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Förderung

"Frontrunner": Stärkung für Branchenführer

"Frontrunner sind Sportler, die in ein Rennen gehen und dieses von Anfang an dominieren - und natürlich als erste ins Ziel kommen", erklärt Klaus Pseiner vom austria wirtschaftsservice die Namensgebung der gleichnamigen Initiative. "Frontrunner" wurde gemeinsam vom BMVIT, der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), dem austria wirtschaftsservice (aws) und Joanneum Research ins Leben gerufen.

Mit 20 Millionen jährlich werden Unternehmen aus einer kleinen Gruppe künftig stärker gefördert. Laut einer Studie von Joanneum Research fallen rund 400 heimische Unternehmen unter die Kategorie "Frontrunner". Das sind zwar nur ein Prozent aller Unternehmen in Österreich. Diese weisen aber 6 Prozent aller Beschäftigten auf, 9 Prozent der Wertschöpfung und 41 Prozent aller Forschungsausgaben. Viele der Unternehmen können als "hidden champions", als weitgehend unbekannte Markt- und Technologieführer, bezeichnet werden.

Spitzenposition verteidigen
Dennoch befinden sich auch diese Unternehmen in hartem Kosten- und Qualitätswettbewerb. Laut der Joanneum-Studie sehen "Frontrunner"-Unternehmen vor allem die lange Entwicklungsdauer einiger Produkte, hohe Investitionskosten und ein Mangel an öffentlichen Förderungen als Hauptrisiken. Die neue Förderinitiative soll hier Erleichterung bringen.

"Produktion ist enorm wichtig", sagt Bundesministerin Doris Bures. "Bei Frontrunner geht es mir darum, Österreich als Wirtschaftsstandort und Industriestandort zu stärken." In vielen Bereichen gehe es darum, die "Pole Position" zu verteidigen. Der Abstieg von Nokia zeige etwa, dass man die Spitzenposition schnell verliert, wenn der Technologiefortschritt verloren geht: "Man kann sich niemals auf seinen Lorbeeren ausruhen."

Industrie im Fokus
Der Fokus auf die Industrie freut klarerweise auch Georg Kapsch, den Präsident der Industriellenvereinigung: "Frontrunner ist erstmals wirklich eine Initiative, die sich auf eine ganz spezifische Unternehmensgruppe spezialisiert." Kapsch erinnert daran, dass die Lage der Industrie in Österreich zwar gut, aber nicht allzu rosig ist. "Im Innovationsranking der EU sind wir in den letzten Jahren zurückgefallen - von Platz fünf auf Platz neun."

Als begrüßenswert empfindet Kapsch den Umstand, dass mit "Frontrunner" auch große Unternehmen gefördert werden, während viele andere Förderungsvorhaben auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) abzielen: "Großunternehmen beschäftigen ja auch viele KMUs." Sowohl Kapsch als auch Ministerin Bures betonen die Sogfunktion, die große Industrieunternehmen auf Innovationen auswirken.

Qualitätssteigerung statt Lohnabbau
Österreich hält laut Bures mit 17 Prozent einen relativ hohen Industrieanteil. Der sei aber gerade in wirtschaftlich wechselhaften Zeiten von Vorteil. Allerdings sei Österreich kein Niedriglohnland. Auch aws-Geschäftsführerin Edeltraud Stiftinger spricht das Problem an: "Österreichische Unternehmen haben keine Alternative als innovativ zu sein. Im Vergleich zu Billiglohnländern kann Österreich nur erfolgreich sein, wenn wir um das besser sind, was wir teurer sind."

Als Beispiele für Unternehmen, die die "Frontrunner"-Vorgaben erfüllen, treten bei der Präsentation der Initiative Vertreter des Sensortechnik-Herstellers Frauscher, des Motorkomponenten-Spezialisten Pankl Engine Systems und des Spritzgießmaschinen-Produzenten Engel auf. Mit "Frontrunner"-Förderungen planen sie unter anderem die Entwicklung von Teilen, die für die Markterweiterung notwendig sind, den Ausbau der Forschungsquote, sowie die Förderung der Produktion im Inland.

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David Kotrba

Ich beschäftige mich großteils mit den Themen Mobilität, Klimawandel, Energie, Raumfahrt und Astronomie. Hie und da geht es aber auch in eine ganz andere Richtung.

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