B2B
02.08.2018

Festnetz-Internet, 5G und TV: Das plant T-Mobile mit UPC

Der T-Mobile- und UPC-Chef Andreas Bierwirth hat am Donnerstag auch die Technologie-Strategie des neuen, gemeinsamen Unternehmens vorgestellt.

Das Mobilfunkunternehmen T-Mobile Austria hat die für sein TV- und Festnetz-Internet-Angebot bekannte UPC Austria übernommen. Das bedeutet nicht nur die Entstehung einer neuen, gemeinsamen Marke, sondern auch einen Strategiewechsel bei der Ausrichtung.

T-Mobile-CEO Andreas Bierwirth, der nun seit der Übernahme die Leitung beider Unternehmen übernimmt, verändert auch seinen bisherigen Ton zum Technologie-Ausbau. Während er noch Anfang des Jahres sagte, dass die „nächste Mobilfunkgeneration das Problem der Breitband-Internetversorgung automatisch lösen“, werde, hieß es am Donnerstag vor Journalisten: „5G wird Festnetz nicht ersetzen. Die Relevanz von Festnetz wird steigen, die Datenverbindungen müssen zuverlässig und stabil sein und es geht dabei kein Weg am Festnetz vorbei.“

"Renaissance des Festnetz-Internets"

Derzeit erlebe man eine „Renaissance des Festnetz-Internets“ und für T-Mobile Austria sei die Übernahme von UPC Austria daher zum „letztmöglichen Zeitpunkt“ erfolgt, um keine wirtschaftlichen Wachstumseinbußen hinnehmen zu müssen, so Bierwirth. Durch die Integration von festen und mobilen Verbindungen will das neue Unternehmen, das fortan rund 2.524 Mitarbeiter beschäftigen wird, künftig Privat- und Geschäftskunden mit Internet versorgen.

Dazu will UPC das Glasfaserkabelnetz von UPC in urbanen und suburbanen Regionen mit dem flächendeckenden LTE-Netz von T-Mobile Austria kombinieren. Das Glasfasernetz von UPC will Bierwirth auf „Gigabit-Geschwindigkeit“ upgraden. Bis 2021 soll das „ultraschnelle Glasfaserkabelnetz“ bereits für zwei Millionen Haushalte zur Verfügung stehen. Derzeit seien es 1,4 Millionen Haushalte, so Bierwirth.

Gigabit-Geschwindigkeit

Auf die Frage der futurezone, wie man den Ausbau des Glasfasernetzes auf „Gigabit-Geschwindigkeit“ erreichen wolle, antwortete Bierwirth: „Der Ausbau der Geschwindigkeit erfolgt im Rahmen der natürlichen Entwicklung. Wir werden Partnerschaften mit anderen Kabelnetzbetreibern forcieren und werden uns noch höher und breiter aufstellen.“ Einen konkreten Zeitrahmen nannte Bierwirth für den Gigabit-Ausbau allerdings nicht.

Zusätzlich zum Kabelnetz möchte die ab 2019 unter der Dachmarke „T“ fungierende Telekom-Firma eine flächendeckende Versorgung durch LTE-DSL-Hybrid- und DSL-Anschlüsse herstellen sowie den 5G-Ausbau ab 2019 vorziehen. „Wir wollen schon 2019 damit beginnen, das 5G-Netz im Echtbetrieb für unsere Kunden aufzubauen“, erklärt Bierwirth. Insgesamt seien vom Mutterkonzern in Deutschland rund 242 Millionen Euro als „Netzinvestition“ geplant, so Bierwirth bei der Pressekonferenz.

Entertainment- und TV-Bereich

Neben dem geplanten Netzausbau ist auch der neu hinzu gewonnene „Entertainment“-Bereich für T-Mobile interessant. „Damit wird digitales Entertainment zum zentralen Bestandteil des neuen Unternehmens“, so Bierwirth. Vor allem junge Kunden würden derzeit bereits wild zwischen ORF-Sendungen und Netflix hin- und herwechseln, so Bierwirth. Als Zwischentrend würden die Kunden hier viele verschiedene Apps nutzen, doch langfristig würden diese von einem Ort aus auf das Angebot zugreifen wollen, so Bierwirth. „Wir wollen dieses Einstiegstor sein und eine Orientierung geben wie eine Programmzeitschrift.“

Im Zentrum des Angebots an digitalem Fernsehen, Videoplattform, Entertainment wie eSports soll hier weiterhin die bewährte Horizon-Plattform stehen, die von Liberty Global lizensiert wurde und laufend weiterentwickelt wird. Das TV-Angebot soll künftig allen T-Mobile- und UPC-Kunden flächendeckend in Österreich zur Verfügung stehen, unabhängig von der verwendeten Technologie oder dem benutzten Endgerät. Dabei handelt es sich derzeit um 180 digitale TV-Kanäle und rund 10.000 On-Demand-Titel mit 7-Tage-Replay-Möglichkeit.

Größter Konkurrent bleibt A1

Ab 2019 werde es auch neue, integrierte Produkte geben, so Bierwirth. Der neue große Telekom-Konzern-Riese wappnet sich damit gegen den derzeitigen Marktführer A1, der derzeit Spiele der Fußball-Bundesliga via Stream überträgt. Trotz der UPC-Übernahme bleibt A1 (Telekom Austria) nämlich an der Spitze. Das teilstaatliche Unternehmen unter mexikanischer Führung kam im Vorjahr auf 2,62 Milliarden Euro Umsatz, während T-Mobile und UPC bei 1,25 Milliarden Euro stehen.