B2B
07.11.2013

Ehrlichkeit und Offenheit bei Spiele-PR entscheidend

Damit Fans neue Indie Games wahrnehmen, ist viel PR-Arbeit nötig. Davor schrecken Spiele-Entwickler aber zurück, wie Trevor Longino, Marketing-Chef von Gog.com, erläutert.

Indie-Game-Entwickler lassen sich laut Trevor Longino in zwei Lager teilen: „Die eine Hälfte will PR für ihr Spiel machen, weiß aber nicht wie. Der andere Hälfte findet diese Aufgabe einfach nur lästig und verdrängt sie“, sagt der Marketing- und PR-Chef der Spiele-Plattform GoG.com zur futurezone. Die Plattform, die nach Steam der zweitgrößte Vertriebskanal für Indie Games ist, bringt pro Woche zwischen zwei und fünf neue Games heraus. Longinos Aufgabe ist, die Entwickler bei der Öffentlichkeits- und Pressearbeit zu unterstützen.

„Ich erkläre den Entwicklern immer, sie sollen es wie ein Spiel sehen. Es ist ein PR-Quest, das es zu erfüllen gilt, um viele Leute zu erreichen“, sagt der Amerikaner, der auf über 13 Jahre Marketing-Erfahrung zurückblickt und Donnerstag im Zuge der Subotron Pro Games Reihe in Wien zu Promotion-Arbeit spricht. Laut dem Experten glauben viele Entwickler immer noch, dass sich ihr Spiel von selbst verkauft. Longino versucht, zu vermitteln, was die Designer tun können, um ihr Werk bekannter zu machen.

Authentisch bleiben

„Viele Indies nützen ja bereits Twitter und Facebook. Ihnen ist oft nicht bewusst, dass das schon eine grundlegende Form von PR ist. Ich helfe ihnen, das zu maximieren, damit sie das meiste rausholen“, so Longino. Laut dem Experten hat sich dabei ein einfaches Rezept über die Jahre bewährt: Ehrlichkeit. Anstatt überschwänglichem PR-Gerede soll man einfach ganz natürlich und authentisch sein, das wissen Fans und Journalisten am meisten zu schätzen.

Ein weiterer Tipp, den er parat hat, ist Offenheit. „Wenn man eine Funktion am Spiel ändert oder einen Punkt aus dem Entwicklungsprozess streicht, reicht ein knappes Statement nicht. Wer die Fans für sich gewinnen will, muss sich die Mühe machen, es zu erklären“, so Longino. Ein kurzes Warum helfe schon, um das Verständnis der Spieler zu gewinnen. Schließlich sollten Entwickler auch zügig auf Kritik reagieren, um Missverständnissen und Unmut früh entgegen zu wirken. „Wer es negiert oder zu lange zögert, ist mit einer wütenden Meute konfrontiert. Die bildet sich dann eine Meinung, von der sie so schnell nicht mehr abweicht“, so der Amerikaner.

Immer höflich bleiben

Bei der Kommunikation selbst rät der Experte, keinen Unterschied zwischen Journalisten und Fans zu machen. Jeder verdiene das gleiche Maß an professioneller Behandlung – auch weil sich schlechte Manieren im Netz schnell herumsprechen und der Ruf rasch ruiniert ist. Zudem rät Longino, auch Schreiber von kleineren Blogs immer höflich zu behandeln. „Gerade im Internet kann aus einem kleinen Blog schnell eine Seite mit Millionen-Publikum werden. Da schmerzt es dann umso mehr, wenn man den Schreiber zu Beginn herablassend abgetan hat“, so Longino.

Abkürzung

Das Spiel zu vermarkten und Journalisten dafür zu interessieren, ist ein aufwendiger Prozess. Für jene, die nicht zu viel Zeit investieren wollen, hat Longino auch Tipps parat. „Entwickler sollen sich zehn Journalisten heraussuchen, die sich für ihr Spiel interessieren könnten. Dabei ist es wichtig zu recherchieren, wer sich intensiv mit dem Genre auseinandersetzt und wer wie schreibt. Diesen erklärt man dann die spannendsten Aspekte des Spiels“, sagt Longino. Wem selbst das zu viel Aufwand ist, dem rät der Experte, sich auf ein, zwei Schreiber der Top-Portale wie Kotaku oder Rock Paper Shotgun zu fokussieren. Wenn diese dann Interesse zeigen, ziehe dies weite Kreise, da auch andere Kollegen das wahrnehmen. Allerdings gibt der Experte zu bedenken, dass man als Indie Game immer im Nachteil gegenüber Blockbustern ist. Die kleinen Entwickler müssen immer große Überzeugungsarbeit leisten.

Persönlicher Kontakt

Wer mehr Zeit investieren kann und will, dem rät Longino zu einem Besuch bei einer der großen Spielemessen. „Auf der E3, der PAX oder GDC ist die Journalistendichte hoch und es ist einfacher, mit Schreibern in Kontakt zu treten“, so der Experte. Trotz Mail, Chat und digitaler Kommunikation ist persönlicher Kontakt nämlich immer noch das beste Rezept, wahrgenommen zu werden.

Gute Wertungen

Ein abschließender Tipp in Sachen PR, den Longino allen Entwicklern ans Herz legt, betrifft das Rating. Das mit Abstand am wichtigsten Kriterium für einen erfolgreichen Verkauf des Spiels ist die Bewertung auf der Shop-Plattform, und zwar noch für Rezensionen in Medien oder Wertungen auf Seiten wie Metacritic. Das Rating auf Steam, GOG oder auch Amazon beeinflusst stark, ob ein Interessant zuschlägt. Daher sollte man alle bestehenden Kunden motivieren, Rezensionen abzugeben.

Trevor Longinos VortragPR Quest: Promoting Your Game Can Be An Adventure!” beginnt Donnerstag, den 7.11., um 19.00 Uhr im Wiener Museumsquartier. Die Teilnahme an der Veranstaltung, die von der WKW gefördert wird, ist kostenlos.