B2B 03.10.2017

Innovation: "Wir müssen in Leute investieren"

Beim Austrian Innovation Form wird erörtert, wie Innovation in Unternehmen gefördert werden kann. © Bild: Getty Images/iStockphoto/Rawpixel/iStockphoto

Am 12. Oktober findet in Wien das Austrian Innovation Forum statt. Untersucht wird, was Unternehmen antreibt oder daran hindert, innovativ zu sein.

"Altbewährtes mit anderen Augen sehen", empfiehlt Christina Rami-Mark Firmen, die ihren Innovationsgeist fördern wollen. Die Geschäftsführerin der Mark Holding weiß, wovon sie spricht. Ihr Unternehmen aus dem oberösterreichischen Spital am Phyrn ist vom Schuhösenhersteller zum Weltmarktführer in der Metallumformtechnik aufgestiegen. "Wir haben uns gefragt, wo man die Teile, die wir produziert haben noch einsetzen kann", sagt Rami-Mark. Heute sind in jedem europäischen Auto rund 200 von dem Unternehmen produzierte Teile verbaut. Auch einen Hydraulikzylinder aus Carbon wurde in dem 500 Mitarbeiter zählenden Betrieb entwickelt.

Beim Austrian Innovation Forum, das am 12. Oktober im neuen WeXelerate-Start-up-Zentrum im Design Tower am Wiener Donaukanal unter dem Motto "Champions of Innovation" stattfindet, wird Rami-Mark erörtern, wie das Innovationsklima verbessert werden kann. "Uns machen auch unsere Leute besonders, sagt die Unternehmerin: "Firmen müssen bereit sein, in Leute zu investieren, sie müssen Lehrlinge ausbilden und Facharbeiter weiterbilden." Bei der Mark Holding wurde dazu eine eigene Akademie ins Leben gerufen, in der Mitarbeiter ihr Wissen an Kollegen aus anderen Bereichen weitergeben, auch eine Schule, die Lehre mit Matura verbindet wurde mitgegründet. Rami-Mark: "Wir brauchen gute Leute. Das ist das Fundament auf dem wir bauen."

Selbstbestimmtes Arbeiten und Freibier

"Innovation entsteht aus viel Freiheit", weiß Roland Fink, der 2005 die niceshops-Gruppe gründete, die mit einem Jahresumsatz von 30 Millionen Euro zu den größten E-Commerce-Unternehmen in Österreich zählt und 80.000 Bestellungen monatlich ausliefert: "Die Leute müssen selbstbestimmt arbeiten können", sagt der Geschäftsführer des im steirischen Paldau ansässigen Unternehmens, das 120 Mitarbeiter beschäftigt, die ihren Arbeitgeber auf Bewertungsplattformen im Netz vorwiegend gute Noten ausstellen. Sie erhalten kostenloses Mittagessen und Getränke, können unkompliziert von Vollzeit zu Teilzeit wechseln und Freitag gibt es Freibier für alle. In einer Branche in der der Mensch vorwiegend als Fehlerquelle und Kostenfaktor gesehen werde, sei dies nicht selbstverständlich, betont Fink. "Wenn man es auch noch schafft, die Hierarchie flachzuhalten, entsteht etwas Großartiges."

Ein Karton, der kein Klebeband mehr braucht, wurde von Finks Mitarbeitern ebenso entwickelt wie ein E-Bike, das den Akku im Rahmen verbaut hat und "tatsächlich wie ein Radl ausschaut", wie Fink bemerkt: "Es ist interessant, wie leicht in einem solchen Umfeld Innovation entsteht."

"Bottom-up-Kultur"

"Für echte Innovation musst du eine Bottom-up Kultur schaffen", sagt Walter Kreisel vom oberösterreichischen E-Mobilitätsspezialisten Kreisel Systems, der Energiespeicherlösungen entwickelt und 125 Mitarbeiter in Freistadt, Kalifornien und Shanghai beschäftigt, an die durchaus hohe Anforderungen gestellt werden. "Unsere Leitsätze lauten, gib alles, denke zwei Mal bevor du reagierst und entscheide mit deinem Herzen", erzählt Kreisel, dessen Firma vor kurzem prominente Investoren gewinnen konnte und ein Entwicklungszentrum im Mühlvierteil eröffnete.

Blick über den Tellerrand

Beim Austrian Innovation Forum wolle man Mut machen, etwas zu verändern, sagt Veranstalter Blocher. "Es geht um Unternehmen, die wissen, dass man Innovation nicht von oben herab verordnen kann." Dabei wolle man auch über den Tellerrand hinausschauen, kündigt Blocher an. Kunst als Inspiration für Innovation werde ebenso Thema sein, wie Innovationsmodelle in anderen Ländern. Dabei werde aber nicht ins Silicon Valley geschaut, sondern nach Afrika: "In der Subsahara gibt es eine lebhafte Start-up-Szene." Aber auch grundlegende Probleme sollen bei dem Forum zur Sprache kommen. Blocher: "Wir leben noch immer in einer Kultur, wo Menschen nach Fehlern bewertet und nicht nach Talenten gefördert werden."

Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und dem Austrian Innovation Forum entstanden.

( futurezone ) Erstellt am 03.10.2017