Drohnen-Funk und Solar-Inseln aus Österreich

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B2B
06/26/2012

Drohnen-Funk und Solar-Inseln aus Österreich

Wer echte Technik-Freaks treffen und Pioniergeist fühlen will, der wird derzeit in der Phorusgasse 8 in Wien fündig. Denn im dortigen “Frequentis Gründerzentrum” gedeihen junge Firmen heran, die nichts anderes als die Eroberung des weltweiten Hightech-Marktes im Sinn haben.

“Elf österreichische Start-ups bauen hier derzeit an der Technik-Zukunft und könnten bei Erfolg ganze Branchen revolutionieren”, sagt Friederike Lehmann, die Leiterin des Frequentis Gründerzentrums. Die Bandbreite der am Dienstag vorgestellten Projekte ist enorm - von Flugdrohnen-Funk über Herzpumpen-Drucker bis zu schwimmenden Solar-Inseln entstehen zwischen Hightech-Werkstatt und Computer-Labor viele smarte Ideen. Die futurezone stellt sie vor:

AnvartecDie Einmann-Firma Anvartec von Bernd Ruprechter spezialisiert sich auf Augmented-Reality-Apps für Smartphones. Die erste Kreation: SOLight für das iPhone (2,99 Euro). Mit ihrer Hilfe lässt sich der Verlauf der Sonne im Live-Bild der Kamera einblenden. Somit lässt sich etwa beim Kauf einer neuen Wohnung genau feststellen, ob die Fenster wirklich stundenlang Sonne (auch angepasst auf verschiedene Jahreszeiten) bekommen - oder ob der Makler schwindelt.

Customlbs Das Jungunternehmen Customlbs will mit dem mobilen SDK indoo.rs Navigationslösungen für Innenräume etablieren - also dort, wo man meist keinen oder nur schlechten GPS-Empfang hat. Einsatzgebiet sind Flughäfen, Einkaufszentren, Museen oder Messen. Die österreichische onkurrenz-Firma WooDoo arbeitet an einer sehr ähnlichen Idee (die

).

ECOP TechnologiesDie seit 2007 an ihrer neuartigen Hitzepumpe forschende Jungfirma ECOP gilt vielen als vielversprechendstes Projekt im Frequentis Gründerzentrum: Ihre Entwicklung verspricht bis zu 60 Prozent Energieersparnis in Industrieanlagen - umgerechnet sollen pro 100-kW-Gerät bis zu 24.000 Euro gespart werden können. Derzeit arbeitet man intensiv daran, die patentierte Technologie weltweit zu vermarkten.

embed-itSeit 2009 arbeitet das Start-up embed-it an speziellen Mechatroniken, die für Firmenkunden maßgeschneidert entwickelt wird, als Hard- und Software an den Kunden geliefert und dort implementiert werden. Derzeit im Angebot: Data Processing Units, EZ-Flasher und Lux-Logger.

emotion3DBei emotion3D hat man sich der dreidimensionalen Unterhaltungselektronik verschrieben. Das Spin-Off der TU Wien entwickelt eine Software, die Filme für 3-D-Flat-TVs ohne Brille aufbereitet. Die “Stereoscopic Suite X1” rechnet den digitalen Streifen so um, dass er am Bildschirm aus acht verschiedenen Blickwinkeln gleich gut zu sehen ist. So kann eine ganze Großfamilie vor dem Flat-TV der Zukunft (Marktreife in frühestens fünf Jahren) sitzen und 3D genießen, ohne extra teure Brillen kaufen zu müssen (die

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Gnowsis Das Internet-Start-up Gnowsis hat die intelligente Verknüpfung von Dokumenten, Dateien und Einträgen zum Ziel (die

). Der von Gnowsis entwickelte DienstRefindersoll einmal als Bindeglied zwischen allen wichtigen Produktivitäts-Tools im Internet funktionieren und die Zusammenarbeit erleichtern. Dazu dockte Refinder kürzlich am populären Cloud-Speicher Dropbox an. Geplant ist, mit kostenpflichtigen Premium-Accounts Geld zu verdienen.

Illumination Network Systems Die kleine Firma Illumination Network Systems hat sich das Thema Straßenbeleuchtung vorgenommen. Mit intelligenten Sensoren und Software will man es möglich machen, dass sich Straßenlaternen nur bei Bedarf einschalten - wenn also ein Fußgänger, Radfahrer oder Auto vorbeikommt. Die LED-Lampen werden dann automatisch vor dem Passanten aktiviert und hinter ihm wieder gedimmt. Das soll Gemeinden helfen, bis zu 80 Prozent der Stromkosten für die öffentliche Beleuchtung zu sparen.LithozForscher Johannes Homa von der TU Wien will mit seiner Firma Lithoz den 3D-Drucker in der Medizin etablieren. Sein Gerät um 200.000 Euro kann aus 3D-Skizzen Keramik-Objekte drucken - in der Chirurgie ein gefragtes Material, weil es anders als Metall etwa keine Allergien zur Folge hat. Der Lithoz-Drucker schafft es außerdem, eine auf den Patienten maßgeschneiderte Herzpumpe über Nacht auszudrucken. Andere Verfahren brauchen dafür laut Homa Wochen, weswegen er für seine Lösung einen Milliardenmarkt wittert.

PIDSODie Firma Pidso ist bereits erfolgreich im Funktechnologie-Geschäft unterwegs. Ihre Spezialität: Sie verkauft Funkantennen aus besonders leichtem Karbon, die in Aufklärungsdrohnen von Herstellern wie Schiebel oder Boeing z.B. in Afghanisatan zum Einsatz kommen. Die Pidso-Technologie sorgt dabei dafür, das Video- und Steuerungssignale möglichst schnell, verlustfrei und sicher zwischen der Drohne und ihrem Lenker übertragen wird (die

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Quantared TechnologiesBei Quantared Technologies widmet man sich einer besonderen Spezialdisziplin: Dem Aufspüren von Öl im Wasser. Die Firma bietet eine Sensortechnologie zur Untersuchung von Flüssigkeiten und Gase auf ihre Inhaltsstoffe. Damit werden etwa Abwasserverunreinigungen auf Bohrinseln schnell gemessen - ein Deal mit dem norwegischen Energiekonzern Statoil ist bereits abgeschlossen.

SwimsolDie Idee zu Swimsol hatte Martin Putschek bei einem Besuch der Malediven: Weil es dort kaum Fläche für das Aufstellen von Solarpanelen gibt, hat er schwimmende Photovoltaik-Inseln entwickelt. Diese sollen ab 2014 auf tropischen Inseln zum Einsatz kommen und helfen, Kosten zu sparen, indem teure Diesel-Generatoren ersetzt werden. Der Nischenmarkt soll laut Putschek 1,5 Milliarden Euro groß sein.

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Frequentis: Betrieben wird das Gründerzentrum von der namensgebenden österreichischen IT-Firma  Frequentis. Weil die Räumlichkeiten in der Phorusgasse viele Jahre lang ungenützt leerstanden, stellt man diese nun jungen Start-ups zur Verfügung. Zwar ist der Betrieb des Zentrums nicht vordergründig finanzieller Natur, durch die Hilfestellung erwartet sich Frequentis aber doch Impulse fürs eigene Geschäft. So werden teilweise in die vertretenen Jungfirmen investiert bzw. deren Lösungen in eigene Produkte integriert.