Drei baut 5G Vorreiterrolle bis Jahresende weiter aus.

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B2B
08/06/2020

Drei: "Sind nicht automatisch Krisengewinner"

Drei kam stabil durch die Krise. Der hohe Anstieg bei der Nutzung von Internet und Telefonie wirkte sich auf die Umsätze aber kaum aus.

von Patrick Dax

Die Nutzung von Telefonie und Internet ist im ersten Halbjahr wegen der Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Krise zwar stark gestiegen, in den Zahlen von Drei hat sich das aber nicht niedergeschlagen. "Telekomanbieter sind nicht automatisch Krisengewinner", sagte Drei-Chef Jan Trionow bei einem virtuellen Pressegespräch am Donnerstag.

Insgesamt sei man bisher aber stabil durch die Krise gekommen.Die Umsätze von Drei gingen im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahresergebnis um 1,9 Prozent auf 417 Millionen Euro zurück. Das liege daran, dass die meisten Kunden über unlimitierte Tarifpakete verfügen würden, sagte Trionow. Die Corona-bedingten Zuwächse von 17 Prozent bei der Telefonie und mehr als 30 Prozent beim Datenverbrauch hatten deshalb auf die Einnahmen des Anbieters kaum Auswirkungen.

Roaming-Einnahmen weggefallen

Dazu komme, dass die Roaming-Einnahmen durch die Reisebeschränkungen praktisch komplett ausfielen und auch die Umsätze in den Shops wegen des Lockdowns zurückgingen, sagte Trionow.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBITDA) erhöhte sich aufgrund bilanzieller Einmaleffekte nach der Übernahme von Tele 2 im ersten Halbjahr um 5,1 Prozent auf 189 Millionen Euro, das Betriebsergebnis wuchs um ein Prozent auf 114 Millionen Euro.

Kundenzahlen leicht zurückgegangen

Bei den Kundenzahlen verzeichnete Drei einen leichten Rückgang von 1,7 Prozent auf 3,8 Millionen. Das gehe hauptsächlich auf Bereinigungen bei Wertkartenkunden um inaktive SIM-Karten aus einer Aktion zurück, sagte der Drei-CEO. Wegen der Registrierungspflicht hätten viele Kunden ihre Wertkarten nicht mehr aufgeladen.

Die Zahl der Vertragskunden legte beim Internet um 3,9 Prozent und im Mobilfunk um 0,8 Prozent zu. Bei Business-Kunden verzeichnete der Drei ein Plus von 2,3 Prozent.

Neue Online-Gewohnheiten bleiben

Die durch die Corona-Krise veränderten Online-Gewohnheiten würden bleiben, sagte Trionow. So wies etwa die Internettelefonie, die zum Höhepunkt der Krise Zuwächse von bis zu 600 Prozent verzeichnete, auch im Juli noch ein Plus von fast 140 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Auch der Datenverbrauch durch Social-Media-Nutzung sei im Juli noch bei plus 135 Prozent gelegen. Das gelte auch für Messaging (plus 36 Prozent), Gaming (plus 30 Prozent) und Streaming (plus 15 Prozent).

Bei Geschäftskunden verzeichnete man während der Ausgangsbeschränkungen nach sicheren Zugängen und Cloud-Produkten. "Wir erwarten, dass der Trend zum Home Office anhält", sagte Trionow.

Drei verzichtete in den vergangenen Monaten auf Kurzarbeit wegen der Corona-Krise. Mitarbeiter aus geschlossenen Shops seien etwa im Kundenservice eingesetzt worden, sagte Trionow. Die Zahl der Beschäftigten sei mit 1.500 konstant geblieben.

5G-Ausbau wird forciert

Zurückgegangen sind die Investitionen. "Weil Bau- und Erweiterungsprojekte nicht so gut weiterverfolgt werden konnte", sagte Trionow. Der dadurch ins Stocken geratenen Ausbau von 5G-Antennen soll im 2. Halbjahr und im nächsten Jahr forciert werden. "Wir wollen bei 5G auf Track bleiben."

Die steigende Belastung der Netze durch die veränderten Nutzungsgewohnheiten sei nur mit 5G zu bewältigen, sagte Trionow. Die Netze hätten von einigen Kapazitätsengpässen abgesehen den Corona-Härtetest zwar gut bestanden. Das 4G-Netz sei jedoch am Limit, Lösung für die Probleme könne nur der schnelle Ausbau von 5G bringen.

140 5G-Sendeanlagen

Derzeit hat Drei 140 5G-Sendeanlagen in Betrieb, der Großteil davon in Wien, Graz, Wörgl und Linz. In der oberösterreichischen Landeshauptstadt könne man beinahe eine flächendeckende Versorgung unter freiem Himmel vorweisen, sagte Trionow. Bis Jahresende will man die Zahl der Anlagen mehr als verdoppeln.

Für den weiteren 5G-Ausbau sei eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Hand und den Betreibern, aber auch zwischen den Betreibern untereinander notwendig, mahnte der Drei-CEO. Neben Förderungen der Nachfrage, etwa durch Mehrwertssteuersenkungen, hofft Trionow auch auf bessere Rahmenbedingungen durch die Neuformulierung des Telekommunikationsgesetzes, um Investitionen und Kooperationen zu stimulieren.

Kooperation der öffentlichen Stellen wünscht sich Trionow auch beim Ausräumen von gesundheitlichen Bedenken gegen den neuen Mobilfunkstandard. Die Ängste müssten adressiert werden, sagte der Drei-CEO: "Es ist sicher, 5G auszubauen und zu nutzen."

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