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Wandel
01/29/2012

Googles Suchstrategie für das Web der Zukunft

Googles Link-Algorithmen spielen bei der Suche eine immer geringere Rolle. Die Suchergebnisse werden persönlicher, sozialer – und empfehlender.

von Christiane Schulzki-Haddouti

Googles Suche wird immer persönlicher. Vor wenigen Tagen führte der Suchkonzern die "soziale Suche" ein, die jedoch vorerst für Nutzer in den USA frei geschaltet wurde. Hier können Nutzer, die auch über einen Google-Account und einen Googleplus-Profil verfügen entscheiden, welche Art von Suchergebnisse sie angezeigt bekommen: Die Ergebnisse der globalen Suche, so wie sie bislang angezeigt wurde, oder die Ergebnisse der sozialen Suche, die auch Links zu Personen und Seiten beinhaltet, die aus dem eigenen Googleplus-Profil stammen. Dabei wertet Google die Inhalte aus, die die Kontakte des Googleplus-Profils mit anderen geteilt haben. Die Google-Suche verschmilzt damit nahtlos mit Googleplus.

Österreichische Nutzer sehen in ihren Suchergebnissen heute schon, wenn sie in ihrem Google-Account eingeloggt sind, welche Seiten von ihren Kontakten empfohlen oder geteilt wurden. Unterschiede gibt es auch in der Reihenfolge der Suchergebnisse, die leicht anders aussehen.

PageRank-Algorithmus wurde immer schlechter
Die Reaktionen in den USA fielen bislang sehr gemischt aus. Das IT-Magazin CNet etwa sieht darin eine konsequente Ergänzung der bisherigen Suchergebnisse, die auf den Berechnungen von Algorithmen beruhten. Es verweist darauf, dass der PageRank-Algorithmus schon seit einigen Jahren immer schlechtere Ergebnisse produziert, da zu viele der so genannten Suchmaschinenoptimierer mit diversen Methoden ständig daran arbeiten ihre Seiten im Suchindex nach oben zu drücken.

Der Google-Algorithmus spielt außerdem eine zunehmend geringere Rolle, seitdem Google Wert auf eine minutengenaue Aktualität Wert legt: Denn der vornehmlich auf Links basierende PageRank-Algorithmus benachteiligt die Webseiten, die über wenige eingehende Links verfügen. Dazu zählen vor allem Seiten mit aktuellen Nachrichten.

Neue Googleaccount-Nutzer erhalten Googleplus-Profil automatisch
Das Online-Magazin ReadWriteWeb hingegen begrüßte zwar, dass Nutzer zwischen der persönlichen und globalen Suche hin- und herschalten können und auch die persönliche Suche deaktivieren können. Harsch kritisierte es jedoch, dass Google Nutzer, die einen neuen GoogleAccount anlegen automatisch auch ein Googleplus-Profil erhalten und in der Grundeinstellung nur noch persönliche Suchergebnisse präsentiert bekommen.

Google ergreift Partei für sich selbst
Zudem, so kritisierte ReadWriteWeb, berücksichtige die neue soziale Suche lediglich Ergebnisse aus Googleplus, ignoriere jedoch Links, die von Facebook- oder Twitter-Nutzern geteilt werden. Damit sei die Google-Suche nicht mehr neutral, sondern nehme Partei für das eigene Unternehmen.

Ein Team von Entwicklern für Facebook, Twitter und Myspace nahm daher die neue soziale Suche von Google mit einer Browser-Ergänzung aufs Korn, mit der Googles Suchergebnisse durch Ergebnisse aus Twitter und Facebook sowie der Filmdatenbank IMDB ergänzt werden. Erhältlich ist die Software über die Website FocusOnTheUser.org, wobei sie vorerst nur für US-Nutzer sinnvoll ist, die die neue soziale Suche bereits nutzen können.

Flucht nach vorn?
Googles neue Suchpolitik ist letztlich eine Reaktion auf die Entwicklung in den letzten Jahren: Immer mehr Menschen wandten sich sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter zu, da hier vor allem Links angezeigt werden, die von Personen mit anderen Personen geteilt wurden. Die Forderung der Experten lautete daher schon seit längerem, dass die Suche von Google nur dann besser werden könne, wenn sie sozialer werden würde.

Google veränderte daher in den letzten zwei Jahren seine Suche auf unterschiedliche Weise: Es machte die Suche persönlicher und direkter. Die Suche gestaltete Google persönlicher, in dem es die Suchhistorie seiner Nutzer aufzeichnete und diese dazu verwendete, individuellere Ergebnisseiten zu produzieren. Bei eingeloggten Google-Nutzern erfolgt dies etwa über das Suchprotokoll, aber nicht eingeloggten Nutzern über Cookies und andere individuelle Kennungen wie etwa die IP-Adresse, die Auskunft über den Ort des Nutzers gibt.

Google liefert erst einmal Antworten, dann Links
Dies nutzt Google in einem weiteren Schritt dafür, auf Suchanfragen nicht nur Links zu produzieren, sondern gleich Antworten zu liefern. Google-Manager Eric Schmidt sagte: "Wir versuchen mehr Suchergebnisse zu produzieren, die eher aus Algorithmen-basierten denn aus Link-basierten Antworten bestehen." Wer heute etwa den Namen eines aktuellen Kinofilms eingibt, erhält als erstes Suchergebnis eine Liste der Filme, die in den Kinos des mutmaßlichen Wohnorts gerade laufen.

In den kommenden zwei Jahren will Google sich im lokalen Bereich der sogenannten Predictive Search, der vorhersagenden Suche, widmen: Erst im Dezember kaufte der Konzern das Startup Clever Sense, das Empfehlungen aussprechen will, bevor überhaupt eine Suchanfrage gestartet wurde. Clever Sense hatte die mobile App "Alfred" entwickelt, die persönliche Empfehlungen für nah gelegene Restaurants und Cafes liefert. Die Empfehlungen, die Ort, Zeit und Kontext berücksichtigen sollen, basieren auf künstlicher Intelligenz und bereits gesammelten Daten. Künftig sollen zu den Empfehlungen auch Kauftipps ähnlich wie bei Groupon gehören, oder auch Freizeit- und Unterhaltungstipps.

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