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B2B
10/24/2013

Drei drohen massive Probleme wegen Frequenzauktion

Drei steht nach der Aktion praktisch ohne Frequenzen im 800 und 900 Mhz Bereich da. Das könnte Drei beim LTE-Ausbau nun teuer zu stehen kommen, so Analyst Ernst-Olav Ruhle.

Der Nachteil von Hutchison-Drei ist nun signifikant, sagt Analyst Ernst-Olav Ruhle über die abgeschlossene Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen im futurezone-Gespräch. „Drei wird eine größere Summe, als man sich bei der Frequenzversteigerung erspart hat, in den Netzausbau stecken müssen, weil sie weniger Frequenzen haben als vorher", so der Experte von der SBR Juconomy Consulting AG. Während A1 um 69,6 MHz und T-Mobile um immerhin auch noch 14,8 MHz mehr an Frequenzen hat, habe Drei nun um 9,6 MHz weniger.

Fehlende Frequenzen

Für Drei als besonders problematisch erweist sich laut Ruhle, dass der Mobilfunker nach der Übernahme von Orange und der Auktion weiterhin praktisch keine Frequenzen im 800er- und fast keine im 900er-Bereich zu besitzen. Dieses "Flächenspektrum" gilt allerdings als Schlüssel zum Erfolg, um LTE in ländlichen Gebieten kostenschonend ausrollen zu können. In der Branche ist folglich auch die Verwunderung groß, warum Drei nur ein einziges Paket im 900er-Bereich ersteigert hat.

T-Mobile und vor allem A1 (vier der sechs Pakete im 800er-Frequenzen besitzt nun der Marktführer) werden es durch die niederen Frequenzbänder einfacher haben, auch ländliche Gebiete mit schnellem Internet zu versorgen. Der Vorteil ist nämlich, dass bei diesen weniger Funkstationen notwendig sind, um LTE in der Fläche auszubauen. Drei hingegen stehen nur die 1800er-, 2000er- und 2600er-Frequenz zur Verfügung, so der Experte. Auch auf diesen Frequenzen lässt sich LTE aufbauen, allerdings müssen die Stationen „dichter“ gebaut werden und das erfordert zusätzliche Netzinvestitionen. Dies könnte sich schlimmer als nur „ein blaues Auge“ erweisen, wie es Drei-Chef Trionow genannt hat.

Teure Optionen

Für Drei gibt es zwei denkbare Optionen. Die erste ist rechtlich und regulatorisch möglich, aber gilt zum jetzigen Stand als unwahrscheinlich: A1 verkauft an Drei Frequenzen aus dem 1800er-Bereich – für etwa 300 Millionen Euro. Auch im 1800er-Bereich hat A1 ab 2020 sieben der 15 Frequenzpakete, Drei und T-Mobile jeweils vier. Etwa 300 Millionen Euro wäre außerdem exakt die Summe, die A1 im Rahmen des Orange-Drei-Deals für Yesss! gezahlt hat.

Eine zweite Option ist, dass Drei die LTE-Strategie ändert und LTE im Zuge des Refarming auf den anderen Frequenzen aufbaut (1800 Mhz, 2100 MHz, 2600 MHz), die Drei derzeit bereits hat. Das ist möglich, aber mindestens doppelt so teuer, weil das Netz engmaschiger mit mehr Funkstationen aufgebaut werden muss. Hinzu kommt, dass die LTE-Versorgung im 2600er-Bereich innerhalb von Gebäuden nicht optimal ist.

Riskante Strategie

Ruhle sieht Drei zwar nicht am Ende, allerdings habe der dritte Netzbetreiber im Land künftig gehörige Wettbewerbsnachteile. „Die Strategie von CEO Jan Trionow, wenig Geld für Frequenzen auszugeben ist teuer erkauft“, so Ruhle. „Meiner Meinung nach hat Trionow einen strategisch schwierigen Weg eingeschlagen.“ In der Branche wird nun darüber spekuliert, ob man sich bei Drei letztlich doch zu wenig intensiv auf die Auktion vorbereitet und den Ernst der Lage unterschätzt hat.

