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01.03.2012

E-Day: Wie Firmen mit Social Media ringen

Apps, Google, NFC, Twitter, die Cloud und natürlich Facebook: Am E-Day der Wirtschaftskammer Österreich waren jene Themen omnipräsent, die auch sonst die IT-Welt derzeit prägen. Sollen wir oder sollen wir nicht? Diese Frage stellt sich für viele österreichische Unternehmen bezüglich Social Media kaum mehr. Vielmehr suchten die etwa 3000 Besucher der Konferenz eher eine Antwort auf das "Wie".

"Wir leben in einer immerwährenden Beta-Welt", sagte der deutsche EX-IBM-Mitarbeiter, Satiriker und Buchautor Gunter Dueck in seiner launigen und vom Publikum sehr positiv aufgenommenen eDay-Keynote. Das Internet würde als fundamentales Betriebssystem alle Lebensbereiche – von der medizinischen Versorgung bis zur Ausbildung – durchdringen, allerdings würde das rasche Voranschreiten der Entwicklungen keine 100-prozentige Sicherheit mehr geben.

Damit umriss Dueck jene beiden Pole, zwischen denen vor allem Firmen in Mitteleuropa balancieren müssen. Auf der einen Seite ermöglichen neue Technologien (Smartphones, Cloud, Facebook) neue Geschäftsfelder, auf der anderen Seite wächst damit auch der Bedarf nach Sicherheitslösungen in Bezug auf die übertragenen Daten.

Firmen und die Facebook-Frage
Erwartungsgemäß war am eDay Social-Media-Marketing gefragtes Thema – und dabei insbesondere Facebook. "Viele Firmen wollen eine Facebook-Seite, aber eine ohne Kommentar-Funktion", hielt Karim Patrick Bannour von der Salzburger Agentur Viermalvier fest. Das Verständnis für Social Media sei oft noch nicht sehr tief, viele würden es fälschlicherweise nicht als wechselseitige Kommunikationsmittel. Ein weiterer Tipp: "Sparen Sie sich iPad-Gewinnspiele, viele inaktive Fans können Ihrer Seite sogar schaden." Zu berücksichtigen seien außerdem andere Meßgrößen – Facebook-Fans allein seien nicht aussagekräftig, auch die Analyse von Traffic, Buchungen etc. sei nach wie vor wichtig.

Michael Kamleitner von der Wiener Social-Software-Agentur "Die Socialisten" widmete sich gänzlich den neuen Timeline-Profilen für Facebook-Seiten, die ab 30. März verpflichtend eingeführt werden. "Große Marken haben beträchtliche Beträge in ihre derzeitigen Pages gesteckt", sagte Kamleitner. Aber Facebook würde seine Partner sicher nicht einfach vor den Kopf stoßen wollen. "Facebook tickt eben so. Keine Panik."

So würde das neue Layout viele neue Gestaltungsmöglichkeiten bringen – etwa mit dem neuen großen Header-Bild oben, der Tab-Leiste oder der Star-Funktion, mit der man Einträge groß hervorheben kann. Nachteile würden sich für jene Firmen ergeben, die auf so genannte "Landing Tabs" und "Fan-Gates" setzen. "Landing-Tabs funktionieren beim neuen Timeline-Layout nicht mehr", so Kamleitner. Doch ganz fix sei das noch nicht: "Abwarten, was die nächsten Wochen bringen." Die am Mittwoch von Facebook neu eingeführten Werbeformen würden vor allem dazu dienen, bestehende Communities zu aktivieren und zielten nicht so sehr auf das Gewinnen neuer Fans ab.

Google versuchte vor Ort, dem großen Interesse an Facebook entgegenzuwirken und schickte eigene Mitarbeiter aus, um die Besucher von den Vorzügen von Google AdWords und Google+ zu überzeugen.

Eine Frage der Sicherheit
Manfred Strohmaier vom Bundeskriminalamt lobte die Möglichkeiten von Facebook für polizeiliche Zwecke. Facebook sehe man im BKA als neuen Kanal zur Bevölkerung (Hinweis auf kriminelle Handlungen) als auch als neues Fahndungsmittel. So hätte man einen Selbstmord verhindern und sexuelle Übergriffe aufklären können.

Pessimistischer war da schon der Vortrag von Paul Karrer von Cyber Security Austria, einem Verein zur Bewußtseinsschaffung der IT-Sicherheit in Österreich. "Spionage, Sabotage, Cybercrime und Hacktivism" seien die großen Bedrohungsszenarien, so Karrer. So seien neben Energienetzen etwa auch Haussteuerungen ein immer interessanteres Ziel für Angreifer, weil deren IT-Systeme nicht ausreichend gesichert seien. "Security und Produktivität stehen sich einfach gegenüber."

Das unterstrich auch Karl Mayrhofer von Fabasoft. Ihm zufolge sei ein immer größeres Problem die Sicherheitsbedingungen in der Kommunikation zwischen Unternehmen. So würden zwar intern bereits große Anstrengungen in der Datensicherheit unternommen, wenn es aber in der Kommunikation nach außen gehe, würde oft einfach unverschlüsselte eMails gesetzt werden – einfach weil es praktisch sei.

Gefürchtete Hacker
In der Diskussion um Hacker-Angriffe kam auch Anonymous bzw. AnonAustria zur Sprache. Manfed Strohmaier vom Bundeskriminalamt stuft Anonymous als "riesiges Problem" ein, laut Roland Ledinger vom Bundeskanzleramt stünden in den Ministerien 50 IT-Spezialisten nach einer Art Freiwilligen-Feuerwehr-Prinzip bereit, um auf etwaige Angriffe zu reagieren.

Außerdem würde man sich im Austausch mit Experten in In- und Ausland (etwa den USA) neue Kenntnisse in der Abwehr von Cyber-Angriffen aneignen, Beamte in den Ministerien würden mit Foldern über richtige Verhaltensweisen etwa im Umgang mit Passwörtern informieren. Insgesamt scheinen sich die Ministerien in einer Art Wettrüsten mit Anonymous zu befinden, in der man sich mit den Erfahrungen aus dem letzten Angriff auf den nächsten vorbereite.

Insgesamt blieb das Interesse an Social Media aber weitaus größer als jenes an Sicherheitsthemen.

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