T-Mobile: Drei-Orange-Deal verzerrt Wettbewerb

© Franz Gruber

Übernahme
12/06/2011

Drei-Orange-Deal: Noch viele Fragen offen

Mit einer Übernahmesumme von 1,4 Milliarden Euro will sich Österreichs kleinster Mobilfunker Drei den nächstgrößeren Konkurrenten Orange einverleiben. Der Bericht der futurezone am Donnerstag hat sowohl in der Branche als auch bei Kunden viele Fragen aufgeworfen. Die futurezone liefert erste Antworten zu den wichtigsten Punkten rund um den Deal:

Werden Handy-Tarife künftig teurer?
Am Anfang werde es sicher Zuckerl-Angebote geben, aber “ein Anbieter weniger am Markt bedeutet auch weniger Wettbewerb”, sagt Daniela Zimmer, Konsumentenschützerin der Arbeiterkammer (AK). “Das Zusammengehen bereinigt den Markt, der Preisdruck sinkt.” Mittelfristig müssen Handy-Kunden laut Verein für Konsumenteninformation (VKI) aber mit weniger Umstiegsangeboten rechnen, die bis dato immer sehr günstige Tarife zur Folge hatten. Bernd Maurer, Telekom-Analyst bei der Raiffeisen Centro Bank, sagt: “Es wird nach der Übernahme sicherlich nicht über Nacht gewaltige Änderungen geben. Wir sehen hier eher eine graduelle Entwicklung. Langfristig wird der Preisdruck natürlich nachlassen. Drei war bisher der größte Preistreiber, das könnte sich durch den Deal durchaus ändern.”

Gegenteiliger Meinung ist Jessica Ekholm, Analystin beim Marktforschungsunternehmen Gartner: “Österreich wird ein sehr wettbewerbsintensiver Markt bleiben, da mit der Übernahme fast drei gleich starke Unternehmen um die Marktführerschaft kämpfen." Vergleichbare Deals wie etwa die Fusion von T-Mobile und Orange in Großbritannien hätten bislang auch keine Auswirkungen auf die Preise gezeigt. "Drei ist global gesehen zudem für eine sehr aggressive Marktstrategie bekannt, die darauf abzielt, so viele Kunden wie möglich über günstige Preisangebote zu gewinnen. Durch die gestärkte Position von Drei könnte der Wettbewerb in Österreich daher sogar angekurbelt werden”, meint Ekholm im Gespräch mit der futurezone

Könnte der Deal an der Regulierungsbehörde scheitern?
“Generell besteht durch so einen Deal natürlich die Gefahr, dass dem Kunden Nachteile entstehen, etwa was die Tarifpreise oder die Produktvielfalt betrifft. Genau dafür ist jedoch die Prüfung der Regulierungsbehörde da”, sagt Wolfgang Feiel, Leiter der Rechtsabteilung bei der RTR. “Würden derlei Nachteile festgestellt, müsste die Regulierungsbehörde den Unternehmen Auflagen erteilen, um sicher zu stellen, dass der Wettbewerb nicht beeinträchtigt wird.” Nur wenn auch diese Auflagen nicht ausreichend wären, würde die Übernahme nicht genehmigt werden.

Wie lange die Prüfung des Drei-Orange-Deals dauern würde, kann Feiel derzeit nicht abschätzen. Es sei aber davon auszugehen, dass sie mindestens ein halbes Jahr in Anspruch nehmen werde. Ähnlich bewertet auch Maurer von der RCB die Situation: “Wird die Übernahme noch im Dezember offiziell bekannt gegeben, so werde es vermutlich mehrere Monate dauern, bis das Prüfungsverfahren seitens der Regulierungsbehörde RTR abgewickelt ist”, schätzt Maurer. Es sei davon auszugehen, dass die Übernahme jedenfalls 2012 durchgewunken würde, eventuell bereits im ersten Halbjahr.

Bleibt die Marke Orange erhalten?

