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Österreich
05/11/2012

IT-Firmen fordern bessere IKT-Infrastruktur

Im Rahmen des ersten Konvents für Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) in Wien haben Führungskräfte der heimischen Mobilfunklandschaft, sowie HP- und Microsoft-Vertreter mehr Entgegenkommen vom österreichischen Staat gefordert. Österreich sei "überreguliert" und investiere zu wenig in die Infrastruktur der IKT.

von Thomas Prenner

Österreichs führende IT-Unternehmen sehen den Staat in Sachen Informations- und Kommunikationstechnik gefordert. So trage der heimische IKT-Markt mit rund 23,75 Milliarden Euro einen Anteil von etwa 8,66 Prozent zum Bruttoinlandsprodukts (BIP) bei. „Wir tragen in Österreich mehr als der Tourismus bei", erklärt Rudolf Kemler, Generaldirektor bei HP Österreich, im Rahmen einer Pressekonferenz des Fördervereins „Internetoffensive Österreich", der den IKT-Konvent veranstaltet. Dem Verein gehören neben der A1 Telekom noch die Mobilfunker T-Mobile und Orange, sowie HP, IBM, Microsoft Österreich, der Compass Verlag, Raiffeisen Informatik Consulting und WH Medien an.

Wachstum
In Sachen Wachstum sieht sich der IKT-Sektor an der Spitze. So seien 40 Prozent des österreichischen Produktivitätszuwachses auf diesen Sektor zurückzuführen. Trotz der guten Zahlen nehme der Staat nicht genug Rücksicht auf die Branche. In einem Prioritätenkatalog hat Internetoffensive Österreich die wichtigsten Punkte aufgezählt, um die sich der Staat kümmern müsse. Darin werden etwa Schritte zu offenen Daten und mehr öffentlicher Verwaltung im Internet gefordert, sowie eine Venture Capital Initative zur Schließung von Finanzierungslücken für High-Tech-Unternehmen. Andere Punkte sind etwa die Forderung nach einer „Task Force Urheberrecht", sowie Breitbandförderung.

Infrastruktur
Insgesamt soll die Infrastruktur in Sachen IKT weiter gestärkt werden. Orange-CEO Michael Krammer erklärt: „Infrastruktur sind nicht nur Schienen und Straßen, auch die Telekom-Infrastruktur spielt eine große Rolle. Während der Staat mit 42 Milliarden in Straßen und Schiene investiere, gibt es für die IKT-Branche nichts".

Krammer fordert dabei allerdings keine finanzielle Unterstützung, sondern die richtigen Rahmenbedingungen: „Im Mobilfunk geht es darum, neue Frequenzen frei zu machen". T-Mobile-CEO Robert Chvátal sieht Österreich in manchen Hinsichten sogar als „überreguliert".

A1-Generaldirektor Hannes Ametsreiter will darüber hinaus, dass neue Unternehmen unterstützt werden: „Es ist notwendig Start-ups zu entwickeln und zu fördern." Auch müsse bereits in Schulen Medienkompetenz vermittelt werden und entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt werden. Harald Leitenmüller, CTO von Microsoft Österreich, zitiert eine Studie, wonach 80 Prozent der 15-Jährigen ihren PC zu Hause regelmäßig verwenden, in der Schule jedoch nicht. Hier fehle es einerseits an den Geräten, als auch an der entsprechenden Ausbildung der Lehrer.

Internationaler Vergleich
Im „Network Readiness Index" des Global Information Technology Report 2012 des World Economic Forum (WEF) liegt Österreich im Vergleich mit 142 Staaten auf Platz 19 mit einer Punktezahl von 5,25. Längerfristig will der Förderverein in die Top-5 vordringen. Auf dem ersten Platz befindet sich derzeit Schweden mit einer Punktezahl von 5.94, auf Platz zwei liegt Singapur (5,86 Punkte), Platz drei geht an Finnland (5,81 Punkte).

Für den Vergleich werden 53 Einzelkritierien ausgewertet. Im „Internet- und Telefoniewettbewerb" bekommt Österreich die Bestnote, bei der „Verfügbarkeit von digitalem Content" ist es Platz 4. Besonders schlecht scheidet Österreich etwa in den Punkten „Unternehmens- und Innovationsumfeld" (Rang 37) und „Regierungsarbeit" (Rang 39) ab.