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Big Data
09/19/2016

Neue Geschäftsmodelle und Todesfälle in "Game of Thrones"

Die Datenanalysefirma Teradata zeigt auf ihrer Hausmesse in Atlanta, wie sich Unternehmen mit Daten neu erfinden. Auch Todesfälle in Games of Thrones werden prognostiziert.

von Patrick Dax

"Data changes everything" ("Daten verändern alles") ist im Georgia World Congress Center in Atlanta allerorten zu lesen. Teradata, ein Anbieter von Datenbank- und Datenanalyselösungen veranstaltet hier seine jährliche Partners Konferenz. Rund 3000 Besuchern aus aller Welt wird demonstriert, wie Daten Unternehmen und ihre Geschäftsmodelle verändern. Globale Konzerne wie der Online-Händler eBay, das Logistikunternehmen DHL und der Getränkekonzern Coca Cola, dessen Hauptquartier sich in Atlanta befindet, geben auf der Konferenz Einblick, wie sie sich Daten zunutze machen.

Coca Cola habe ein Datenanalysetool entwickelt, in dem Daten aus lokalen Märkten gesammelt und analysiert werden, erzählt Roy Beckelhymer, der für das globale Geschäft bei dem in Atlanta ansässigen Getränkekonzern zuständig ist. Eineinhalb Tage lang würden lokale Verkaufsteams weltweit auf das Tool, das Daten der gesamten Branche nutzt, eingeschult. Prognosen für Lieferengpässe werden damit ebenso errechnet, wie Empfehlungen zur Preisgestaltung. Demnächst will Coca Cola die Scan D genannte Anlayseplattform auch in China zum Einsatz bringen. Dort sind die Wachstumschancen noch groß. In Ägypten zeigte die Strategie bereits Erfolge, erzählt Beckelhymer: "Wir wurden Marktführer, Ägypten war ein Pepsi-Land."

Social-Media-Analyse und Mobilfunkdaten

"Daten sind nur Daten. Bis man sie analysiert und mit einem Geschäftsproblem in Verbindung bringt", sagt Randy Lea, der bei Teradata für das Consulting-Geschäft zuständig ist. Um Kunden zu verstehen, genüge es nicht mehr über ihr Kaufverhalten zu kennen, man müsse auch über ihre Aktivitäten auf den unterschiedlichen Kanälen vom Mobiltelefon bis zu Social Media Bescheid wissen.

Auf Basis von Internet-Nutzungsdaten und der Textanalyse von Postings in Online-Communities könne etwa prognostiziert werden, wer sich bald mit dem Call Center in Verbindung setzen werde. Dort könnten den Kunden dann ihren Wünschen entsprechende Angebote gemacht werden. Die Echtzeitanalyse von Social-Media-Daten ermögliche es auch, direkt mit Kunden über Messaging-Dienste Kontakt aufzunehmen.

40 PS mehr für den Urlaub

Unternehmen machen sich zunehmend auch Daten von vernetzten Dingen zunutze. Mit Sensordaten lasse sich etwa prognostizieren, wann Teile von Maschinen ausgetauscht werden müssten. So könnten etwa Zugausfälle oder Verspätungen verhindert werden, sagt Oliver Ratzesberger. Der gebürtige Österreicher verantwortet die technischen Lösungen von Teradata. Hersteller von Zügen, würden schon bald nicht mehr Wagons und Triebwägen sondern den reibungslosen und pünktlichen Transport von Passagieren verkaufen, sagt Ratzesberger. "Dazu müssen sie in der Lage sein, Daten zu verstehen."

Auch der Automobilbranche tun sich mit der Datenanalyse neue Möglichkeiten auf, sagt Ratzesberger: "Heute ist jedes Auto ein vernetztes Gerät." Hersteller könnten sehen, welche Funktionen der IT von Autos von ihren Kunden genutzt werden und welche nicht, so könnten Hilfestellungen gegeben und Produkte verbessert werden. Künftig sei es auch denkbar, dass man für sein Auto 40 PS mehr für den Urlaub buche: "Einfach über das Amaturenbrett."

