B2B
17.01.2014

Intel: “Killer-Hardware für Wearables fehlt noch”

Intel setzt auf und Wearables, um das Geschäft mit Chips weiter auszubauen. Mit dem Mini-Computer Edison soll der erste Schritt gelingen, sagt Vizepräsident Gregory Pearson.

Bei Smartphones ist die Konkurrenz dem weltgrößten Chiphersteller Intel davongezogen. Bei Wearables, am Körper getragene Computer, und dem Internet der Dinge, bei dem Alltagsgegenstände mit Computerchips ausgestattet werden, soll dies nicht passieren, sagt Intel-Vizepräsident Gregory Pearson im Gespräch mit der futurezone.

futurezone: Ihr Chef, Brian Krzanic,h hat sich kürzlich begeistert von Intels neuen Chips für Wearables und andere vernetzte Geräte gezeigt und gemeint, er wolle künftig alles smart machen. Setzt Intel deshalb so stark auf diese Technologien, weil der Konzern das Aufkommen der Smartphones damals verschlafen hat?
Gregory Pearson: Viele Leute wissen nicht, dass Intel schon seit 48 Jahren die kleinsten und kostengünstigsten Chips der Welt herstellt. Wir mögen gesunde Konkurrenz. Die haben wir schon seit den Anfangstagen des PC-Geschäfts und erwarten sie auch bei Wearables. Dass wir das mobil Geschäft verpasst haben, stimmt so nicht. Wir hatten schon 2006 Mobiltelefone, mit unseren Chips auf ARM -Basis. Dann sind wir auf unsere eigene Architektur umgestiegen. Das hat mehr Zeit gekostet, als wir erwartet hatten.

Trotzdem haben andere schneller reagiert und Erfolg gehabt. Wie will Intel das bei den neuen Geräteklassen verhindern?
Wir sind eine der entscheidenden Triebkräfte, die das Fortbestehen von Moore’s Law (die Annahme, dass sich die Zahl der Transistoren auf gängigen Chips zirka alle ein bis zwei Jahre verdoppelt) sichern. Die Voraussetzungen sind diesmal anders. Smartphones waren keine Revolution, Wearables hingegen sind tatsächlich etwas komplett neues. Wir investieren früh und locken die richtigen Partner an. Es geht letztendlich immer um Innovation.

Einige Experten sprechen bereits von einem baldigen Ende von Moore’s Law. Dass es physikalische Grenzen gibt, ist nicht zu leugnen. Was macht Intel, wenn neue, kleinere und stromsparende Chip-Generationen zunehmend teurer werden?
Wir glauben weiterhin an Moore’s Law. Es wird aber nicht einfacher, neue Chip-Generationen zu entwickeln. Der Schritt zur neun Nanometer-Fertigung wird schwieriger als der zur 14-Nanometer Technologie. Aber das war schon in der Vergangenheit so. Als ich bei Intel angefangen habe, gab es noch 80 Konkurrenzunternehmen. Jetzt nur noch eine Hand voll. Uns gibt es jedenfalls noch.

Mit welcher Strategie sollen diese Schwierigkeiten bewältigt werden?
Wir haben verschiedene Ansätze. Wir werden weiterhin unsere High-End-Prozessoren entwickeln, aber auch kleine, günstige Chips, die intelligente Stromspar-Systeme mitbringen. Mit unserer Quark-Architektur werden wir Chips für Geräte anbieten, die noch weit kleiner sind als Tablets und Smartphones.

Ist Edison, ihr Computer im SD-Karten-Format, ein Schritt in diese Richtung?
Edison basiert auf unserer Quark-Architektur. Es handelt sich dabei um ein SoC (System on a Chip). Wir bewegen uns auch auf anderen Gebieten in Richtung SoCs.

