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B2B
04/24/2019

737 Max wird für Boeing zum Milliardengrab

Nach den Flugzeugabstürzen hat Boeing nun erstmals Zahlen präsentiert. Das jetzt präsentierte Minus ist aber nur der Anfang.

Das Desaster um den Flugzeugtyp 737 Max von Boeing wird zur milliardenschweren Belastungsprobe für den US-Flugzeugbauer. Die mittelfristigen Folgen sind noch gar nicht abschätzbar, wie Boeing am Mittwoch zugeben musste. Aktuell präsentierte Zahlen zeichnen allerdings ein düsteres Bild. So brach der Gewinn brach im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar ein.

Schon eine Milliarde Dollar Kosten

Der Konzern bezifferte die Kosten durch die 737-Max-Krise für das abgelaufene Quartal auf über eine Milliarde Dollar. Der Umsatz sank um zwei Prozent auf 22,9 Milliarden Dollar. Damit fielen die Ergebnisse insgesamt zwar schlechter als an der Wall Street erwartet aus. Dennoch reagierten Anleger zunächst gelassen, was auch am Ausbleiben weiterer Hiobsbotschaften und Beteuerungen von Boeing-Chef Dennis Muilenburgs zu Fortschritten bei der Wiederzulassung der 737-Max-Flieger gelegen haben dürfte.

Für Boeings Geschäft ist die 737-Max-Baureihe von enormer Bedeutung. Laut Analysten der Berenberg Bank steuerte die Serie bisher knapp ein Drittel zum Umsatz und einen Großteil des Gewinns bei. Boeing hat zuletzt keine neuen Aufträge für die Maschinen erhalten, sitzt aber nach wie vor auf Tausenden Bestellungen - bislang halten sich die Airlines mit Stornierungen zurück.

Das ist aber weniger ein Vertrauensbeweis als dem Markt an kleineren Passagierflugzeuge geschuldet. Der bietet außer dem Konkurrenzmodell A320neo von Airbus - das auf Jahre ausgebucht ist - kaum Alternativen. Je länger sich die Flugverbote hinziehen, desto stärker gerät der Hersteller gegenüber Kunden in Verzug, was zu Regressforderungen führen kann. Zudem ist es bereits ein logistischer Kraftakt, die vielen Maschinen zu lagern.

Hohe Schadenersatzforderungen

Brisanter als diese operativen Probleme könnte aber Boeings Rolle bei den Abstürzen sein. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass eine hausgemachte fehlerhafte Software der entscheidende Faktor bei den Unglücken war, so würde Boeing eine viel weitreichendere Haftung mit deutlich höherem Schadenersatz drohen. Zudem muss Boeing die staatlichen Strafverfolger fürchten. Der Konzern wird verdächtigt, bei der 737-Max-Zulassung Informationen unterschlagen zu haben, was die Angelegenheit zum Kriminalfall machen könnte.