B2B 09.12.2017

Erste Bank: "Kunden holen sich ihr Wissen online"

Erste Bank: "Kunden holen sich ihr Wissen online"
© Erste Bank

Erste-Vorstand Thomas Schaufler erklärt im Interview, warum Fintechs eher Partner als Konkurrenten sind und es für Start-ups weiterhin schwer ist, Risikokapital zu lukrieren.

futurezone: Die Digitalisierung hat die Finanzbranche voll erfasst. Wie äußert sich das im Kundenverhalten?
Thomas Schaufler:
Kunden sind viel selbstständiger und holen sich ihr Detailwissen über Produkte online. Abschließen wollen sie den Vertrag aber weiterhin offline in einer Filiale – etwa weil sie noch eine ganz spezielle Frage haben. Unsere Betreuer müssen dann eine extrem hohe Qualität an Beratung liefern können.

Die neue EU-Richtlinie PSD2 wird den Wettbewerb mit innovativen Zahlungsdienstleistern noch verstärken. Was erwarten Sie sich davon?
Mit George haben wir selbst eine innovative Online-Plattform geschaffen, die mittlerweile von mehr als 1,5 Millionen Nutzern verwendet wird. Für uns ist das eine Riesenchance. Kunden können künftig auch bankfremde Konten in George integrieren, um alles übersichtlich dargestellt zu bekommen. Über die offene Gestaltung der Plattform können wir auch Dienste und Services von anderen Start-ups direkt in George einbinden, was wiederum einen Mehrwert für unsere Kunden bedeutet.

Wie dockt die Erste Bank an die Start-up-Szene an? Sind Übernahmen ein Thema?
Zum einen haben wir mit der BeeOne unser eigenes Start-up gegründet, das für die Entwicklung von George maßgeblich verantwortlich war. Zum anderen halten wir ständig nach kreativen Start-ups Ausschau, deren Idee zu unserem Geschäft passen könnte. Dabei geht es aber eigentlich immer um Kooperationen. Für Start-ups ist das insofern interessant, weil wir über eine riesige Kundenbasis verfügen.

Geht es dabei immer um Lösungen aus dem Finanzbereich?
Im Idealfall begleiten wir den Kunden von seiner Geburt bis zum Vererben. Da tauchen viele Themen auf, die man zunächst nicht mit einer Bank in Verbindung bringen würde, etwa eine Immobilie kaufen oder mieten. So kooperieren wir etwa mit Zoomsquare, das einen coolen Algorithmus für eine intelligente Wohnungssuche entwickelt hat. Kunden bekommen so nicht nur ihre perfekte Wohnung angezeigt, sondern gleich auch mit dem integrierten Finanzierungsrechner aufgeschlüsselt, ob sie sich das überhaupt leisten können.

Sind die klassischen Finanz-Start-ups, die sich um ihr Kerngeschäft kümmern wollen, keine Konkurrenz?
Anfangs haben sich alle auf den Zahlungsverkehr gestürzt. Mittlerweile sind viele aber wohl draufgekommen, dass man damit gar nicht so einfach Geld verdienen kann. Dann ging es in Richtung automatisierte Beratungsprozesse, wo man bei den lukrierbaren Investitionssummen aber auch relativ schnell an die Decke stößt.

Im Moment geht der Trend eher in Richtung innovative Versicherungsmodelle, was auch für uns als Bank und für unsere Kunden interessant ist. Auch Buchhaltungslösungen für kleinere Firmen, die beispielsweise mit Zwischenfinanzierungen der Bank gekoppelt sind, sind ein Thema, das sich für Kooperationen für uns anbietet.

Inwiefern trägt die Sparkassengruppe zur Entwicklung der österreichischen Start-up-Szene sonst noch positiv bei?
Wir verfügen über ein sehr gut funktionierendes Gründercenter, wo wir mit Beratung, Vermittlung zu Förderstellen und auch Räumlichkeiten unter die Arme greifen. Mit i2B gibt’s auch eine Pattform und einen Wettbewerb, über die Firmen ihren Businessplan schreiben, überprüfen und einer Expertenjury sowie Investoren präsentieren können. Die Wettbewerbssieger der vergangenen Jahre haben so klingende Namen wie Runtastic, Shpock oder Helga.

Warum ist es für Start-ups in Österreich eigentlich immer noch so schwierig an Risiko-Kapital zu kommen?
Das hat wohl damit zu tun, dass Österreich in Wahrheit keinen gewachsenen Kapitalmarkt hat und keine ausgeprägte Börsenkultur. Wenn nicht einmal in gelistete Unternehmen investiert wird, tun sich Start-ups natürlich noch viel schwerer. Es hat sich diesbezüglich schon viel zum Positiven getan, aber Anschlussfinanzierung bekommen Start-ups in London oder Berlin immer noch leichter als bei uns.

Warum springen die Banken nicht als Kreditgeber ein?
Wir würden Start-ups gern noch ausführlicher finanzieren, aber das geht laut Regulator nicht. Weil ein Business-Modell, das sich noch nicht bewiesen hat, leider ein Ausschlusskriterium für die Kreditwürdigkeit bedeutet. Das ist ein gesamteuropäisches Thema, das für die Entwicklung des Wirtschaftsraums problematisch ist. Da der Kapitalmarkt ohnehin schon schwächer ausgeprägt ist als in den USA und dann auch auf Bankenseite strengere Regularien gelten, tun sich Unternehmen schwerer, notwendige Investitionen aufzutreiben.


Dieser Artikel entstand im Zuge einer Kooperation zwischen Erste Bank und futurezone im Rahmen der futurezone Awards.

(futurezone) Erstellt am 09.12.2017