B2B
06.03.2012

IBM: Alle Macht den Konsumenten

Allein an der Wall Street fallen im Tagesgeschäft täglich ein Terabyte an Daten an, die kommuniziert und verzeichnet werden, bei Twitter werden etwa 200 Millionen Tweets pro Tag veröffentlicht. Die digitale Datenexplosion, die derzeit gerne auch unter dem IT-Modebegriff "Big Data" diskutiert wird, macht Unternehmen zunehmend zu schaffen.

Um Kundenverhalten heute verstehen und antizipieren zu können, sei die Analyse dieser unaufhörlichen Datenströme unvermeidlich, meinte IBM-Manager Michael Rhodin in seiner Keynote auf der CeBIT. "Konsumenten haben heute viel mehr Macht als früher und sind viel schwieriger auf traditionellem Weg zu überzeugen", so Rhodin. Laut einer aktuellen Untersuchung würden bereits 78 Prozent der Konsumenten den Werbebotschaften von Unternehmen keinen Glauben mehr schenken. Dazu komme, dass die Kaufentscheidung immer häufiger online getroffen werde - sei es nun über den Kauf in einem Webshop oder die Beeinflussung durch Freunde und andere Konsumenten in sozialen Netzwerken.

Unternehmen im Blindflug

"Wenn Unternehmen diesen Datenfluss in sozialen Netzwerken, in Foren, aber auch auf der eigenen Webseite nicht beobachten und auswerten, sind sie völlig blind, was ihre Marken- und Produkt-Performance betrifft", meint Rhodin. Die Zeiten, in denen ein Produkt für eine bestimmte Zielgruppe an einem bestimmten Ort auf den Markt gebracht werde, sei angesichts der digitalen Globalisierung vorbei: "Die Auswertung von Big Data kann Unternehmen früh aufzeigen, ob sie noch den richtigen Weg beschreiten oder etwa ein gänzlich anderes Produkt oder eine andere Strategie entwickeln müssen. Unternehmen, die Kunden nicht auf Augenhöhe begegnen, haben von vornherein verloren."

Leistungsstarke Computer und Software, die für die Auswertung von Big Data notwendig sind, können nach Ansicht des IBM-Managers aber nicht nur zur Geschäftsoptimierung eingesetzt werden. Vielmehr werde die ganze Gesellschaft von den neuen Computing-Möglichkeiten profitieren, wenn mächtige Analysetools etwa in der Medizin oder in der Wissenschaft eingesetzt würden. Die Möglichkeiten sind laut Rhodin beinahe unbegrenzt: Ob im E-Health-Bereich, in der IT-Security, bei Energie- und Verkehrskonzepten oder im Bankwesen - werde die Analyse von Big Data zukünftig einen immer wichtigeren Beitrag leisten.

Datenschutz wird geringere Rolle spielen

Auf die Frage, wie das Sammeln, Zusammenführen und Auswerten von Daten mit Datenschutz und Privatsphäre vereinbar sein, meinte Rhodin, dass jedes Unternehmen und jedes Land sich dieser Herausforderung stellen müsse. Dass die Stimmung bezüglich Datenschutz und Privatsphäre derzeit sehr kritisch sei, relativierte Rhodin mit einem Verweis auf "über 750 Millionen Facebook-User". Diese hätten kein Problem damit, alles Persönliche mit der Welt zu teilen. "Die gesellschaftliche Norm diesbezüglich ändert sich gerade sehr", so Rhodin.

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