B2B
20.05.2015

Crowdfunding-Plattform für Immobilien startet

Mit Home Rocket startet am Mittwoch eine Crowdfunding-Plattform für Immobilienprojekte. Vorerst kann in zwei Projekte investiert werden.

Auf Home Rocket, das in Österreich und Deutschland aktiv ist, können Anleger in Immobilienprojekte investieren. Ab 250 Euro können sich Interessierte auf der Plattform an vorerst zwei Bauprojekten in Wien und Graz beteiligen.

Immobilien seien die beliebteste Anlageform, sagt Wolfgang Deutschmann, der die Plattform gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Peter Garber ins Leben gerufen hat. "Für Kleinanleger ist es bislang aber nicht möglich gewesen, sich an Bauprojekten in der Frühphase zu beteiligen. Mit Homerocket wollen wir diese Lücke schließen."

Projekte werden geprüft

Projektentwickler können auf der Plattform ihre Projekte vorstellen und nach Investoren suchen. Dazu müssen sie ein unabhängiges Gutachten zu ihrem Projekt vorlegen und auch nachweisen, dass sie über langjährige Erfahrung in der Branche verfügen und bereits erfolgreich Projekte verwirklicht haben. Investoren werden online laufend über den Baufortschritt informiert, sagt Garber. "Die Entwickler stehen auch für Fragen zur Verfügung." Wird die vorgegebene Finanzierungsschwelle nicht erreicht, erhalten die Anleger ihr Geld zurück.

Die ersten beiden Projekte - ein Wohnprojekt in der Wiener Donaufelderstraße und eine Stadtentwicklungsprojekt im Grazer Stadtteil Puntigam - kommen von der Firma C&P Immobilien. Mit Crowdfunding werde nur ein kleiner Teil der Projektkosten finanziert, sagte Markus Ritter, der Gründer des Immobilienunternehmens, das in Graz, Wien, Klagenfurt und Berlin Standorte unterhält und 60 Millionen Euro im Jahr Umsatz macht.

Neben den Zinsen für Anleger muss Ritter auch zehn Prozent der investierten Summe an die Plattform abführen. Die Crowdfunding-Gelder würde sich für ihn deshalb rechnen, weil er sie bei der Bankenfinanzierung als Eigenkapitalersatz geltend machen kann, sagt Ritter. Crowdfunding sei ein spannendes Finanzierungsinstrument: "Wir geben dem Thema eine Chance."

"Projekte können scheitern"

Die rechtliche Basis für die Einlagen bildet ein sogenanntes qualifiziertes Nachrangdarlehen. Zinsen und Laufzeit hängen vom Risiko ab. Bei den zum Start der Plattform angebotenen Projekten liegen sie bei fünf beziehungsweise acht Prozent. Die Laufzeit beträgt eineinhalb bis drei Jahre.

Nach Ablauf der vorgegebenen Frist erhalten die Anleger ihr Investment verzinst zurück. Dabei müssen die Anleger auch mit Abstrichen rechnen. "Projekte können scheitern", sagt Deutschmann. "Wir raten jedem Investor im Zweifelsfall nicht zu investieren."

Erfahrung mit Crowdfunding

Die Plattformgründer haben mit Crowdfunding bereits Erfahrungen gesammelt. Mit Green Rocket betreiben sie seit Oktober 2013 eine Crowdfunding-Plattform für nachhaltige Projekte in den Bereichen Energie, Umwelt, Mobilität und Gesundheit. Dort haben mehr als 4000 Investoren bislang 2,3 Millionen Euro investiert. 14 Unternehmen wurden finanziert, ein Projekt ist gescheitert.

Auf der Plattform sei ein lebhafte Community entstanden, die sich auch thematisch einbringe, erzählt Deutschmann. Bei Immobilien rechne er mit einer ähnlichen Entwicklung. Ziel der Plattform sei es, Investmentprozesse möglichst einfach zu gestalten.

Rückenwind erwarten sie auch von neuen Gesetzen in Österreich und Deutschland. In Österreich passierte vor kurzem das neue Alternativfinanzierungsgesetz (AltFG) den Ministerrat, in Deutschland ist ein neues Kleinanlegerschutzgesetz in Kraft getreten.

Vorreiterrolle

In Europa sehen sich Deutschmann und Garber bei der Schwarmfinanzierung von Immobilienprojekten in einer Vorreiterrolle. International, vor allem in den USA, gebe Immobilien-Crowdfunding bereits seit längerem. Die weltweiten Umsätze werden von Experten auf 2,5 Milliarden Dollar in diesem Jahr geschätzt.

"Bankfinanzierungen werden immer schwieriger, auch für Endkonsumenten ist es nicht leicht Anlageprojekte zu finden, die vernünftig verzinst werden. Crowdfunding löst wesentliche Probleme", sagt Deutschmann in Anspielung auf ein Lied einer populären deutschen Band: "Es ist gekommen um zu bleiben."