B2B
11.09.2013

Bezahlschranke für Bild hat keine Leser verschreckt

Laut dem Springer-Chef Mathias Döpfner wird die Internetseite genau so oft besucht wie vor der Einführung des Bezahlmodells.

Die eingeschränkte Bezahlschranke für Online-Inhalte der deutschen „Bild“-Zeitung hat Springer-Chef Mathias Döpfner zufolge keine Leser verschreckt. Erste Erhebungen zeigten, dass die Internetseite entgegen aller Befürchtungen genauso häufig besucht werde, wie vor Einführung des Bezahlmodells, sagte Döpfner am Dienstagabend in Hamburg. Seit Mitte Juni müssen Leser für einen Teil der Online-Artikel bezahlen.

Wie viele bereits ein Abonnement abgeschlossen haben, wollte der Chef des Berliner Verlagshauses nicht sagen. Er betonte lediglich, die Entwicklung sei „sehr positiv“. Noch vor der „Bild“ - nämlich bereits Ende des vergangenen Jahres - hatte Springer die Tageszeitung „Die Welt“ online kostenpflichtig gemacht. Rund ein halbes Jahr später zählte das Blatt fast 50.000 Abonnenten im Netz.

Angesichts rückläufiger Printauflagen und damit auch sinkender Werbeeinnahmen sagen immer mehr Medienkonzerne der Kostenlos-Kultur im Netz den Kampf an. Internationales Vorbild ist die „New York Times“: Die Zeitung und ihre internationale Ausgabe zählten im zweiten Quartal knapp 700.000 digitale Abonnenten.

Springer, wie nun auch der kriselnde Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, verlagert seit Jahren sein Geschäft immer stärker ins Netz. Strategie ist es dabei, mit mehreren Standbeinen zu punkten. Zum Konzern gehören Anzeigen-Portale wie Immonet, Seloger und Stepstone genauso wie Online-Vermarktungsdienste wie Zanox und eben der Printbereich.

Dieser Sektor schrumpft allerdings empfindlich mit dem Verkauf eines Großteils der Zeitungen und Magazine wie „Hamburger Abendblatt“, „Berliner Morgenpost“ und „Hörzu“, der zum Jahreswechsel erfolgen soll. Dies spült viel Geld in die Kassen des MDax-Konzerns.
Lange galt Springer auch deswegen als Favorit im Bieterrennen um die Scout24-Gruppe der Deutschen Telekom. Doch vergangene Woche stiegen die Berliner aus dem Rennen aus, weil sie offenbar den derzeit verhandelten Preis als zu hoch bewerten. Döpfner betonte nun, trotzdem keine Eile bei Übernahmen zu haben.