Globaler Trend

"Daten sind heute ein integrativer Bestandteil des Geschäftes", sagt Martha Bennett, Analystin bei Forrester. Dies sei Teil eines globalen Trends. Unternehmen würden nicht mehr Produkte, sondern Dienstleistungen oder Ergebnisse verkaufen: "Das Produkt ist nicht mehr die Maschine zur Straßenreinigung sondern die saubere Straße." Daten würden die Art und Weise wie Unternehmen funktionieren verändern, warnt die Analystin. Wer nicht bereits sei, seine Prozesse zu ändern, könnte unter die Räder kommen.

"Daten kommen von überall her", sagt die auf das Internet der Dinge spezialisierte Datenanalystin Cheryl Wiebe. Mit Sensordaten, die etwa an Straßenlaternen angebracht werden, ließen sich Verkehrsströme messen und Ursachen für Staus feststellen. Sensoren an Strommastern würden es ermöglichen, Muster bei Störungen zu erkennen und vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Die Digitalisierung bringe die traditionellen Daten von Firmen mit Verhaltensdaten von Kunden und Sensordaten zusammen, sagt Ratzesberger. Bei großen Unternehmen gehe es dabei um Daten von hunderten Millionen Kunden und Billionen an Sensordaten.

Um die Datenmengen für sich zu nutzen, müssten die Daten zusammengeführt und Silos aufgebrochen werden, sagt Teradata-Manager Ratzesberger. Auf seiner Partners-Konferenz präsentierte Teradata unter anderem Lösungen, die über verschiedene Cloud-Systeme hinweg Analysewerkzeuge zur Verfügung stellen. In Europa bietet der Konzern nun auch Managed-Cloud-Lösungen an, die in Datenzentren in Deutschland gehostet werden.

Keine "Gelddruckmaschine"

"Um die Welt zu verstehen, arbeiten wir heute mit Daten", sagt Jan Romporti, Datenanalyst beim tschechischen Mobilfunkbetreiber O2. Seine Aufgabe sei es, Fragen zu formulieren, die mit Hilfe der Daten beantwortet werden können. Datenanalyse kommt bei dem Mobilfunker, der in Tschechien einen Marktanteil von 40 Prozent hält, aber nicht nur zum Einsatz um interne Prozesse und Dienstleistungen zu verbessern. Seine Analysemethoden und die aus den Unternehmens und Kundendaten gewonnenen Erkenntnisse werden auch an Unternehmen aus anderen Branchen verkauft. "Viel Leute glauben, Big Data sei eine Gelddruckmaschine", sagt Romptoni. Um mit Daten Geld zu verdienen, brauche es aber vor allem fähige Datenanalysten.

Todesfälle in "Game of Thrones"

Ein solcher ist Clement Fredembach. Der neuseeländische Wissenschaftler hat die fünf Bände des Fantasy-Epos "Game of Thrones" von George R.R. Martin einer Datenanalyse unterzogen. Ziel war es herauszufinden, welcher der 106 in den Büchern vorkommenden Charakterejeweils als nächster stirbt. Dazu erschuf er Netzwerkgraphen der Charaktere und errechnete mit Hilfe eines Algorithmus die Wahrscheinlichkeit für ihr Ableben. Die Ergebnisse hätten ihn verblüfft, sagt Fredembach. Bis zu Band 3 seien seine Prognosen nah am tatsächlichen Geschehen gewesen. Später sei dies nicht mehr der Fall gewesen: "Die Geschichten der jüngsten beiden Bände seien weniger strukturiert, vermutet Fredembach: "Vielleicht wusste George R.R. Martin vor dem Schreiben selbst nicht, wie es weitergeht."

Eine Möglichkeit, wie Menschen, die sie umgebenden Datenströme sprichwörtlich spüren können, demonstrierte der Neurowissenschaftler David Eagleman. Gemeinsam mit einem Forscherteam hat er eine Weste entwickelt, die mit kleinen Vibrationsmotoren versehen ist. Ursprünglich war sie dafür gedacht, Sprache für taube Personen in Vibrationssignale zu übersetzen. Sie könne aber auch dazu zum Einsatz kommen, um Daten fühlbar zu machen, sagt Eagleman. "Stellen Sie sich vor, sie können die Gefühle von tausenden Twitter-Nutzern spüren. Es macht einen Unterschied ob wir nur auf Informationen zugreifen, oder ob wir sie direkt erfahren können."

Disclaimer: Die Reisekosten zur Teradata Partners Konferenz in Atlanta wurden von Teradata bezahlt.