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Mobile Marketing
05/18/2012

"Der Browser ist die Killer-App"

Werbung am Handy gehört für 70 Prozent der Österreicher zum Alltag dazu, so eine Studie. Die Agentur IQ Mobile macht sich das zunutze und setzt bei ihren mobilen Kampagnen auf neue Technologien sowie die Entwicklung von Apps und mobilen Websites. Warum für Harald Winkelhofer, Geschäftsführer von IQ Mobile, der Browser die Killer-App ist und er Smartphone-Apps für "stark überschätzt" hält, erzählt er der futurezone.

von Barbara Wimmer

Ihr Unternehmen IQ Mobile setzt mobile Marketing-Lösungen um. Da werden Sie sicher häufig gefragt, ob man heutzutage als Unternehmen besser auf Apps oder mobile Websites setzen sollte?
Das diskutieren wir tatsächlich mit sehr vielen von unseren Kunden. Ich betrachte das mit zwei Gesichtern. Als Mobile Marketing-Agentur bieten wir an, Apps und mobile Portale zu bauen. Als IQ-Mobile-Geschäftsführer sage ich daher, dass beides seine Daseinsberechtigung hat für den jeweilig passenden Anwendungsfall.

Wenn ich als Nutzer und Konsument spreche, muss ich ganz ehrlich sagen, dass Apps komplett überschätzt sind. Der Browser ist die Killer-App. Er hat zwei klare Vorteile: Jedes Handy hat einen Browser integriert und man erreicht damit nicht nur iPhone- oder Android-Nutzer. Außerdem entwickeln sich Programmiersprachen wie HTML5 enorm weiter. HTML5 wird sich sicher in den nächsten Jahren zu einem ausgereiften Standard etablieren und damit kann ich so viele Dinge schön darstellen, dass ich keine eigene Software-Programmierung und keine eigene Apps mehr brauche.

Das heißt, Sie plädieren stark für mobile Websites?
Ja, der Browser wird immer eine Berechtigung haben. Auch bei der langfristigen Wartung und beim Betrieb der Services habe ich im Browser weniger Aufwand. Bei Apps habe ich ständig mehrere Software-Versionen, die ich regelmäßig updaten muss und in den Store schicken muss. Die Fragmentierung ist beispielsweise bei Android stark ausgeprägt. Dann gibt es da noch das iOS, Windows Mobile, BlackBerry, usw. Das ist ein ungleich größerer Wartungsaufwand im Betrieb und jedes Unternehmen sollte sich gut überlegen, ob es sich  in die App-Welt reinbegibt.

Sagen Sie das auch Ihren Kunden?
Auch wenn wir beides verkaufen und damit Geld verdienen wollen, beraten wir unsere Kunden in die Richtung, ob es überhaupt nötig ist, eine App zu bauen, oder ob man nicht die Bedürfnisse, die man abdecken will, auch mit einer wunderschönen mobil optimierten Seite lösen kann und dafür alle Handys erreicht.

Apps sollten ja auch einen Zweck erfüllen. Was hat es für einen Sinn, eine App zu haben, nur um eine App zu haben?
So ist es aber derzeit großteils in der Praxis. Die Nachfrage nach Apps ist nach wie vor gigantisch. Sie hat dem mobilen Markt auch gut getan. Ohne mobile Apps hätte mobiles Marketing sicherlich einen niedrigeren Stellenwert. Die Sinnhaftigkeit dahinter ist aber eine andere Geschichte. Ich habe meine Killer-App im App Store von Apple noch nicht gefunden. Meine täglichen Bedürfnisse und die Anwendungen, die ich tätige, kann ich zu 90 Prozent mit einem Browser machen. Zu zehn Prozent gibt es Apps, die gut für mich sind. Solche Anwendungsfälle sind aber in der Minderheit. Wenn ich das in Relation zu den Anfragen für Apps setze, die wir täglich reinkriegen, stimmt diese nicht. Die mobilen Websites haben eine schlechte Lobby.