Wahrscheinlich nicht. Die Marke “Orange” gehört weiterhin der France Telecom, die für deren Verwendung hohe Lizenzgebühren verlangt. Ob sich Drei das leisten wird, ist äußerst fraglich, zumal Drei als internationaler Konzern die eigene Marke stärken will. Das orangefarbene Logo, das es seit September 2008 in Österreich, wird somit voraussichtlich aus Stadtbild und Medienlandschaft verschwinden.

Was wird aus der Billig-Marke "Yesss!"?
Das ist bis dato noch weitgehend unklar. Im Raum steht, dass A1 Yesss! übernehmen könnte, eine Stellungnahme dazu gibt es aber nicht.

Wird die Empfangsqualität besser?
“Ich erwarte mir eher weniger Auswirkungen auf die Netzqualität”, sagt Paul Srna, Experte für Telekommunikation beim Verein für Konsumenteninformation (VKI). Mittelfristig sei es aber ein Vorteil, wenn das Netz gemeinsam genutzt werde. Daniela Zimmer von der AK rechnet mit einer “logistischen Bereinigung des Funkmastenwaldes”. “Das kann in Einzelfällen in einem schlechteren Empfang resultieren”, so Zimmer. “Da muss man ein Auge darauf haben.” Die AK werde jedenfalls besonders auf diesbezügliche Konsumentenbeschwerden achten.

Was bedeutet der Deal für den Ausbau der nächsten Mobilfunk-Generation “LTE”?
Orange war in den vergangenen Jahren sehr zögerlich beim Ausbau des UMTS-Nachfolgers LTE (“Long Term Evolution”, Download-Geschwindigkeiten mit bis zu 100 Megabit/Sekunde), während Drei (nach T-Mobile und A1 wohlgemerkt)

sein LTE-Netz in Wien gestartet hat und dieses 2012 auf weitere Landeshauptstädte wie Graz, Linz und Salzburg ausweiten will. Vor allem heutige Orange-Kunden könnten sich deswegen künftig auf schnelleres mobiles Internet freuen, zumal Drei schon bisher schwerpunktmäßig mit mobilen Breitband-Pakete punkten konnte.

Wird Österreich das europäische Vorzeigeland in Sachen Handy bleiben?
Was Innovationen betrifft, für die der österreichische Handymarkt bisher auch weltweit als Vorzeige-Beispiel galt, sieht Bernd Maurer von der RCB kaum Veränderungen. “In dem Bereich war neben Drei beispielsweise auch der Marktführer A1 bisher sehr stark, das wird in Zukunft sicher so bleiben.” Allerdings gibt es auch bereits Bedenken in der Branche, das dem nicht so sein könnte. Insider meinen, dass die Attraktivität Österreichs als Testmarkt für Innovationen leiden könnte.

Gehen durch den Deal Jobs verloren?
“Es ist natürlich auch davon auszugehen, dass durch die Übernahme Jobs verloren gehen werden.” Wie das genau aussehen wird, könne man derzeit zwar noch nicht einschätzen, aber “es ist sicherlich so, dass dort, wo beispielsweise jetzt zwei Shops nebeneinander stehen, am Ende nur einer übrig bleiben wird”, sagt Maurer. Auch bei vielen anderen Funktionen wird es wohl Rationalisierungen bei Doppelbesetzungen geben - von der Rechtsabteilung über die Pressebetreuung bis zur Technik und Administration. Seit der Übernahme von tele.ring durch T-Mobile Austria im Jahr 2006 gingen ebenfalls einige hundert Jobs verloren. Gartner-Analystin Ekholm schätzt aber, dass Drei durch die Übernahme die eigenen Vertriebskanäle ausbauen und wichtige Shop-Standorte behalten wird.

Wie reagiert die Konkurrenz auf die Übernahme?
Die beiden größeren Konkurrenten A1 und T-Mobile wollten bis dato noch keiner Stellungnahme zu dem Drei-Orange-Deal abgeben. Allerdings dürfte das Bekanntwerden der Übernahme hinter den Kulissen durchaus für Freude bei der Konkurrenz sorgen. So schoss etwa der Aktienkurs der Telekom Austria an der Wiener Börse kurzzeitig um mehr als sieben Prozent nach oben.

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