic nun alt. „Wir sind damals mit einer Idee, viel Naivität aber auch viel Ehrgeiz ins kalte Wasser gesprungen“, erzählt er im futurezone-Interview. „Damals gab es glaub ich das Wort Start-up gar nicht. Wir hatten uns nie vorstellen können, dass einmal so etwas Großes daraus wird.“ Denn Start-up ist Runtastic schon lange keines mehr, mittlerweile arbeiten bei der Paschinger Firma 100 Mitarbeiter aus 20 Nationen. Und ein 100-Mitarbeiter-Unternehmen ist anders zu leiten als ein Start-up, die Struktur sei eine andere, es sei mehr Organisation notwendig - „vom Denken her will ich ein Start-up bleiben, vom Umsatz her aber ein gut florierendes Unternehmen.“ Geändert habe er sich ob des Erfolges nicht. Er wohnt in einer 74-m2-Mietwohnung und verbringt viel Zeit auf dem Bauernhof seiner Eltern in Strengberg. „Und ich bin nach wie vor mit jenen Freunden unterwegs, mit denen ich auch vor zehn Jahren unterwegs war.“ Es sind viele Leute aus der Arbeit gute Freunde geworden.

Es gibt keine vier Alphas

Das Gründungs- und Management-Team ist nach wie vor ident mit jenem aus 2009. „Wir haben Vieles autodidaktisch gelernt, aber entweder hat man Management-Kompetenz oder man hat sie nicht“, sagt Gschwandtner. „Bei Runtastic ist es gut, dass es nicht vier Alphas gibt.“ Er und seine Mitgründer seien volles Risiko gegangen. „Jeder von uns hat 100 Prozent des Geldes in Runtastic investiert“, erzählt der Runtastic-Gründer. „Wir hatten nie den großen Einbruch, das war unser Glück. Andere fallen mehrmals. Aber man muss aufstehen, wenn man scheitert, denn aus dem Scheitern lernt man.“

Begehrter Speaker

Florian Gschwandtner ist begehrt, im Schnitt erhält er pro Woche zehn Anfragen für Vorträge, Podiumsdiskussionen oder Keynotes – „90 Prozent davon lehne ich strikt ab, aber ich bin natürlich froh, dass wir ein Erfolgsbeispiel sind.“ Und Vorbild für andere Start-ups. Das Gründerteam sei das wichtigste und die Basis zum Erfolg. Ein technischer Co-Gründer ist ein „must have“ und es reiche nicht, nur eine Idee zu haben, man müsse sich auch exekutieren können, „und das ist das Schwierigste“. Und eines habe auch er lernen müssen: „Als Start-up muss man groß Denken, international Denken und das heißt europa- und weltweit Denken. In der digitalen Welt gibt es nämlich keine Grenzen.“

Noch viel vor

Mit Runtastic habe er noch lange nicht das Ziel erreicht. „Wir befinden uns mitten in einer Reise“, so Gschwandtner, der im Vorjahr 50,1 Prozent seines Unternehmens an den Axel Springer Verlag verkauft hat. Dass er zu früh verkauft hat und über kurz oder lang einer der großen US-Konzerne wie Google, Facebook oder Apple zugeschlagen hätte, glaubt Gschwandtner nicht. Google und Apple haben ihre eigenen Gesundheits- und Fitness-Apps in ihren Geräten, „das kann man als Risiko oder auch als Chance sehen“, so Gschwandtner. „Wenn die großen jetzt einsteigen bedeutet das, dass wir vor fünf Jahren wohl was richtig gemacht haben.“ Jetzt ist er drauf und dran, Runtastic noch stärker als Marke zu positionieren und ein riesiges Ökosystem aufbauen. Hardware, wie Uhren, Herzfrequenzmesser oder Fitness-Bänder gibt es bereits. Nun will man das Runtastic-Reich mit noch mehr Apps und weiteren Kooperationen vergrößern.