Wo soll Edison eingesetzt werden?
Edison läutet die nächste Welle der Vernetzung ein. Das System ist so klein, dass es praktisch überall eingebaut werden kann. Damit lassen sich verschiedenste Objekte vernetzen und smart machen, etwa Kleidung. Durch neue Technologien können wir die Anforderungen an Wearables erfüllen, die etwa nach Akkulaufzeiten von Tagen, nicht nur Stunden, verlangen. Der potenzielle Markt für eingebettete Systeme ist enorm und Intel will dabei sein.

Soll Edison auch als System für Bastler vermarktet werden, wie etwa der Raspberry Pi?
Warum nicht? Die Menschen sollen damit machen, was immer sie wollen. Wir werden entsprechende Entwickler-Werkzeuge anbieten.

Ist der Durchbruch für Wearables wirklich schon in Sichtweite?
Es gibt bereits erfolgreiche Produkte, aber noch sind das Nischenmärkte. Die Killer-Hardware zur richtigen Zeit, die den Weg für eine ganze Reihe Nachfolger bereitet, fehlt noch. Gerade im Endverbraucher-Markt gibt es Probleme. Eine Smart-Watch etwa braucht die richtige Akku-Laufzeit und das richtige Design, gepaart mit nützlichen Anwendungen. Das hat bislang niemand geschafft. Es ist wie bei den Jetpacks. Jeder hätte gerne eins, wenn sie ausgereift wären. Um weiterzukommen, arbeiten wir bereits mit Unternehmen zusammen, mit denen uns bisher niemand in Verbindung gebracht hätte, etwa Partner aus der Modebranche.

Trotz des bislang ausgebliebenen Erfolgs hat auch Intel soeben eine Smartwatch vorgestellt.
Im Moment sehe ich das größte Potenzial eher in Wearables, die eine bestimmtes Problem lösen. Etwa unsere Kopfhörer, die den Puls des Trägers messen. Das ist für Jogger eine fantastische Sache.

Wie wichtig ist der Wearables Markt für Intel und welche Bereiche bekommen besondere Aufmerksamkeit?
Unsere Erwartungen sind derzeit bescheiden, aber wir investieren im großen Stil und haben unsere besten Leute auf das Gebiet angesetzt. Der Uhren-Markt könnte demnächst ziemlich groß werden, wenn etwa auch Firmen wie Rolex Produkte auf den Markt bringen. Auch Technologien, mit denen die Sicherheit von Kindern überwacht werden kann, haben Potenzial.

Wie sieht es mit finanziellen und quantitativen Erwartungen aus? Was erhofft sich Intel durch die neuen Technologien?
Dazu geben wir keine Auskünfte.

Wenn ihr Plan aufgeht, wird Intel für Wearables und das Internet der Dinge mehr Chips verkaufen als je zuvor.
Der Markt ist riesig, deshalb investieren Firmen wie Intel. Aber wir sind allein nicht auf die Chips angewiesen. Wir freuen uns auch, wenn wir die Xeon-Server liefern können, mit denen die ganzen neuen Geräte verwaltet werden. Intel betreibt die Cloud, und je mehr Geräte smart werden, desto mehr Daten gibt es zu analysieren.

In anderen Bereichen sieht die Zukunft derzeit weniger rosig aus. Bei Spielekonsolen etwa spielt Intel derzeit keine Rolle mehr.
Das stimmt. Wir haben früher Chips für die Xbox geliefert und auch mit Sony und Nintendo verhandelt, die Chemie stimmt im Moment aber nicht. Wir konzentrieren uns deshalb auf PC-Gaming, einen riesigen Markt. Unsere Position ist komfortabel, weil wir hier auch High-End-Produkte liefern können. Wir sprechen aber nach wie vor mit Sony, Nintendo und Microsoft. In künftigen Konsolen sind wir vielleicht wieder dabei.

Denkt Intel für die kleineren, sparsameren Chips neue Produktionsprozesse an, etwa 3D-Druck?
Es gibt nichts, was nicht mit 3D-Druckern gefertigt werden kann, von Nahrung bis zu menschlichen Organen. Die Technologie wird aber dahin gehen, wo sie einen Mehrwert bringt. Wir haben derzeit keine Überlegungen in diese Richtung.