B2B
28.07.2016

Facebook: Mit Werbung und Nutzerdaten zum Milliardenerfolg

Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, dass Facebook es versteht sich weiterzuentwickeln, um noch mehr Nutzer anzulocken und Werbeeinnahmen zu lukrieren.

Mit seinem jüngsten Quartalsergebnis hat Facebook viele Analysten überrascht. Gegenüber dem Vorjahr verdreifachte das weltgrößte Online-Netzwerk seinen Gewinn. Nach 719 Millionen Dollar im zweiten Quartal 2015 flossen zwischen April und Juni des aktuellen Jahres 2,1 Milliarden Dollar (rund 1,9 Mrd. Euro) in die Kassen. Der Umsatz stieg um 59 Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar.

Die rasanten Anstiege sind vor allem den wachsenden Einnahmen bei Werbung auf Mobilgeräten zu verdanken. 5,42 der 6,4 Milliarden Dollar gehen darauf zurück, das ist ein Anteil von 84 Prozent.

Mobiler Umschwung

"Beim Börsengang im Jahr 2012 war das schwache Auftreten von Facebook im Mobilbereich noch ein großer Kritikpunkt", meint Monika Rosen-Philipp, Chef-Analystin der Bank Austria"Facebook hat den Umschwung aber exzellent geschafft." Anders als Konkurrent Twitter sei es Facebook gelungen, Besucherfrequenz in Einnahmen umzuwandeln. Seit 2015 wird den Nutzern der Facebook-App und der mobilen Webseite deutlich mehr Werbung gezeigt. Diese wurde aber relativ diskret platziert, um Nutzer nicht abzuschrecken.

Werbekunden bietet Facebook ein attraktives Angebot. Durch die enorme Fülle an Informationen über die Nutzer können Anzeigen genau in der jeweils gewünschten Zielgruppe platziert werden. Je mehr Menschen das Netzwerk anlockt, desto bedeutender wird es für die Werbung. Derzeit liegt der Stand bei 1,71 Milliarden aktiven Nutzern pro Monat.

Längerer Aufenthalt

Unternehmen sollen künftig auch vom Facebook Messenger profitieren. Der Kommunikationsdienst soll durch automatisierte Programme zum idealen Werkzeug für Kundenbetreuung werden. Statt bei der Hotline anzurufen, kommuniziert man bei Problemen mit einem Produkt etwa mit dem Chat-Bot.

Bei der Präsentation der Quartalsergebnisse hob Facebook-Chef Mark Zuckerberg Fortschritte im Video-Bereich hervor. Der Streaming-Dienst "Facebook Live" ist eines der Ergebnisse. Nutzer können sich dabei selbst filmen und die Aufnahme direkt an ihre Freunde oder eine größere Öffentlichkeit im Netzwerk übertragen. In jüngster Zeit hat der Dienst durch live übertragene Gewalttaten höhere Bekanntheit erlangt.

Die Förderung von mehr Videos bei Facebook hat ein eindeutiges Motiv. "Eine der ersten Schwächen, die Facebook gezeigt hat, war die sinkende Verweildauer der Nutzer", meint Analystin Rosen-Philipp. "Mit Videos sollen sie länger im Netzwerk bleiben." Auch mit Nachrichten, die direkt in der Facebook-App gelesen werden können, sollen Besucher an die Plattform gebunden werden. Die entsprechende Initiative nennt sich "Instant Articles".

Wachstumsgrenzen

Die Erhöhung der Verweildauer ist eine der größten Herausforderungen für das Social Network. Noch kann das Unternehmen konstante Wachstumsraten vorweisen. Vor allem in Asien, Afrika und Südamerika wächst Facebook stark und gewinnt viele Nutzer dazu. Um diesen Trend beizubehalten, wird massiv in neue Technologien investiert.

Jüngere Menschen wenden sich allerdings vermehrt den von Facebook übernommenen Diensten WhatsApp und Instagram ab und dem wachsenden Konkurrenten Snapchat zu. Außerdem erreicht Facebook bereits heute ein Viertel der gesamten Weltbevölkerung. "Trotz der hohen Nutzerzahl immer noch einen Zuwachs zu generieren, ist eine gigantische Leistung", meint Rosen-Philipp. "Aber irgendwann ist eine Grenze erreicht." Mit der Strategie, Nutzer länger zu halten, soll die Marktposition abgesichert werden.

