B2B
02.03.2012

"Kein Wettbewerb am EU-Roaming-Markt"

Auf dem europäischen Roaming-Markt gibt es nach Ansicht von Telekom-Regulator Georg Serentschy keinen Wettbewerb. Telekom-Regulatoren schlagen deshalb vor, Roaming-Produkte künftig zu entbündeln. Das würde für Konsumenten bedeuten, dass sie sich einen Roaming-Vertrag bei einem anderen Betreiber nehmen könnten.

„Was wir bisher haben, ist ein Schutz der Konsumenten durch Preis-Caps, aber unterhalb dieser Preis-Caps hat sich kein Wettbewerb herausgebildet“, sagte der RTR-Chef am Freitag bei einem Pressegespräch in Wien, „de facto klebt jeder an der Preisobergrenze“.

Daher hätten die Telekom-Regulatoren unter anderem vorgeschlagen, Roaming-Produkte zu entbündeln. Das würde für die Kunden bedeuten, dass sie sich zusätzlich zum Basisvertrag bei ihrem Mobilfunkbetreiber noch einen Roamingvertrag bei einem anderen Betreiber nehmen können, erklärte Serentschy.

Technische Fragen noch ungelöst
„Die Idee ist, dass dadurch ein Roaming-Markt geschaffen wird und dass auch kleine Anbieter in diesen Markt eintreten können“, sagte Serentschy. „Roamingpreise, die größer als Null sind, sind eigentlich ein Hindernis für das Single-Market-Konzept.“ Die EU-Kommission habe mehrfach gesagt, 2015 oder 2016 sollten alle Roaminggebühren verschwinden. Die Idee für die Entbündelung sei ein richtiger Weg dorthin, glaubt Serentschy. Zu lösen seien allerdings auch noch technische Fragen.

Ergänzend zu den Entbündelungsmaßnahmen soll es auch weiterhin Preisobergrenzen geben, die „sozusagen als Sicherheitspolster weiter bestehen bleiben, nämlich sowohl für Sprache als auch SMS als auch für Daten“. Es gebe auch die Möglichkeit, aggressiver mit den Preisgrenzen nach unten zu gehen. „Wenn man das macht, dann bleibt aber relativ wenig ökonomischer Spielraum über, um in diese Entbündelungsmaßnahmen zu investieren.“

Allein der Austausch aller europäischen SIM-Karten würde zwischen 200 und 300 Mio. Euro kosten, schätzt Serentschy. Die EU-Koordinierungsstelle BEREC (Body of European Regulators for Eletronic Communications), der Serentschy in diesem Jahr vorsitzt, habe errechnet, dass die vorgesehenen „aggressiveren“ Preisobergrenzen auf Großhandelsebene nicht tiefer seien als die Kosten der mit der Entbündelung verbundenen Investitionen.

Telcos für "Escape Clause"
Die großen Netzbetreiber hätten einen Alternativvorschlag gemacht, „den ich jetzt ehrlich gesagt nicht so toll finde“, sagte Serentschy. Ihre „Escape Clause“ sehe vor, dass sie keine Entbündelungsmaßnahmen machen müssen, dafür aber ihren eigenen Kunden Roamingpreise anbieten, die nahe an den heimischen Preisen sind, also maximal 15 Prozent darüber. „Das ist eine politische Debatte, die noch zu führen sein wird“, da seien sich auch die Netzbetreiber nicht einig.

Das neue Regelwerk für die Entbündelung soll Mitte des Jahres stehen und vom EU-Parlament erlassen werden. Danach habe BEREC drei bis vier Monate Zeit, um die Umsetzungsregeln zu erstellen.

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