B2B
08.03.2012

Drei-Orange: "Säbelrasseln" der Regulierer

Drei-CEO Jan Trionow hat sich am Donnerstag zu den Bedenken der Wettbewerbshüter gegenüber dem Drei-Orange-Deal geäußert. Die Aussagen der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) seien demnach "Säbelrasseln", es zeichne sich keine Gefährdung der Übernahme ab, man liege mit der Durchführung im Zeitplan. Nach dem Deal will Drei auch LTE landesweit ausrollen.

Trotz sehr deutlichen der Wettbewerbshüter sieht der CEO des Mobilfunkers Drei die Übernahme des Konkurrenten Orange nicht gefährdet. Die Aussagen von Theodor Thanner, Chef der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), wonach er sich den Deal “so wie er geplant ist” nicht vorstellen können, sei als “Säbelrasseln” zu verstehen.

Die Kritik der BWB komme darüber hinaus verfrüht, da laut Trionow offiziell noch nichts angemeldet wurde. Aktuell werden ausschließlich Pre-Notifikationsgespräche mit allen beteiligten Regulierungsbehörden geführt. Das sei so üblich und beschleunige den Ablauf, nachdem formell alles eingereicht wurde. Derzeit liege man gut in der Zeit, eine endgültige Entscheidung der Wettbewerbshüter werde erst für Mitte 2012 erwartet.

Thanner hatte sich zu Beginn der Woche abermals gegen die Übernahme ausgesprochen (die futurezone berichtete). So müsse ihn die Verringerung der Anbieter von vier auf drei “nachdenklich machen.” Besonders der Teilaspekt, dass die Orange-Billigtochter Yesss! an A1 geht, sei problematisch. Der Marktanteil von A1 steige somit auf 47 Prozent. Trinow versuchte am Donnerstag diese Bedenken zu zerstreuen. “Der Markt wird nicht beschädigt, im Gegenteil, es kommen weitere wettebwerbsfördernde Elemente hinzu”, erklärte der Drei-CEO. So hätte Drei nach der Übernahme einen Marktanteil von 22 Prozent und wäre somit immer noch der kleinste Anbieter in Österreich. Der Konkurrenzkampf würde weitergehen, da Drei einen Marktanteil von 30 Prozent anstrebe.

Schwierige Ausgangsbedingungen
Der Deal soll zweistufig ablaufen. So wird Orange samt der Billigmarke Yesss! im ersten Schritt an Drei gehen, sofort danach gibt Drei die Billigschiene Yesss! an den Konkurrenten A1 weiter. Dieser Schritt sei laut Trinow notwendig, damit sich Drei den Kauf überhaupt leisten könne. Dass dabei wichtige Frequenzen und Kunden weitergegeben werden, freue den Mobilfunker zwar nicht, sei aber unumgänglich: "Das Geld für Yess muss reinkommen, um die Transaktion zu finanzieren".

Dass der Deal zweistufig abgewickelt wird, ruft auch mehrere verschiedene Regulierer auf den Plan. Während die Übernahme von Orange die Kriterien für eine EU-Prüfung erfüllt, tut dies der Verkauf von Yesss! an A1 aufgrund der geringeren Umsatzschwelle nicht mehr. Aus diesem Grund wäre hier die österreichische BWB zuständig. Sollte die Übernahme von Yesss! zu A1 an den Behörden scheitern, würde laut Trionow der ganze Deal platzen.

Die Regulierer könnten sich auch entscheiden, die Prüfungen zusammenzulegen. Laut Thanner plant die BWB anzusuchen, das Verfahren nach Wien zu verlegen. Drei hofft auf eine Abwicklung in Brüssel, wo auch andere internationale Handy-Deals in der Vergangenheit problemlos abgezeichnet wurden.

LTE-Ausbau
Nach erfolgter Übernahme wolle Drei auch sein LTE-Netz landesweit ausrollen. In den nächsten Jahren soll dafür ein “dreistelliger Millionenbetrag unter 500 Millionen” investiert werden. Dabei sollen die neuen 1800er-Frequenzen von Orange genutzt werden und eine umfassende Versorgung mit LTE garantieren.

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