T-Mobile engagierte Spieletheoretiker

T-Mobile beispielsweise hat den US-Mathematiker und Spieletheoretiker David Salant sowie den Physiker Ross Malcom einfliegen lassen. Die Auktionen im Mobilfunk basieren nämlich auf einer Theorie des US-Mathematikers John Forbes Nash, dem der Film „A Beautiful Mind“ gewidmet ist. Salant und Malcom, die sich seit den 70er-Jahren mit Auktionen beschäftigen, haben während der österreichischen Frequenz-Auktion laufend die Bieterstrategien analysiert und Simulationen durchgeführt. Bei der von der RTR verwendeten Auktionsmethode – Clock-Auction – sei es sehr leicht möglich, einen Bieter schnell k.o. zu schlagen. „Die waren einige Male fast komplett draußen“, so ein Insider zur futurezone über das Abschneiden von Drei.

Vergabeverfahren in der Kritik

Experte Ruhle kritisiert zudem, dass die österreichische Clock-Auction äußerst intransparent gewesen sei. Für den Deutschen, der für viele großen Telekom-Unternehmen (Telecom Italia, Clearwire, TeleDanmark, Swisscom oder die Bundesnetzagentur) tätig ist und bereits über 100 Publikationen über Telekom/-Regulierungsthemen herausgegeben hat, sind die hohen Versteigerungserlöse nur teilweise nachvollziehbar.

„Der Staat denkt zu kurzfristig“, so Ruhle. „Aus der Sicht des Staates ist das Ergebnis gut, weil er große Einnahmen lukrieren konnte. Aus der Sicht der Mobilfunkindustrie und für das Land Österreich wurde aber langfristig ein schlechtes Ergebnis erzielt. Wenn man als Betreiber viel Geld in den Rohstoff stecken muss, wie soll man dann noch Investitionen für den Netzausbau und das Entwickeln von Produkten haben?“, so der Experte.

Preise werden steigen

Neben diesem internationalen Wettbewerbsnachteil bestätigt Ruhle die Befürchtung, die viele Betreiber-CEOs und auch Konsumentenschützer hegen: Die Preise für Telekommunikationsleistungen werden steigen. „Und die Betreiber werden sich weniger Personal leisten können“, so Ruhle, der mit einem Mitarbeiter-Abbau rechnet.

Clock-Auktion

Als Auktionsdesign wurde eine abgeänderte Version der Kombinatorischen Clock-Auktion (CCA) verwendet. Dieses Format wurde von der Regulierungsbehörde bereits bei der Versteigerung der 2,6 GHz Frequenzen im Jahr 2010 angewandt.

Während dieses Auktionsformat mittlerweile in Europa für Multibandauktionen üblich ist, wurden in Österreich signifikante Regeländerungen vorgenommen, die wesentlich zur rasanten Preissteigerung beigetragen haben.

Clockphase

Die Kombinatorische Clock-Auktion ist in drei Phasen unterteilt. In der ersten Phase („Clockphase“) wird jedem Bieter eine Preisliste für alle Frequenzkategorien bekanntgegeben und der Bieter kommuniziert dem Auktionator, wie viele Frequenzblöcke er pro Kategorie zu diesen Preisen beziehen möchte. Solange die Nachfrage in einer Kategorie das Angebot an Frequenzblöcken übersteigt, erhöht der Auktionator rundenweise deren Preis. Mit steigendem Preis reduziert oder verlagert sich so die Nachfrage. Die erste Phase endet, wenn die Nachfrage in allen Kategorien gleich oder tiefer als das Angebot ist.

Verdeckte Bietphase

In der zweiten Phase („Verdeckte Bietphase“) konnte jeder Bieter seine Gebote der ersten Bietphase erhöhen und bis zu 3.000 zusätzliche Gebote abgeben. Jedes Gebot bestand dabei aus einer Kombination von Spektrumsblöcken mit einem dazugehörigen Gebotsbetrag. Dieser war nach oben und unten beschränkt, wobei die Beschränkung die Präferenzen jedes Bieters in der ersten Bietphase widerspiegelten.

Aus allen in der verdeckten Bietphase abgegebenen Geboten wurde die Gewinnerkombination ermittelt, die die wertvollste Kombination an Geboten darstellt. Der Preis, der von jedem Bieter für das Gewinnergebot bezahlt werden muss, wird anhand einer abgeänderten „Second Price“-Regel bestimmt. Jeder Bieter muss also so viel bezahlen, wie gerade noch notwendig gewesen wäre, um sein Gewinnergebot zu gewinnen (ähnlich wie bei der Online Auktionsplattform eBay).

Zuordnungsphase

In der dritten Phase („Zuordnungsphase“) wurden die genauen Positionen im Frequenzband zugeordnet. Dazu wurde nochmals eine verdeckte Bietrunde analog der zweiten Phase durchgeführt.