B2B
03/01/2019

E-Scooter halten Sharing-Betrieb nicht lange durch

Eine neue Analyse zeigt, dass Elektro-Scooter im Sharing-Einsatz kaum ihren ersten Monat überstehen.

Elektro-Scooter, die von Sharing-Diensten in Umlauf gebracht werden, haben meist ein hartes Leben. Durch technische Defekte und Vandalismus landen viele Geräte in der Reparatur oder werden gleich entsorgt. Genaue Zahlen dazu gibt es nur selten. Der Newsletter Oversharing, der sich mit der Sharing-Wirtschaft auseinandersetzt, ist nun jedoch an konkrete Daten gelangt.

Etwa ein Monat

Die Daten stammen aus der Stadt Louisville im US-Bundesstaat Kentucky. Die Stadt betreibt eine Open-Data-Initiative. Die Scooter-Sharing-Dienste Lime und Bird sind in Louisville aktiv. In den Datensätzen, die öffentlich einsehbar sind, weist jeder Elektro-Tretroller eine Identifikationsnummer auf. Anhand dieser kann man erkennen, wie lange das jeweilige Gerät im Einsatz war. Von August bis Dezember 2018 kann man eine durchschnittliche Einsatzdauer von 28 Tagen feststellen. Ab Dezember in Betrieb genommene Roller kommen auf durchschnittlich 32 Tage.

Rentabilitätsfrage

Wie Oversharing vorrechnet, rentiert sich der Betrieb der Scooter mit solch einer kurzen Lebensdauer wahrscheinlich nicht. Zu diesem Schluss kommt auch Electrek. Die Betreiber von Scooter-Sharing-Diensten können laut Experten angeblich nur dann Profit erwirtschaften, wenn sie die Mietpreise erhöhen. Der Scooter-Sharing-Markt ist allerdings heiß umkämpft. Die Taktik der Betreiber könnte deshalb sein, möglichst schnell eine hohe Zahl an Nutzern zu gewinnen, um erst allmählich die Mietpreise auf ein gewinnbringendes Niveau zu steigern.

Robustere Geräte

Die Lebenszeit der Elektro-Tretroller zu erhöhen liegt allerdings ebenfalls im Interesse von Lime, Bird, Tier und Co. Wie Mashable berichtet, gibt es diesbezüglich Fortschritte. Lime hat etwa im Vorjahr ein neues Scooter-Modell präsentiert, das robuster und zuverlässiger sein soll als bisherige Modelle. Segway-Ninebot hat auf der Consumer Electronics Show im Jänner ein eigenes E-Scooter-Modell präsentiert, das speziell für Betreiber von Scooter-Flotten gedacht ist.

Abgesehen von technischen Verbesserungen bleibt allerdings noch das Problem von Vandalismus. Wie die Washington Post berichtet, werden Elektro-Tretroller oft von zufällig an einem Gerät vorbeikommenden Passanten missbraucht. Sie werden oft demoliert, angezündet und in Gewässer geworfen. Auch Cyberattacken auf die Fahrzeuge sind im Bereich des Möglichen.

Ungebrochener Boom

Die Begeisterung neuer Anbieter, in den Markt der "Personal Mobility" einzusteigen, ist dennoch ungebrochen. In Wien könnten bald der fünfte und sechste E-Scooter-Sharing-Anbieter an den Start gehen. Und auch in anderen österreichischen Städten, etwa Linz, sind kollektiv genutzte Elektro-Tretroller im Kommen.