Glauben Sie, dass sich das durch HTML5 wieder umdrehen lässt?
Ja. Unseren Kunden gegenüber versuchen wir allerdings, nicht zu viel mit technischen Begriffen um uns zu werfen. Kunden können sich oft unter den Bezeichnungen native App oder HTML5-Portal nichts vorstellen. Wir wollen den Kunden wegholen von der Technik und auf seine Bedürfnisse reagieren. Wir entscheiden erst ganz am Schluss, was wir jetzt umsetzen. In vielen Fällen entscheiden wir uns für eine schöne optimierte mobile Seite. Aber es ist eine Herausforderung, die Vorstellung, unbedingt eine App zu brauchen, zu zerstreuen.

Wie sieht die Zukunft des Mobilen Marketings aus?
In den nächsten zwei Jahren werden sich nicht mehr so viele technische Features in Werbeformen dazuentwickeln wie davor. Die Möglichkeiten, die da sind, um zu werben, sind mittlerweile extrem ausgereift. Man kann fast jeden Zweck erfüllen und man hat eine breite Zielgruppe. Das Essen ist angerichtet, steht am Tisch, dampft und riecht auch recht gut. Jetzt brauchen wir nur noch die Leute, die kommen, die das Ganze essen und genießen. Die Basisarbeit der mobilen Werbung ist da. Jetzt muss sie nur noch in einem Media-Mix des Werbeplans ein fixer Bestandteil werden.

Da ist also noch Spielraum nach oben. Was wird noch passieren, im Bereich der Technik?
Da es sich beim mobilen Bereich um einen technologie-getriebenen handelt, sehe ich viele Techniken durchstarten, wie z.B. NFC. Das gibt es zwar schon seit Jahrzehnten. Jetzt ist es aber möglich, dass man NFC als Technik verwenden kann, um eine Zahlung auszulösen. Im Payment-Bereich wird sich extrem viel tun. Aber auch Marketing-Aktionen mit NFC werden kommen. Technologien wie NFC oder auch QR-Codes werden Einzug finden in die tägliche Anwendung und von der breiten Masse genutzt werden. Wenn ich einkaufen gehe und ich halte bei einem 5-Euro-Einkauf einfach mein Handy hin ist das eine Erleichterung. Das wird sich sicherlich durchsetzen.

Wann?
Wenn eine MasterCard, eine Raiffeisen-Bank, Visa und solche Granden NFC-Produkte anbieten, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit und des Roll-Outs. Die Basis ist jetzt da.

Sie bieten als Unternehmen Kampagnen mit NFC, QR-Codes und auch Augmented Reality an. Welche dieser Technologien setzt sich am ehesten als Call-2-Action-Kanal durch?
NFC wird sich schneller durchsetzen und das ist einfach erklärt. Für QR-Codes und Augmented Reality brauche ich eine App am Handy, für NFC nicht. Ein NFC-Handy halte ich hin, z.B. zu einer Print-Anzeige, und schon passiert etwas. Sonst muss ich zuerst eine App öffnen und drüber halten. Das ist aus Usability-Sicht ein anderer Zugang.

Ich sehe allerdings jede Techologie als gleichwertig und neutral an, aber gerade der Usability-Zugang wird heutzutage häufig noch sehr unterschätzt. Wenn man die Barriere für den Nutzer leicht macht, macht er schneller mit. Als Beispiel kann ich hier die SMS nennen. SMS-Gewinnspiele in Print-Produkten werden immer funktionieren, weil das kann jedes Handy und jeder User. Es ist barrierefrei und einfach. Auch wenn es fad und alt klingt, würde ich die SMS im Marketingbereich für Call-2-Actions nicht abstempeln. Die wird bleiben, auch wenn sie schon oft totgesagt war.

Über IQ-Mobile:
2006 hat Harald Winkelhofer die Agentur IQ Mobile gegründet. Er glaubte von Anfang an fest an das Konzept des mobilen Marketings. Im ersten Jahr erwirtschaftete die Agentur ein fettes Minus. 2011 waren es mehr als drei Millionen Euro Umsatz mit mobiler Werbung.

Was war passiert? Die Smartphone-Nutzung in Österreich ist in den vergangenen Jahren immens gestiegen. Auch die Bereitschaft der Menschen, an mobilen Marketingkampagnen teilzunehmen, steigt. Das haben auch die Unternehmen erkannt. Zu den Kunden von IQ Mobile zählen unter anderem Nokia, Orange, A1, ÖBB, Red Bull oder Ikea.