B2B 13.06.2018

Bitcoin-Höhenflug war gezielte Manipulation

© Bild: APA/AFP/KAREN BLEIER / KAREN BLEIER

Laut einer aktuellen Studie soll das Rekordhoch beim Bitcoin-Kurs im Vorjahr künstlich herbeigeführt worden sein.

In der zweiten Jahreshälfte 2017 stieg der Bitcoin-Kurs massiv an. Kurz vor Weihnachten knackte er an einigen Börsen sogar den Wert von 20.000 US-Dollar – derzeit sinkt er Richtung der 6.000er-Marke. Eine aktuelle Studie legt nun nahe, dass der Bitcoin-Höhenflug im Vorjahr durch massive Manipulation entstanden ist.

Die Studie wurde von John Griffin, einem Wirtschaftsprofessor an der Universität von Texas, durchgeführt. Er untersuchte die Kursschwankungen und glich diese mit der Blockchain ab, um Muster zu finden. Dazu wurde aber nicht nur die Kryptowährung Bitcoin, sondern auch Tether untersucht.

Zwischenwährung

Tether ist eine Kryptowährung, die von Bitfinex geschaffen wurde. Bitfinex ist eine Handelsbörse für Kryptowährungen. Tether dient als eine Zwischenwährung. Wer auf Bitfinex etwa Bitcoin kaufen will, muss vorher Tether kaufen. Laut Bitfinex ist der Wert von Tether an den Wert des US-Dollars geknüpft.

Dass Griffin Tether und Bitfinex untersuchte, war kein Zufall. Die Tauschbörse gerat schon im Vorjahr unter Verdacht, den Bitcoin-Kurs zu manipulieren. Die US-Regulierungsbehörden luden deshalb die Betreiber von Bitfinex vor. Diese haben stets die Manipulationsvorwürfe verneint. Auf die aktuellen Vorwürfe wurde seit nun einer Woche nicht reagiert, berichtet die New York Times.

Muster

Bei der Untersuchung der Transaktionen, die in der Blockchain gespeichert sind, erkannte Griffin Muster. Demnach lässt sich auf Stunden genau nachvollziehen, dass einem Bitcoin-Kursanstieg eine große Transaktion von Tether voranging. Meist wurde Tether von Bitfinex zu anderen Börsen transferiert, wenn der Bitcoin-Kurs gerade am Absteigen war. So soll zumindest die Hälfte des Bitcoin-Kursanstiegs auf die Aktivitäten bei Bitfinex zurückzuführen sein.

Auch andere Kryptowährungen, die mit Tether gekauft werden konnten, stiegen rasant im Kurs. Dazu gehört etwa Ether und Zcash. An Tauschbörsen, die Tether akzeptieren, stiegen die Preise für diese Währungen schneller als an Tauschbörsen, bei denen Tether kein zulässiges Zahlungsmittel ist. Laut der Studie hat dieses Muster aufgehört, nachdem Bitfinex 2018 die Ausgabe von Tether gestoppt hat.

Plausibel

Andere Analysten halten die Studie von Griffin für plausibel. Allerdings würde man die von Griffin aufgezeigten Muster noch weiter untersuchen müssen, um sie vollständig zu verstehen. Christian Catalini, ein Professor am MIT, lobt, dass die Beziehung zwischen Tether und dem Bitcoin-Kurs jetzt mit wissenschaftlichen Methoden untersucht wird. In der Kryptowährungs-Community bestünde dieser Verdacht schon lange.

Welche Auswirkungen die Studie hat, ist noch ungewiss. Sie kann nicht beweisen, dass die Betreiber von Bitfinex direkt hinter der Kursmanipulation stehen. Die Studie kann aber den US-Finanzaufsichtsbehörden dabei helfen, ihre Untersuchungen voranzutreiben. Zudem könnte sie dienen, um zukünftig Algorithmen zu programmieren, die solche Kurs-Manipulationen erkennen.

Eine ähnliche Untersuchung, ebenfalls wegen dem Bitcoin-Kurs, gab es bereits. Laut der Arbeit von amerikanischen und israelischen Forschern wurde der Anstieg des Bitcoin-Kurses im Jahr 2013 durch eine Manipulation an der Tauschbörse Mr. Gox herbeigeführt.

( futurezone ) Erstellt am 13.06.2018