Seiltanz

Nach Bekanntgabe der neuesten Quartalszahlen stieg der Kurs der Facebook-Aktie um sechs Prozent. Der Erfolg an der Börse bringt Facebook zunehmend unter Druck. "Die Aktie ist teuer bewertet", meint Rosen-Philip. "Facebook darf sich jetzt keine Fehltritte erlauben." An Bedrohungen fehlt es nicht. Durch seine Steuervermeidungstaktiken gerät Facebook etwa immer stärker ins Visier US-amerikanischer und europäischer Steuerbehörden.

Internet für die Welt - aus Kalkül

Vor rund einer Woche gab Facebook den Erstflug seiner Drohne "Aquila" bekannt. Diese ist mit Solarenergie betrieben, hat die Flügelspannweite einer Boeing 737 und soll monatelang ohne Zwischenlandung auf einer Höhe von bis zu 27 Kilometern kreisen können. Aquila ist Teil der Initiative Internet.org, die Facebook 2013 gemeinsam mit sechs anderen Unternehmen gegründet hat. Das Ziel von Internet.org ist es, jenen vier Milliarden Menschen einen Internetzugang zu liefern, die bisher keinen hatten. 1,6 Milliarden Menschen leben etwa in so entlegenen Gebieten, dass sich der Netzausbau bis zu ihrem Wohnort für kein Unternehmen lohnen würde.

Mit Drohnen, Satelliten oder leistungsfähigerem Mobilfunk könnten diese Gebiete erreicht werden. Bei der Entwicklerkonferenz F8 im April stellte Facebook neue Hardware für öffentliche WLAN-Netze und ein Verfahren zur Effizienzsteigerung von Sendemasten vor. Facebook erwartet sich von der Verbreitung des Internets freilich auch weitere Kunden. Es gilt, den eigenen Dienst auch den restlichen 60 Prozent der Menschheit, die bisher keine Möglichkeit dazu hatten, näherzubringen. Die selbe Absicht verfolgt neben Facebook unter anderem auch Google mit seinem "Project Loon". Dieses sieht Ballons statt Drohnen als Internet-Zugangspunkte vor.

Aus Indien verbannt

Internet.org sieht auch die Entwicklung und Verbreitung besonders kostengünstiger Dienste in Zusammenarbeit mit Mobilfunkanbietern vor. Vor allem in Indien ist die Initiative dabei allerdings unter Kritik geraten. Facebook ermöglichte im Rahmen seines Angebots nur die Nutzung bestimmter Online-Dienste kostenlos, externe Links konnte man nicht aufrufen. Damit widersprach das Social Network dem Prinzip der Netzneutralität. Dieses sieht die gleichwertige Behandlung des gesamten Datenverkehrs im Internet vor. In Indien wurde das Angebot Anfang 2016 verboten. In anderen Teilen der Welt kommt es aber immer noch zum Einsatz.

Was Facebook über Nutzer weiß

Facebook sammelt viel mehr Informationen über Nutzer, als den meisten bewusst ist. Der IT-Konzern weiß, wann sie schlafen, was sie fernsehen oder welche Informationen sie wieder löschen.

Doch wie genau funktioniert das? Ein Blick auf die Chat-App Messenger ist für viele Facebook-Nutzer die erste und letzte Tätigkeit, die sie vor und nach dem Schlafen verrichten. Facebook kann diese Daten speichern und hat damit einen genauen Überblick über die Schlafgewohnheiten seiner Nutzer. Zudem wird Facebook vorgeworfen, dass die App mithilfe des Smartphone-Mikrofons die Gespräche sowie die Umgebungsgeräusche mithören und den Inhalt analysieren kann. Das sind aber nur zwei kleine Puzzle-Steine in einem großen Gesamten in der Welt des IT-Konzerns.

Heimischer Widerstand

Der Datenschutz-Aktivist Max Schrems hatte schon vor Jahren angeprangert, dass Facebook etwa Daten, die von Nutzern hochgeladen worden und danach wieder gelöscht worden sind, in einem Archiv gespeichert bleiben. Damit soll Facebook laut Schrems gegen geltendes europäisches Recht verstoßen. Eine entsprechende Klage wegen Datenschutzverstößen ist in Wien anhängig. Das Verfahren kann sich aber noch Jahre ziehen.

In einer anderen Sache war der Österreicher aber bereits erfolgreich: Das "Safe Harbor"-Abkommen, das den Datenaustausch zwischen Europa und USA geregelt hatte, wurde vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) gekippt.