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Kongress

E-Rechnung: "Es ist noch Überzeugungsarbeit notwendig"

Seit der Bund Anfang des Jahres seine Lieferanten zur E-Rechnung verpflichtet hat, sind rund 600.000 strukturierte elektronische Rechnungen von 35.000 Lieferanten eingegangen. Die Umstellung auf die E-Rechnung sei nicht leicht gewesen, sagte Georg Popp, Sektionschef im Finanzministerium, beim 4. Kongress E-Rechnung, der am Montag in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) stattfand. Vor allem bei der für die E-Rechnung notwendige Registrierung am Unternehmensserviceportal des Bundes (USP) habe es Probleme gegeben.

"Wir glauben, dass es ein riesiges Potenzial für die E-Rechnung gibt und wollen Firmen in die Lage versetzen, eine Technik zu nutzen, die viel Geld erspart", sagt Popp. Dazu müssten aber auch Unternehmen untereinander strukturierte elektronische Rechnungen legen, meinte Popp. "Da ist noch Überzeugungsarbeit notwendig."

"Akzeptanz weiter gering"

"Die Akzeptanz der strukturierten E-Rechnung ist leicht steigend, sie ist aber weiter gering", meinte Herwig Höllinger von der WKÖ. Unternehmen müssten über die Lösungsmöglichkeiten informiert werden, dabei müssten auch Lieferanten und Kunden miteinbezogen werden. Bei vielen Unternehmen sei für die Nutzung strukturierter elektronischer Rechnungen eine komplexe Umstellung des Rechnungs- und Beauftragungsprozesses notwendig, sagte Höllinger . "Das erfordert Investitionen."

"Zahlungsmoral gestiegen"

"Wir haben die Umstellung ganz gut hinbekommen", sagte Peter Guggenberger vom Manz Verlag. Das mittelständische Unternehmen beliefert den Bund mit Büchern und Zeitschriften. Man habe bislang 13.000 strukturierte E-Rechnungen eingebracht. Die Erfahrungen seien positiv, die Rechnungen würden innerhalb der Fristen beglichen. "Die Zahlungsmoral ist gestiegen."

Es gebe aber in Österreich und der EU eine Menge kleiner Unternehmen, die nicht über das notwendige technische Know-how verfügen, um strukturierte elektronische Rechnungen zu stellen und die dazu Dienstleister benötigen würden, meinte der Verlagsmanager. "In Österreich gibt es noch zu wenige."

Ein solcher Anbieter ist der Postserver, über den Unternehmen strukturierte E-Rechnungen auch ohne eigene Registrierung am Unternehmensserviceportal des Bundes versenden können. Für Unternehmen und Verwaltung sei sehr viel an Ersparnis drinnen, sagte Alexander Leiningen-Westerburg, Verkaufsleiter bei dem Online-Zustelldienst.

"Es braucht massenmarkttaugliche Lösungen"

Es brauche massenmarkttaugliche, einfach zu nutzende Möglichkeiten, meinte Bruno Koch vom Beratungsunternehmen billentis. Die Wirtschaftskammer hoffe auf eine Vielzahl von Dienstleistern, die den Markt entwickeln, sagte Gerhard Laga vom E-Center der WKÖ. Die verpflichtende E-Rechnung an den Bund sei als Initialzündung wichtig gewesen. "Jetzt brauchen wir Dienstleister, die dafür sorgen, dass das Thema weitergetrieben wird."

E-Rechnungen in Oberösterreich

Weiter getrieben wird die E-Rechnung auch durch eine EU-Richtlinie, die ab 2019 alle öffentlich-rechtlichen Körperschaften dazu verpflichtet, strukturierte E-Rechnungen annehmen zu können. Neben dem Bund sind dies Länder und Gemeinden, sowie im öffentlichen Eigentum stehende Unternehmen. Dazu ist auch ein europäischer Standard in Arbeit.

Mit gutem Beispiel geht das Land Oberösterreich voran, das seit mehr als einer Woche von seinen Lieferanten und Dienstleistern strukturierte elektronische Rechnungen akzeptiert. "Es ist ein Angebot an die Wirtschaft", sagte Manfred Luidold von der IT-Abteilung der oberösterreichischen Landesregierung. "Wir hoffen, dass es angenommen wird."

Gemeinden bereiten sich vor

Oberösterreich greift bei der E-Rechnung auf die Infrastruktur des Bundes zurück. Die steht auch den Gemeinden offen. "Wir sind bei der E-Rechnung in der Konzeptionsphase", sagte Ronald Sallmann vom Städtebund. Man habe bereits mit dem Finanzministerium Kontakt aufgenommen, um die Plattform des Bundes nutzen zu können.

Im nächsten Jahr werde es Pilotversuche in einigen Städten geben, bei denen E-Rechnungen über das Unternehmensserviceportal des Bundes eingereicht werden könnten. Das Angebot solle in erster Linie große Unternehmen ansprechen. Für kleinere Unternehmen wolle man sich niederschwelligere Zugangslösungen überlegen.

Erfahrungen in Deutschland

Über die Erfahrungen mit der E-Rechnung in Deutschland berichtete Stefan Engel-Flechsig vom Forum elektronische Rechnung Deutschland (FeRD). Die deutsche Plattform zur Förderung der E-Rechnung veröffentlichte im Juni den Standard ZUGFeRD 1.0.

Dabei handelt es sich - anders als beim österreichischen Standard ebInterface, der auf XML basiert - um ein hybrides Format aus PDF und XML. Bislang wurde ZUGFerD 1.0 mehr als 2000 Mal heruntergeladen. Die Einsparungen für die Verwaltung durch die E-Rechnung mit strukturierten Daten bezifferte der Experte mit durchschnittlich 15 Euro pro Rechnung.

Europäischer Standard

Auch ein europäischer Standard ist in Arbeit. In Österreich und Deutschland geht man davon aus, dass die Arbeit an den eigenen Standards darin einfließt. "ebInterface und ZUGFerd sind Millioneninvestitionen. Wir haben deutlich gemacht, dass Investitionen geschützt und auch in der weiteren Standardisierung berücksichtigt werden müssen", sagte Engel-Flechsig. Es gehe darum ein Kernformat zu schaffen, das alle Verwaltungen in Europa verstehen, erläuterte Laga von der Wirtschaftskammer. Dienstleister müssten sich überlegen, wie dieser Kern erweitert werden könne. "Entscheidend ist, dass die Wirtschaft diese Services annimmt."

Die futurezone ist Medienpartner des 4. Kongresses E-Rechnung.

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Patrick Dax

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