Jan Trionow, CEO von Hutchison Drei Austria, berät KMU in Sachen Digitalisierung. 

© Jürg Christandl

B2B
11/28/2013

Drei: Zuwachs bei Kunden und Beschwerden

Rund hundert Tage nach der Markenzusammenführung mit Orange zog Drei-CEO-Jan Trionow eine Zwischenbilanz.

180.000 Neukunden habe Drei seit der Zusammenführung mit der Marke Orange im August gewonnen, sagte Trionow am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Drei sieht sich damit bei neuen Vertragsabschlüssen als Marktführer. Seit Anfang des Jahres verzeichnete der Mobilfunkanbieter nach eigenen Angaben mehr als 630.000 Neukunden.

“Es war eine Herausforderung den hohen Ansturm zu bewältigen”, sagte Trionow. Drei Monate nach der Zusammenführung der beiden Marken und zehn Monate nach der Übernahme von Orange hat Drei die Integration der Filialnetze und der Mitarbeiter weitgehend abgeschlossen, auch die 2G-Netze von Drei und Orange sind nun österreichweit integriert.

Noch in Arbeit ist die Zusammenführung der Call-Center, der unternehmensinternen IT-Systeme und - was viele Kunden interessieren dürfte - der 3G-Netze.

"Komplexe Geschichte"

Die Zusammenlegung der 3G-Netze von Drei und Orange soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Ausständig sind noch Tirol und Vorarlberg. auch in Wien gibt es noch parallele Netze. Trionow sprach von einer "komplexen" Geschichte. "Es geht nicht ganz reibungslos und gibt immer wieder Probleme", meinteTrionow. Der auch einräumte, dass die Zahl der Beschwerden zugenommen hat. "Wir bekommen mittlerweile aber auch viel positives Feedback."

An den Problemen seien häufig "ganz einfache Dinge schuld", meinte der Drei-CEO. In vielen Fällen würde es genügen, die Einstellungen an den Endgeräten zu ändern und etwa Roaming zu aktivieren. Bei der Umstellung könnten aber auch viele andere Dinge passieren. "Ein Netz muss immer optimiert werden", sagte Trionow. Kundenbeschwerden hätten zwar zugenommen, seien aber überschaubar. "Wir nehmen das sehr ernst."

Für frühere Orange-Kunden werde sich die Netzabdeckung nach dem Abschluss der 3G-Netzintegration Ende des Jahres von 68 auf 94 Prozent verbessern.

Österreichweites LTE bis Anfang 2015

Bis Anfang 2015 will Drei österreichweit auch die neue Mobilfunkgeneration LTE anbieten. Gegen die Frequenzauktion, die die heimischen Mobilfunker insgesamt knapp zwei Milliarden Euro kostete, will Drei ebenso wie T-Mobile in Berufung gehen. "Wir sind sehr unzufrieden, die Auktion war irrational teuer und formal und inhaltlich rechtswidrig", sagte Trionow, der auch aufschiebende Wirkung für den Ende November zugestellten Bescheid über das Ergebnis der Auktion beantragen wird, demnach Drei noch vor Weihnachten 330 Millionen Euro für die erworbenen Frequenzpakete bezahlen muss. "Wir wollen eine Neuaustragung erreichen."

Der LTE-Ausbau sei aber durch die Beschwerden nicht gefährdet. Drei will dabei auf Frequenzen im 1800 Mhz-Bereich setzen, mit denen das Unternehmen gut ausgestattet ist. Davor muss die Regulierungsbehörde jedoch das "Refarming" erlauben, das heißt das auch die Nutzung der zuvor nur für Sprachtelefonie zugelassenen Frequenzen auch für die Übermittlung von Daten (UMTS, LTE) geöffnet wird. "Wir hoffen, dass das bald passiert", sagt Trionow: "Es gibt keinen Grund, das zu verwehren." In den LTE-Ausbau will das Unternehmen dreistellige Millionenbeträge investieren.

Markenbekanntheit gestiegen

Insgesamt zeigte sich Trionow mit der Markenzusammenführung mit Orange zufrieden. Die Bekanntheit der Marke Drei sei deutlich gestiegen und betrage nun mehr als 80 Prozent. Im Vergleich dazu liegt die Markenbekanntheit von A1 bei über 95 Prozent. Jene des Konkurrenten T-Mobile bei knapp über 65 Prozent. Drei werde von den Kunden auch gut bewertet, so Trionow.

Die Anzahl der Mitarbeiter werde sich durch die Zusammenlegung der Filialen von 140 auf 90 und die Neustrukturierung der Call-Center um etwa 150 verringern. Insgesamt dürfte Drei dann rund 1350 Mitarbeiter zählen. Genaue Zahlen wollte Trionow nicht nennen.

Die Anzahl der Vertragskündigungen habe in den Wochen rund um die Markenzusammenführung um vier Prozent abgenommen. Im gleichen Zeitraum habe man ein Plus von 29 Prozent bei Vertragsverlängerungen verzeichnet. Seit Jahresbeginn habe Drei 630.000 Kunden gewonnen. Insgesamt dürfte die Zahl der Kunden des Mobilfunkbetreibers bei weit über 3,3 Millionen liegen.

Im Weihnachtsgeschäft rechnet Drei mit weiteren Kundenzuwächsen. Als "Zuckerl" will man Neukunden eine kostenlose Handyversicherung bieten.

Absage an Tariferhöhung

Einer Erhöhung der Tarife, auf die etwa der Marktführer A1 hofft, erteilte Trionow eine Absage. "Wenn die Wettbewerber ihre Preise erhöhen, ist das eine gute Nachricht für uns", sagte Trionow. "Wir wollen weiter wachsen und werden auch attraktive Preise einsetzen, um das zu erreichen."

Mit dem Stand von Juni hält Drei einen Marktanteil von 24,9 Prozent. T-Mobile hält bei 30,9 Prozent und Marktführer A1 bei 44,2 Prozent. Für das laufende Jahr rechnet Trionow damit, dass der Mobilfunkmarkt in Österreich leicht schrumpfen wird. Durch Regulierungsauflagen, etwa zum Roaming, verzeichne man Umsatzverluste, sagte der Drei-CEO, auf der anderen Seite würden mehr Datendienste nachgefragt.

Wachsen will Drei auch bei Geschäftskunden. Durch die Übernahme von Orange könne man "mehr bieten", sagte Trionow unter Verweis auf Cloud-Angebote, deren Nutzerzahlen zuletzt um 50 Prozent stiegen: "Wir werden ein stärkerer Player im Geschäftskundenbereich werden."